22.06.2020 09:09 |

Drei Wochen Hotel

Wohnungssuche wurde nach Ischgl zum Albtraum

Tirol mitten in der Corona-Krise, erste Gebiete werden unter Quarantäne gestellt: Eine Saisonarbeiterin flieht aus Ischgl in ihren Heimatort Innsbruck. Sie ist arbeits- und wohnungslos und sucht von einem Hotel aus nach einer neuen Unterkunft. Es gibt nur ein Problem - „Ischgl“ steht auf ihrem letzten Lohnzettel ...

Eine Wohnung in Zeiten von Corona zu finden, war vermutlich schon schwer genug. Die reinste Immobilien-Hölle erlebte aber Frau Mair (Name geändert): Kurz vor der Abriegelung Ischgls war die Saisonarbeiterin gemeinsam mit ihrem Freund in ein Innsbrucker Hotel geflüchtet, wo sich die beiden in Quarantäne begaben. Obwohl Mair bereits seit 20 Jahren in Innsbruck lebt, hat sie laut eigener Aussage wegen ihren Saisonaufenthalten in anderen Orten erst in zwei Jahren Anspruch auf eine Stadtwohnung.

Das Stadtamt riet ihr, sich in ein Obdachlosenheim zu begeben. Mair, besorgt um ihre Gesundheit, argumentierte, dass sich das Coronavirus dort leichter ausbreiten und sie erkranken könnte. Die Sekretärin soll bloß geantwortet haben: „Ja, das ist schon möglich.“

Letzter Lohnzettel ließ die Makler schaudern
Eine Wohnung musste her, und zwar schnell – denn bei 90 Euro täglich würde das Pärchen nicht lange im Hotel bleiben können. „Ich hatte keinen Job mehr, nur meinen letzten Lohnzettel“, schildert die Innsbruckerin. Auf dem stand tragischerweise „Ischgl“ – die Absagen flatterten nur so herein. „Schon wenn ich am Telefon das Paznaun erwähnt habe, hörte ich die Makler schlucken“, schildert Mair die Odyssee. Erst nach drei Wochen bekamen die beiden endlich eine Zusage – da die Maklerin das Paar bei der Besichtigung persönlich kennengelernt hatte und sie beiden sympathisch fand.

Fünf Monatsmieten als Kaution hingeblättert
Doch finanziell spitzte sich die Lage immer weiter zu: Wegen der Verbindung zu Ischgl musste das Paar eine fünfmonatige Kaution hinblättern. Zudem hieß es, die beiden könnten erst in einem Monat einziehen. Die Hotelkosten hätten Frau Mair und ihren Freund in den finanziellen Ruin getrieben. „Ich sagte ihnen, dass ich unmöglich so lange warten kann – die Maklerin hat das zum Glück geregelt.“

Inzwischen hat Frau Mair wieder eine Wohnung und auch einen Job in Innsbruck, doch wegen der ewigen Suche ist sie komplett pleite. Sie wünscht sich, die Stadt hätte sie als langjährige Bürgerin in ihrer Notlage nicht abblitzen lassen und ihr geholfen.

Mirjana Mihajlovic
Mirjana Mihajlovic
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