07.02.2020 06:01 |

Wollte ihn erschrecken

Überforderter Vater stoppte Beatmung von Sohn

Es war ein Akt tiefster Verzweiflung und totaler Überforderung, als ein Polizist bei seinem körperlich schwerst behinderten Sohn die Schläuche aus dem Beatmungsgerät zog. Das Opfer überlebte unverletzt, der Beamte bereut.

Der Sohn ist seit seiner Geburt schwer behindert und auf Pflege angewiesen. Doch geistig ist er voll da, und seit einiger Zeit kann er auch mit dem Auto selbstständig Fahrten unternehmen. Dazu ist die Situation in der Familie schwierig, weil auch sechs Hunde, zehn Katzen, Meerschweinchen und Hasen in der Wiener Wohnung betreut werden. Die tierliebende Ehefrau will sich von keinem trennen.

Um seinen ständigen Stress abzubauen, griff der Polizist auch immer wieder zur Flasche. An jenem 13. September des Vorjahres hatte er 0,87 Promille Alkohol im Blut. Und wohl deshalb, weil er sich über seinen Sohn und dessen Ausfahrten mit dem Auto geärgert hat, drehte der Mann durch. Er zog die Schläuche aus dem Beatmungsgerät und forderte ultimativ den Autoschlüssel. Nach 40 Sekunden steckte er die Schläuche wieder ein.

„Er wollte seinen Sohn nur erschrecken“
Zuerst wurde wegen Mordversuchs ermittelt, doch mehrere Umstände führten zu einer „milderen“ Anklage wegen Nötigung: Zum einen wäre erst ein Sauerstoffentzug von mehr als fünf Minuten tödlich gewesen. Und auch bei der Pflege muss die Sauerstoffzufuhr kurz abgestellt werden. Verteidiger Rudolf Mayer: „Mein Mandant wollte seinen Sohn nur schrecken.“ Inzwischen ist die Familie wieder versöhnt. Richterin Sonja Weis entschied: neun Monate bedingte Haft.

Peter Grotter, Kronen Zeitung

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