28.04.2020 16:18 |

Schulöffnung

Lehrervertreter erwarten „gewaltige Probleme“

Österreich hat endlich einen Fahrplan, wie es wieder zurück in die Schule geht. Doch nicht alle sehen in der stufenweisen Wiederöffnung einen sinnvollen Kompromiss. So erwarten sich die SPÖ-Lehrervertreter „gewaltige Probleme“ bei der Betreuung. Zuvor hatten bereits die AHS-Direktoren davor gewarnt, unter den vorhandenen Rahmenbedingungen nicht für die Sicherheit von Schülern und Lehrern garantieren zu können. Die roten Lehrervertreter sprechen sich zudem dafür aus, die Sommerferien um eine oder zwei Wochen vor- und in den Juni hineinzuverlegen.

Ab 18. Mai soll an den Schulen schrittweise wieder der Betrieb aufgenommen werden. Um die Klassen zu verkleinern, wird im „Schichtbetrieb“ unterrichtet. Bei Bedarf müssen aber zusätzlich auch jene Schüler betreut werden, die laut „Schichtbetrieb“ nicht an der Schule sein sollten. Thomas Bulant von den Sozialdemokratischen LehrerInnen Österreich (SLÖ) erwartet sich dadurch „gewaltige Probleme“.

„Wird zu gewaltigen Turbulenzen führen“
An den Schulen gebe es oft nicht die dafür benötigten Räume, warnt Bulant. An seiner Schule, einer NMS in Wien-Favoriten, müsste man für die Betreuung auf Speisesaal, Werk- und Computerräume oder Turnsäle ausweichen. Während man aber in den Klassen durch die Tischordnung noch das Abstandhalten gewährleisten könne, sei das in anderen Räumen bei Kindern mit ihrem ausgeprägten Bewegungsdrang schwer vorstellbar. „Das wird zu gewaltigen Turbulenzen führen, wo viele von uns (Lehrern, Anm.) die Angst haben, wie wir als ‘Hygienewächter‘ hier aktiv werden können.“

Die stufenweise Wiederaufnahme des heimischen Schulbetriebs ab 4. Mai trotz Coronavirus-Krise spaltet die Österreicher. Was Bildungsexperte Salcher zu den Plänen der Regierung sagt und wie unsere Leser bei unserer großen Schul-Umfrage auf krone.at abgestimmt haben, lesen Sie hier.

An den Volksschulen stehe man bei der Betreuung zudem vor Personalproblemen. Immerhin gebe es dort großteils neben den Klassenlehrern nur noch Lehrer für Religion und Werken. Wenn nun zusätzlich zu den Gruppen, die laut „Schichtbetrieb“ Unterricht haben, viele Schüler zur Betreuung ins Haus kommen, gebe es nicht ausreichend Betreuungspersonal für alle Gruppen.

Bulant fragt sich auch, wie Lehrer ihre Schüler bei der Hausübung unterstützen und gleichzeitig den Sicherheitsabstand wahren sollen. „Im Prinzip erlebt mit diesen Unterrichtswochen der verpönte Frontalunterricht seine Renaissance, denn damit können wir alle miteinander Abstand halten.“ Die Lehrer müssten nun hoffen, dass nicht zu viele Eltern die Betreuungsmöglichkeit in Anspruch nehmen.

Probleme auch bei Ausstattung der Schulen
Probleme sieht Bulant auch bei der Ausstattung der Schulen. An manchen Standorten sei ein Querlüften wegen der Bauweise der Fenster gar nicht möglich, an anderen gebe es nur Kaltwasser. Die Alternative Desinfektionsmittel sei schlicht nicht vorhanden. In Wien mussten die Schulen sich laut Bulant bisher selbst darum kümmern, es aufzutreiben. Bis zum Schulbeginn am 18. Mai hat die Stadt laut Bulant zugesichert, ausreichend Desinfektionsmittel für die Pflichtschulen zu besorgen.

„Es wird suggeriert, dass die Schulen bestens vorbereitet sind. In Wirklichkeit wird alles, was nicht zentral gelöst werden kann, in die Schulautonomie gegeben.“ Das findet Bulant insofern perfide, als die Schulleitungen schließlich dafür verantwortlich gemacht würden, wenn die Pläne des Ministeriums nicht umsetzbar seien.

Sozialkontakte vor und nach der Schule „nicht unter Kontrolle“
Sorgen macht Bulant auch, dass die Schulen für die Zeit direkt vor und nach der Schule verantwortlich gemacht werden könnten. Die Sozialkontakte in dieser Zeit seien das, was die Schüler am meisten vermisst hätten. Diese seien aber nicht gut in der Lage, Abstand einzuschätzen und einzuhalten. „Das werden wir nicht unter Kontrolle haben.“ Der SLÖ-Chef schlägt deshalb vor, nur die Schüler der Abschlussklassen von Volks- und Neuen Mittelschulen wieder an die Schulen zu holen. „Die kann ich dann sogar in Fünfergruppen unterrichten und ihnen so einen anständigen Abschluss ermöglichen“, immerhin würden diese im Herbst in andere Schulformen übertreten.

Sommerferien sollen schon im Juni starten
Außerdem plädiert Bulant dafür, die Sommerferien um eine oder zwei Wochen vor- und in den Juni hineinzuverlegen und dafür nach den neunwöchigen Ferien bereits Ende August das neue Schuljahr zu beginnen - und zwar in allen Bundesländern gleichzeitig, eine Staffelung wegen des Urlaubsverkehrs sei angesichts der Corona-Krise heuer nicht notwendig. Eine Verschiebung des Schuljahres ist für Bulant unter den aktuellen Klimabedingungen ohnehin ein Gebot der Stunde. „Wenn es im Juni wieder so heiß ist wie in den vergangenen Jahren, ist der Unterricht im Juni in Wahrheit nur getarnte Beaufsichtigung.“

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