21.07.2010 08:38 |

Interesse ungebremst

"Schatz von Ebbs" hält Goldgräber und Medien auf Trab

Der "Schatz von Ebbs" hält Medien und Goldgräber immer noch auf Trab. Wie die "Krone" bereits Ende Juni berichtete, soll ein deutscher Bankbetrüger mehr als fünf Millionen Euro in einem Wald bei Eichelwang vergraben haben. Die geprellte Bank verspricht dem Finder nun 660.000 Euro Vergütung. Nach fast einem Monat ist das Interesse noch immer ungebremst.

Laut Ortschef Josef Ritzer ist das Interesse an den vergrabenen Geldkisten immer noch nicht abgeflaut. "Ich gebe wöchentlich Interviews. Vor allem deutsche Medien wie ZDF, ARD, RTL oder das Bayerische Fernsehen sind immer noch hier. Sogar SPIEGEL TV drehte ein Dokumentation über das Schatzsucherfieber im Ort", freut sich Ritzer.

Millionen von Kundenkonten abgezweigt
Zur Vorgeschichte: Insgesamt fünf Millionen Euro zweigte der damalige Finanzberater Augustin G. von Kundenkonten ab. Wenig später klickten die Handschellen. Doch vom erbeuteten Vermögen fehlt bis heute – acht Jahre später – noch jede Spur. Bei seiner Enthaftung 2008 schwor er dem Richter, dass die italienische Mafia ihm das Geld damals abgeknöpft habe. Doch sein ehemaliger Arbeitgeber, die deutsche DBA-Bank, hatte Zweifel – Wirtschaftsdetektive wurden umgehend engagiert.

Und es sollte nicht lang dauern, bis die Beschatter von Augustin G. vielversprechende Neuigkeiten lieferten: Unmittelbar nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis führte der Millionenbetrüger die Detektive direkt nach Tirol – wo er schließlich mit einer Taschenlampe "bewaffnet" mitten in der Nacht in einen Wald bei Eichelwang stapfte. Erst eine Stunde später kehrte er laut seinen Bewachern wieder zum Auto zurück und fuhr davon. Nach einigen Tagen übergab Augustin G. einem Gläubiger in Deutschland 100.000 Euro. Alles in feuchten, angeschimmelten und modrig riechenden 500er-Scheinen. Das war Beweis genug...

Grabungen beaufsichtigt
Zumindest für viele private Goldgräber: Auch fast einen Monat nach Bekanntwerden des Falls sieht man immer wieder hoffnungsvolle Touristen mit Schaufeln durch den fast 30 Hektar großen Wald ziehen. "Das Forstamt hat in Einklang mit den Grundbesitzern die Grabungen beaufsichtigt. Bisher wurde nichts zerstört, es fanden ja auch immer nur kleinere Grabungen statt", weiß Ritzer. Profitiert hat auch der Gasthof "Schanz", der direkt neben dem betroffenen Waldstück steht. Viele Touristen und Medienleute aus dem deutschsprachigen Raum reservierten hier ihre Zimmer. Der Rubel rollt.

Touristiker schnürten Goldgräber-Paket
Der örtliche Tourismusverband hat sogar ein Goldgräber-Paket (zwischen 66 Euro und 182 Euro für drei Tage) ins Leben gerufen, welches angeblich gut angenommen wird. Sowohl Touristengruppen als auch Einzelpersonen reisen an. Alles in allem ist Ritzer erfreut über den Schatz, ob es ihn nun gibt oder nicht. "Das mediale Echo war und ist positiv und es hat den Kaufleuten in der Gegend einiges an Geschäft verschafft." Ritzer hat jetzt Urlaub, vielleicht wird auch er dieser Tage mit seiner Schaufel im Wald sein Glück versuchen…

von Matthias Holzmann, Tiroler Krone

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