12.04.2020 05:37 |

Volkskultur in Kärnten

Ostern ist ein Fest unter der Fahne des Sieges

Kein Osterhaufen, keine Verwandtenbesuche, kein „Bratleschuss“ - Zeit, zu überlegen, was heute gefeiert wird: Die Auferstehung.

Sie ist die zentrale Glaubenswahrheit der Christen: die Auferstehung. Lange wurde dieses Ereignis von den Künstlern jedoch gar nicht dargestellt.

Das Lamm Gottes
Auch die vier Evangelisten berichten nicht direkt von der Auferstehung, doch Engel erzählen in der Bibel den Frauen davon (Mt 28, Mk 16, Lk 24 und Joh 20). Neben den Frauen am leeren Grab haben Künstler auch das Lamm Gottes gemalt; das Lamm, das die Sünden der ganzen Welt auf sich nimmt, sich zum Schlachten führen lässt, durch dieses Opfer die Verfehlungen aller sühnt und somit neues Leben ermöglicht. Das zeigt das weiße Lamm mit Kreuzesstab und Siegesfahne.

Erst ab dem 12. Jahrhundert wird Christus dargestellt, wie er aus dem Grab emporsteigt. Thomas von Villach, im 15. Jahrhundert einer der bedeutendsten Fresken- und Tafelmaler Kärntens, schuf in der Pfarrkirche Sankt Andrä in Thörl-Maglern solch eine Darstellung.

Auch das Schauspiel nahm sich des großen Themas an: Oft waren fast alle Bewohner eines Ortes im viele Stunden dauernden Christi Leiden-Spiel aktiv. Auch die Auferstehung wurde dargestellt: durch einen Jesus, der die Osterfahne, das rote Kreuz auf weißem Grund, hält.

Böllerschüsse zu Ostern
Dieser wichtigste Tag im Kirchenjahr begann einst mit der Tagwache um halb 2 Uhr in der Früh. Böllerschüsse verkündeten die Freude über die Auferstehung. Die Bäuerin besprengte den Osterhaufen mit Weihwasser, der Bauer entzündete die Äste mit geweihtem Feuer, der glorreiche Rosenkranz wurde gebetet. Erst danach gab es das lang ersehnte „Weihfleisch“, das nach der strengen Fastenzeit wie eine Belohnung empfunden wurde.

Zu Mittag am Ostersonntag wurden meist nicht Schinken, Zunge und Würstel aus dem Osterkorb, sondern ein Braten kredenzt. „Als Besonderheit gab es ein Fass Bier“, berichten Inge und Franz Auer in „Zeitreise durch Metnitz“ (Wolfgang Hager Verlag): „Das Böllerschießen war am Ostersonntag den ganzen Tag über zu hören. Die Kirchgeher wurden fortgeschossen, der Bauer bei seiner Heimkehr mit einem Schuss empfangen, zu Mittag gab es den ,Bratleschuss’. Erst am Ostermontag klang das Schießen langsam aus.“ Die Gotl oder der Göt brachten dem Patenkind einst einen Reindling mit Münze.

Am Tag nach der Auferstehung gehen laut Lukas-Evangelium zwei Jünger zum Dorf Emmaus, als sie Jesus treffen. Sie erkennen ihn erst, als er bei Tisch das Brot nimmt, dankt, es bricht und ihnen gibt - wie beim Abendmahl am Gründonnerstag. Solch ein Emmausgang findet, wenn nicht gerade eine Pandemie herrscht, vielerorts heute noch statt.

Ein hohes Fest der Freude
Der Ostermontag war unter Bauersleuten aber auch immer ein Tag zum Feiern: Nach dem Beten wurde auf einer halbwegs ebenen Wiese gekegelt und getanzt bis in die frühen Morgenstunden. Denn Ostern ist ja ein hohes Fest der Freude.

Christina Natascha Kogler
Christina Natascha Kogler
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