12.07.2010 13:09 |

Zur Restauration

Särge aus der Gruft von St. Michael ans Tageslicht gebracht

Von wegen letzte Ruhe: Am Montag sind Särge, die seit Jahrhunderten in der Wiener Michaelergruft lagerten, wieder ans Tageslicht befördert worden. Sie wandern vorübergehend in die Obhut von Restauratoren. Denn die kulturhistorisch bedeutenden Objekte sind vom Verfall bedroht. Der Inhalt der Särge blieb hingegen in der Gruft in der Innenstadt, die sterblichen Überreste der Verstorbenen wurden von der Bestattung vorübergehend umgebettet.

Insgesamt liegen in der Michalergruft rund 200 Holz- und Metallsärge aus der Zeit der Renaissance und des Barock. Besorgniserregend ist vor allem der Zustand der Holzsärge. Sie sind stark verschmutzt, von Schimmel befallen und drohen zu verrotten. Nach Musterrestaurierungen an drei Exemplaren werden nun zunächst 50 Särge bearbeitet. Sie werden in eigens für diesen Zweck gezimmerten Kisten und mittels Kühl-Lkw abtransportiert.

Vor ihrer Rückkehr in die Gruft von St. Michael werden die Totenbehältnisse gereinigt und vom Schimmel befreit. Die zum Teil bemalten Holzoberflächen und Fassungen werden konserviert. Ziel der Maßnahmen ist ein Erhalt des "Status Quo", wie betont wurde. Eine Rekonstruktion des ursprünglichen Zustands wird nicht angestrebt.

Klima im Keller begünstigt Schädlingsausbreitung
"Die Restaurierung der Särge ist der Beginn der zweiten Etappe", betonte der Wiener Landeskonservator Friedrich Dahm. Die erste habe vor rund sechs Jahren begonnen - mit einer Bestandsaufnahme. Ergebnis: Es habe "extremes Raumklima" geherrscht, das durch hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 18 und 20 Grad Celsius gekennzeichnet gewesen sei. Dadurch habe sich auch eine eigentlich in Australien beheimatete Art des Rüsselkäfers ausgebreitet. Dieser hat laut Dahm dem Holz großen Schaden zugefügt.

Durch den Einbau einer Klimaanlage bzw. die neuerliche Öffnung der im 20. Jahrhundert geschlossenen Lüftungsschächte wurden die Probleme weitgehend in den Griff bekommen. So ist etwa der gefräßige Käfer so gut wie verschwunden.

Gesamtkosten belaufen sich auf rund 550.000 Euro
Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) verriet, wie hoch die Kosten der Restaurierung sein werden: Mehr als 550.000 Euro werden investiert. Die Stadt unterstützt die Sargkonservierung mit 150.000 Euro. Weitere Mittel kommen vom Bund, der Erzdiözese und der Pfarre selbst. Auch die restlichen Särge sollen entsprechend behandelt werden, die Finanzierung dieser Arbeiten ist aber noch nicht gesichert.

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