08.02.2020 18:53 |

Welle der Empörung

„Greta-Syndrom“: EU-Vize beleidigt Klimaaktivisten

Der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Josep Borrell, hat mit Zweifeln an der Ernsthaftigkeit junger Klimaschutz-Demonstranten für Aufsehen gesorgt. Der 72-Jährige sprach sogar von einem „Greta-Syndrom“. Nach einer Welle der Empörung über seine Aussagen ruderte Borell am Samstag schließlich zurück und entschuldigte sich für seine Wortwahl. 

Borrell hatte am Freitag in einem TV-Interview in Brüssel gesagt: „Die Vorstellung, dass junge Leute ernsthaft entschlossen sind, den Klimawandel zu stoppen - wir könnten es das ,Greta-Syndrom‘ nennen - erlauben Sie mir meine Zweifel.“ Der 72-Jährige fügte hinzu: „Es ist nett, gegen den Klimawandel zu demonstrieren, solange niemand einen darum bittet, dafür zu zahlen.“ Er bezweifele, dass die jungen Aktivisten bereit seien, für ihre Überzeugungen ihren Lebensstandard zu senken.

„Äußerungen lächerlich“
Ein Video seiner Äußerungen wurden von zahlreichen Nutzern im Internet geteilt. Eine Welle der Empörung war die Folge. Die 18-jährige Anuna De Wever, eine der Anführerinnen der belgischen „Fridays for Future“-Bewegung kritisierte Borrells Äußerungen am Freitag bei einer Demonstration in Brüssel scharf. Sie bezeichnete Borrells Äußerungen als „lächerlich“. Es gebe keine Alternative zur Lösung der Klimakrise, sagte sie. „Es wird sehr teuer. Natürlich sind wir bereit, den Preis zu zahlen, damit wir eine Zukunft haben.“

Die Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament erklärte auf Twitter, Borrells Aussagen seien „für einen Vertreter der EU nicht akzeptabel“. Sie kündigten an, kommende Woche eine Erklärung von ihm zu verlangen. Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte, die EU stehe „definitiv“ hinter dem europäischen Klimaplan „Green Deal“, der die Bemühungen der Jugendlichen „anerkennt und unterstützt“.

Borrell rudert zurück: „Unangemessene Äußerung“
Am Samstag entschuldigte sich der EU-Außenbeauftragte für seine Wortwahl. „Ich will mich bei allen entschuldigen, die sich von meiner unangemessenen Äußerung zu der wichtigen Jugendbewegung gegen den #Klimawandel beleidigt gefühlt haben mögen“, schrieb Borrell auf Twitter. Borrell versicherte den jungen Klima-Aktivisten zudem seine „volle Unterstützung“.

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