03.06.2020 17:00 |

Düstere Aussichten

Eventbranche unmittelbar vor dem Abgrund

Es wird lichter, das Schreckgespenst Corona verliert langsam an Macht. Hotels, Kinos, Fitnessstudios oder Bäder sind wieder offen. Doch während ab Mitte Juni sogar Flugzeuge in die Luft gehen sollen, erlebt eine Berufsgruppe einen nie erahnten Sturzflug: die Eventbranche. Sie ist wohl eines der letzten Glieder in der Corona-Gefängniskette ohne Aussicht auf Begnadigung!

„Am 10. März begannen die schlaflosen Nächte, nachdem mir nach anfänglicher Unterschätzung immer klarer wurde, was die Pandemie für mein Unternehmen bedeuten könnte“, repliziert der Telfer Tom Hosch, Inhaber der größten Eventtechnikfirma im Oberland, „jetzt ist meine berufliche Existenz akut gefährdet – und zwar wirklich.“ Er glaube nicht, dass viele in seiner Branche die Krisenzeit überleben werden, der Umsatz sei nämlich genau null! Der Sommer-Terminkalender 2020 des gefragten Licht- und Tontechnikunternehmens war randvoll. „Wir leben von Großevents, hauptsächlich im Sommer“, sagt Hosch, der sich seit 23 Jahren seine Firma sukzessive aufgebaut hat, „mit den paar kleinen Gigs in Telfs heuer kann ich nicht einmal meine Fixkosten decken.“

„Langsam wird es eng“
Der Besuch der „Krone“ in der Lagerhalle spricht für sich: Tausende Event-Utensilien, die zurzeit nutzlos herumliegen. „Großes wird heuer nichts mehr laufen“, meint der 56-jährige Familienvater, „langsam wird es finanziell eng. Selbst wenn im nächsten Jahr wieder Großevents erlaubt sind: Diese haben Vorlaufzeiten von einem bis zwei Jahre.“ Eine gewisse Resignation ist nicht zu überhören, aber warum eigentlich? Hosch: „Was in unserer Branche versäumt ist, ist versäumt. Und es werden uns einige Veranstalter verloren gehen, weil sie sich einfach nicht mehr trauen werden, große Konzerte zu organisieren.“ Nach 23 Jahren habe der Pandemieverlierer große Lust, den Hut draufzuschmeißen. Aber auch das sei nicht machbar, weil zurzeit das Equipment nicht verkäuflich ist.

52 Fragen an die WK
Auch die staatlichen Hilfen würden das Problem nicht lösen: Die 500 Euro aus dem Härtefallfonds seien ein Tropfen, der verdampft, noch bevor er auf den sprichwörtlichen heißen Stein trifft und die Bürokratie für Härtefallfonds II sei dermaßen undurchschaubar, dass sein Steuerberater 52 Fragen an die Wirtschaftskammer richtete. „Stundungen und Vorschüsse nützen nur temporär etwas“, sagt Hosch, „wir bräuchten zur Überwindung der Krise völlige Befreiung aller Kosten und Barhilfen. Wir sind eine vergessene Branche.“

Unterstützungsforderung an die Regierung
Unterdessen forderte auch die gesamte Österreichische Eventbranche mit ihren 140.000 Beschäftigten in einem offenen Brief von der Bundesregierung Unterstützungsmaßnahmen. Tom Hosch schätzt, dass die Krise ihn und seine Kollegen noch mindestens ein Jahr lahmlegen wird: „Das werden die meisten nicht überleben.“ Düstere Aussichten, die die Hoffnung nicht nähren, die aber angeblich zuletzt stirbt.

Hubert Daum
Hubert Daum
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