31.05.2020 09:30 |

Drohneneinsatz

Gegen grauenvollen Mähtod: Rettung aus der Luft!

Gegen Mähgeräte haben Kitz & Co. keinerlei Chance - viele sterben auf unseren Wiesen oder werden schwer verletzt. Steirische Jäger versuchen, mit Drohnen die Tiere zu retten.

Herrlich ist diese ganz frühe Morgenstunde im schönen Semriach. Die Sonne schickt die ersten Strahlen, nur fröhliches Vogelgezwitscher durchbricht die Stille - und das leise Surren einer Drohne. Unermüdlich fliegt sie über die Wiese von Wolfgang Wieland, der heute noch mähen will - und Tierleid verhindern möchte.

Daher kommt die Drohne zum Einsatz, selbstständig fliegt sie in 20 Metern Höhe in Streifen die drei Hektar Wiese ab. Sebastian Möstl, der sich sehr gut damit auskennt, beobachtet das Geschehen auf seinem Display. „Wenn jetzt ein Körper auf der Wiese liegt, erkennt diesen die Wärmebildkamera, ich kann dann nah heranzoomen und sehe, um welches Tier es sich handelt.“

Bei unserem Lokalaugenschein war es schon nach wenigen Minuten so weit: Ein Kitz liegt eng in den Boden geduckt - die Jäger rücken aus. In diesem Fall ist das Baby schon groß genug, es flüchtet sofort in den Wald, fiept, die Mutter, die das Geschehen vermutlich auch beobachtet, holt es sofort, gemeinsam verschwinden sie im Gebüsch.

Nur wenig später ein neuer Fall: Ein noch winzigeres Kitz liegt in der Wiese, es ist zu jung, um selbstständig zu fliehen. Über die Drohne können die Jäger ganz genau den Standort ausmachen, pirschen sich vorsichtig heran. „Normalerweise würden wir es jetzt heraustragen, freilich nur mit Handschuhen und dicken Grasbüscheln dazwischen, damit es das Muttertier aufgrund des Menschengeruchs nicht verstößt und es elendiglich verhungert“, erklärt Waidmann Wolfgang Wieland.

Da ihm diese Wiese gehört und er sie später selbst mäht, stülpt er zum Schutz lieber eine große Kiste vor Ort darüber. Kollege Johann Neuhold sichert das ganze Gebiet noch mit ausgesteckten Duftfahnen, damit nicht erneut Rehe in die abgesuchten Gebiete gehen.

Ganz viel Aufwand! Jemand, der auf die Drohne geschult ist, mindestens drei Jäger oder Helfer, die eine „Suchkette“ bilden, die Kitze heraustragen. „Aber es ist den Aufwand wert“, sagt Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof. Allein im Vorjahr wurden fast 3000 Kitze von Mähgeräten getötet - „und das sind nur die gemeldeten, die Dunkelziffer dürfte ein Vielfaches ausmachen. Und jedes ist eines zu viel.“

Grauenvoller Anblick
Auf jeden Fall - vor allem, wenn man Fotos von grauslich verstümmelten Tieren sieht. Sie haben, genauso wie Bodenbrüter, keine Chance gegen die Mähgeräte, die nach dem heutigen technischen Stand der Dinge meterbreite Mähwerke haben und mit großer Geschwindigkeit durch die Wiesen fegen. Früher war das anders, schwelgt man da in Nostalgie. Als noch mit der Sense gemäht oder mit langsamen Geräten gefahren wurde, das Gebiet vor sich genau angeschaut werden konnte. Aber heute ...

Allein in Semriach kommen pro Jahr an die 80 Kitze zur Welt - und die Hälfte (!) davon wurde im Schnitt von Mähgeräten getötet. Man lege das auf die ganze Steiermark um! Aber im Vorjahr wurden in Semriach durch die Drohne bereits 30 Kitze gerettet.

„Heute behelfen sich immer mehr eben mit Drohnen, ein gutes Gerät kostet an die 4000 Euro“, so Mayr-Melnhof. Die Jäger haben schon mehrere angekauft, auch viele Bauern wollen Hilfe - aus Tierschutzgründen, aber auch, weil Kadaver das Heu vergiften.

Zitat Icon

Die Jäger bieten steiermarkweit kostenfrei an, Wiesen vor dem Mähen nach Kitzen abzusuchen.

Franz Mayr-Melnhof-Saurau, Landesjägermeister

Die Jäger helfen aber auch vom Boden aus. Mayr-Melnhof: „Es wird steiermarkweit kostenfrei angeboten, dass Waidmänner die Mähwiesen absuchen, durch Fahnen oder Ähnliches sichern. Das sollten noch viel mehr in Anspruch nehmen!“

Hände weg von Wildtieren!
Was sich noch daraus ergibt, ist der dringende Appell, Kitze, die Wanderer in Wiesen finden, liegen zu lassen. Die Mutter beobachtet es, kommt nur zum Säugen, um Raubtiere nicht auf deren Spuren zu lenken. Es mitzunehmen, ist nicht Tierschutz, sondern verursacht Leid. Also: Hände weg!

Christa Bluemel
Christa Bluemel
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