12.03.2020 11:50 |

Experte klärt auf:

„Kommende Woche wird extrem kritisch für Verlauf“

Das Coronavirus breitet sich in Österreich immer weiter aus. Am Donnerstag gab es bereits 304 bestätigte Fälle und einen Todesfall. Doch bei vielen Menschen ist der Ernst der Lage noch immer nicht angekommen. Während sich manche Eltern und Großeltern über die ihrer Meinung nach zu drastischen Maßnahmen beschweren, ignorieren andere wiederum die Vorgaben der türkis-grünen Regierung, die sie gemeinsam mit Gesundheitsexperten beschlossen hat. 

Viele Mediziner beobachten die Situation sehr genau und teilen deshalb ihr Fachwissen mit der Öffentlichkeit. Einer davon ist der Dozent für Innere Medizin an der MedUni Wien, Dr. Franz Wiesbauer, der in einem Video mit den Irrtümern der Österreicher über die Corona-Krise aufräumt, sachlich informiert und erklärt, warum wir alles in unserer Macht stehende tun müssen, um die Ausbreitung des Virus aufzuhalten.

Corona ist keinesfalls mit der Grippe vergleichbar
Franz Wiesbauer ist Facharzt für innere Medizin und klärt in dem knapp 6-minütigen Video gleich zu Beginn auf, dass das Coronavirus keinesfalls mit einer Grippe zu vergleichen sei: „Wir haben es hier mit einem Virus zu tun, das wesentlich ansteckender und auch wesentlich gefährlicher ist.“

Mitte April könnten 4 Millionen Österreicher infiziert sein
Eine mit dem Grippevirus angesteckte Person infiziere im Schnitt 1,4 bis 1,8 weitere Personen. „Ein am Coronavirus infizierter Patient, infiziert im Schnitt zwei bis 3,11 weitere Personen“, so Wiesbauer. Deshalb handle es sich um eine exponentiell wachsende Pandemie. Das bedeutet, dass sich die Anzahl der registrierten Fälle alle drei bis vier Tage verdoppelt. Wenn man von einem Verdopplungsintervall von drei Tagen ausgeht, „könnten bereits in 45 Tagen vier Millionen Österreicher infiziert sein“. 

Der Mediziner geht derzeit sogar davon aus, dass sich das Virus außerhalb Chinas schneller verbreitet. Die statistische Schwankungsbreite sei zwar aufgrund der geringeren Gesamtzahl an Fällen höher, die „Zahlen sind aber alles andere als erfreulich“.

Falls wir uns weiterhin so verhalten, als wäre die Corona-Pandemie eine „stinknormale Grippe“, hätten wir bereits in 18 Tagen mehr Fälle, als es derzeit in Italien gibt, das sind derzeit etwa 10500 (Stand 12. März). Zwischenzeitlich hat es in Österreich am Donnerstag zu Mittag auch den ersten Corona-Todesfall gegeben.

Fünf Prozent der Corona-Fälle verlaufen kritisch
Auch was den Verlauf der Krankheit betrifft, klärt der Mediziner auf: Während die Krankheit in 81 Prozent der Fälle mild verlaufe, gebe es bei 14 Prozent der Fälle einen schweren Verlauf, der einen Krankenhausaufenthalt notwendig mache. „Wobei fünf Prozent kritisch verlaufen. Diese fünf Prozent brauchen ein Bett auf der Intensivstation.“ Laut Bundesministerium gab es im Jahr 2018 67.000 Krankenhausbetten in Österreich. Auf 100.000 Einwohner kämen etwa 23,4 Intensivbetten. Das würde bei 8,8 Millionen Einwohnern bedeuten, das Österreich etwa 2060 Betten auf Intensivstationen habe, die allerdings nicht alle frei, sondern zumindest teilweise belegt seien. 

Bettenlimit könnte schon in 21 Tagen erreicht sein
Laut aktuellem Ausbreitungsverlauf der Pandemie, würde das bedeuten, dass in circa 21 Tagen das Limit erreicht würde. „Danach haben wir 1000 kritische Covid-19-Patienten in Österreich.“ Danach gebe es für die kritischen Fälle keine Betten mehr. Aufgrund der Inkubationszeit - die Zeitspanne zwischen der Infektion und dem Auftreten erster Symptome - werden diese Patienten schon in den nächsten Tagen infiziert.

„Kommende Woche wird kritisch für Verlauf“
Die Inkubationszeit liegt beim Coronavirus bei etwa 5,2 Tagen im Schnitt. „Die kommende Woche wird extrem kritisch sein für den Verlauf der Epidemie in Österreich“, sagt Wiesbauer. Die ersten Menschen, die kein Intensivbett mehr bekommen, würden bereits in den nächsten Tagen infiziert, „wenn wir nichts dagegen tun“.

Deshalb sind die Begrenzung von Innen- und Außenveranstaltungen sowie das Schließen von Universitäten, Fachhochschulen, Ober- und Unterstufen, wichtige Maßnahmen um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Das hat sich in der Vergangenheit auch schon bei der tödlichen Spanischen Grippe bewährt.

Wichtigste Abbildung der Corona-Epidemie
Die unten stehende Abbildung bezeichnet der Mediziner als die „wichtigste Abbildung der gesamten Epidemie“. „Die linke Kurve zeigt, was passiert, wenn die Epidemie ungebremst weitergeht. Es wird unweigerlich zu einer Überlastung des Gesundheitssystems kommen.“ Die Sterblichkeit würde in dieser Phase weit über die beschriebenen 2,5 Prozent hinausgehen, weil die medizinische Versorgung nicht mehr gewährleistet wäre.

Überlastung des Gesundheitssystems verhindern
„Die rechte Kurve zeigt, was passiert, wenn die richtigen Maßnahmen getroffen werden, wenn wir Handhygiene betreiben, Gruppenansammlungen meiden, von zu Hause arbeiten und nicht unnotwendig reisen. Dann können wir es schaffen, die Epidemie hinauszuzögern, sodass es nicht zu einer Überlastung des Gesundheitssystems kommt.“ In Italien verläuft die Ausbreitung derzeit wie die linke Kurve, weshalb das Gesundheitssystem in den am stärksten betroffenen Gebieten bereits kurz vor dem Kollaps steht. 

Nur wenn das gelinge, könnte man die Sterblichkeit niedrig halten. Deshalb ist es dringend notwendig, dass sich jeder Einzelne strikt an die Vorgaben der Regierung hält und so einen Beitrag zur Eindämmung der Corona-Pandemie leistet.

Martin Grob
Martin Grob
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