13.04.2020 10:53 |

Heute vor 12 Jahren

Markus Rogan: Mit der Wut im Bauch zu WM-Gold!

Vor genau zwölf Jahren sorgte Markus Rogan für eine Sternstunde des österreichischen Sports. Der damals 25-Jährige gewann am 13. April 2008 bei der Kurzbahn-WM in Manchester Gold über 200 m Rücken in der neuen Weltrekordzeit von 1:47,84 Minuten. Es war wahrhaft eine unglaubliche Sensation! Rogan hatte nach seiner Enttäuschung drei Tage zuvor über 100 m Rücken (Vierter) gar nicht mehr zu den 200 m antreten wollen. Doch dann schwamm er wie ein Blitz aus heiterem Himmel zu diesem historischen Titel, dem bis heute einzigen WM-Gold für Österreichs Schwimmsport. Es war der Höhepunkt einer absolut verrückten Woche!

Rogan hatte drei Wochen vor der WM bei der Kurzbahn-EM in Eindhoven zwar Gold über 100 m Rücken und auch über 200 m Rücken gewonnen, hatte sich aber für Manchester ganz auf die 100 m Rücken, damals seine neue Spezialdisziplin, vorbereitet. Da sah er in Manchester die „größte Chance seines Lebens auf einen WM-Titel“. Christine Reiler, damals mit Markus befreundet, war eigens zu den 100 m Rücken nach Manchester geflogen, um ihn anzufeuern. Ich hatte sie noch kurzfristig für die „Kronen Zeitung“ akkreditiert.

So verfolgten wir gemeinsam auf der Pressetribüne das Finale über 100 m Rücken, sie hatte sich gar vorgenommen, bei Gold zu Rogan ins WM-Becken zu springen. Doch daraus wurde nichts. Rogan wurde mit neuem österreichischen Rekord von 50,61 Sekunden Vierter. Mein gnadenloser Titel für meinen Freund Markus: „Pleite für Rogan - statt Gold gab es nur Blech!“ „Es wird ein Rennen in Demut!“ Rogan, der jetzt in Los Angeles lebt und mit dem ich bis heute befreundet bin, gestand: „Das war meine größte Enttäuschung bei einer internationalen Meisterschaft!“ Er überlegte, die WM in Manchester abzubrechen: „Es ist besser, wenn ich mich jetzt intensiv auf Olympia in Peking vorbereite!“

In Manchester aber hatte Markus, Österreichs doppelter Olympia-Zweiter von Athen 2004, die 200 m Rücken schon abgehakt. Zum Glück nicht ganz. Rogan ließ es noch recht lange offen, ob er die WM beendet oder nicht. Er war am nächsten Tag telefonisch nicht zu erreichen. Schließlich schickte er mir ein kurzes SMS: „Es wird ein Rennen in Demut!“ So lapidar kündigte er mir seinen Start für die 200 m Rücken am Schlusstag der WM an. Als wir uns nach seinem Training trafen, meinte er noch: „Ich will mich nicht verstecken - und muss mit der Niederlage leben.“ Er sah absolut keine Chance über 200 m Rücken gegen Ryan Lochte: „Bestenfalls kann ich Silber holen. Es kann aber auch Platz fünf werden …“

Auf letzter Bahn an Lochte vorbei An jenem denkwürdigen Sonntag-Nachmittag sollte aber alles anders kommen als erwartet! Es war ein wahnwitziges Finale über 200 m Rücken! Kollegen, ein Funktionär des Weltverbandes und die damalige WM-Pressechefin Jayne Pearce, erinnern sich noch heute lebhaft daran, wie ich auf der Pressetribüne ausflippte, als Rogan in Führung ging und Lochte auf der letzten Bahn in einem irren Fight niederkämpfte. In 1:47,84 besiegte er den hohen US-Favoriten (1:47,91), pulverisierte dabei seinen eigenen Europarekord um 2,02 (!) Sekunden (zuvor 1:49,86) und zertrümmerte auch den Weltrekord von Ryan Lochte (1:49,05).

Wie wild planschte Rogan vor Freude im Wasser, als die Nummer 1 für ihn an der Anzeigetafel aufschien. Damit war er Österreichs erster Schwimm-Weltmeister und stellte zum zweiten Mal nach Triest 2005 in seiner großen Karriere einen Weltrekord auf. „Keine Ahnung, wie das passiert ist. Ich glaub‘ es nicht. Damit habe ich nie und nimmer gerechnet!“ Sein italienischer Trainer Claudio Rossetto erzählte mir, wie er Rogan zum Start überredet habe - mit den Worten: „Du kannst auch gewinnen, du musst nur dran glauben!“ Markus habe er bei einem Donnerwetter zur Rechenschaft gezogen: „Entweder du trittst an, oder du kannst woanders trainieren!“ Zum Glück trat Rogan an ...

Olaf Brockmann

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