28.03.2020 06:10 |

Austro-Plattformer

Für Finger & Hirn: „Ori and the Will of the Wisps“

2015 gelang den Moon Studios rund um den Wiener Thomas Mahler mit dem Action-Plattformer „Ori and the Blind Forest“ ein Überraschungserfolg. Fast exakt fünf Jahre später legt die Indie-Spieleschmiede nun nach und präsentiert mit „Ori and the Will of the Wisps“ eine Fortsetzung, die Kopf wie Finger gleichermaßen fordert. Prädikat: empfehlenswert.

„Ori and the Will of the Wisps“ erzählt mit wenigen Worten, aber umso stimmungsvolleren Bildern eine Geschichte von Freundschaft und Zusammenhalt, dessen Verlust und der daran geknüpften Hoffnung, dass sich eines Tages doch wieder alles zum Guten wenden wird. Garniert wird das Ganze mit ein bisschen Umweltzerstörung und Klimawandel. Kurzum: Ein Spiel, dass, teils gewollt, teils wohl eher dem Zufall geschuldet, perfekt in diese Tage zu passen scheint - zumal jetzt doch ausreichend Zeit zum Zocken vorhanden sein sollte.

Die braucht es auch, um sämtliche Herausforderungen zu meistern, denen sich Protagonist Ori auf seiner Reise in die entlegensten Winkel der Welt Niwen gegenübersieht. Jede Region, ob Feucht-Biotop, Unterwasserhöhlen, Wüste oder Eislandschaft, erfordert dabei ganz eigene Strategien zur „Krisenbewältigung“ bzw. Talente, sodass, wer nicht entsprechend gerüstet ist, mitunter schnell an seine Grenzen stößt. Dann empfiehlt es sich, zunächst eine andere Ecke der prinzipiell weitgehend offenen, liebevoll inszenierten Spielwelt aufzusuchen.

Wiederkommen lohnt sich
Dass man ein und denselben Ort mehrfach besucht, bleibt ohnehin nicht aus, dafür sorgen nicht zuletzt Dutzende Geheimnisse wie versteckte Fragmente von Energie- oder Gesundheitszellen, die es Ori im Kampf erlauben, mehr auszuteilen und auch einzustecken; Geisterkugeln, die als In-Game-Währung fungieren und es im Austausch etwa ermöglichen, Karten der überaus verworrenen Gebiete zu erstehen oder Oris Fähigkeiten zu verbessern; sowie Gorlerk-Erz, das bei der Verwirklichung diverser Bau-Projekte in Oris Dorf-Gemeinschaft hilft.

Dann wären da noch Kampfschreine, an denen Ori gegen Belohnung sein Geschick im - Überraschung - Kampf unter Beweis stellen kann oder die sogenannten Geisterrennen, bei denen der kleine Held im Rennen gegen die Bestzeiten anderer Spieler schnellstmöglich von A nach B gelangen muss. Die meisten Aufgaben sind optional, bringen zum einen aber zusätzliche Abwechslung ins Spiel, und erlauben es zum anderen vor allem, durch den Kauf neuer oder das Aufbessern bereits vorhandener Fähigkeiten besser durch die Spielwelt zu kommen.

So bleibt Ori anstatt herunterzurutschen etwa an Wänden kleben, kann unter Wasser atmen anstatt Luft holen zu müssen oder mittels entsprechender Fähigkeit nicht bloß einen Doppel-, sondern gar einen Dreifachsprung absolvieren. Hinzu kommen unterschiedliche Waffen bzw. Angriffsarten, die durchzuprobieren sich bei den diversen Boss-Kämpfen durchaus lohnen kann.

Fordert Finger und Köpfchen
Neben Finger- bedarf es aber immer wieder auch gewisser Denkfertigkeiten. Hilfestellungen gibt es nur äußerst selten, anschließend obliegt es dem Spieler, alles andere herauszufinden. Oftmals bedarf es zum Lösen eines Puzzles der Kombination gleich mehrerer Fertigkeiten. Das ist durchaus anspruchsvoll und setzt häufig mehrere Durchläufe voraus, jedoch muss man den Entwicklern zu Gute halten, dass das Spiel trotz steiler Lernkurve stets fair bleibt - und der Frust damit ausbleibt, was auch der äußerst präzisen Steuerung zu verdanken ist.

Wem es trotzdem noch zu schwer ist: Das Spiel legt im Hintergrund fortlaufend Speicherstände an, die - abrufbar über das Hauptmenü - in verfahrenen Situationen helfen können, sich aus diesen zu befreien. Darüber hinaus steht als leichtester Schwierigkeitsgrad ein Story-Modus zur Auswahl, der den Schwerpunkt auf die Handlung legt. Während eines bereits angefangenen Spiels ist es allerdings nicht möglich, den Schwierigkeitsgrad zu wechseln.

Fazit: „Ori and the Will of the Wisps“ baut mit anspruchsvollem Gameplay, einer mitreißenden Story, großartiger Optik und ebensolcher Klangkulisse auf den Stärken des Vorgängers auf. Hinzugekommen ist vor allem mehr Abwechslung: Mit jedem Wechsel der Szenerie werden kontinuierlich neue Spielelemente hinzufügt, wodurch sich auch die Anforderungen an das eigene Können stetig ändern. „Ori and the Will of the Wisps“ ist und bleibt damit von der ersten Minute an spannend und fordernd.

Plattform: Xbox (getestet), PC
Publisher: Microsoft
krone.at-Wertung: 9/10

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