24.01.2020 12:30 |

„Bietet Europa Modell“

Magazin: Kurz „Meister der verführenden Rhetorik“

„Ich, Sebastian Kurz, ein Konservativer in Grün“ titelt „7“, das am Freitag erschienene Wochenmagazin der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ ein Porträt des österreichischen Bundeskanzlers. Sebastian Kurz wird darin als „Meister in der Kunst der verführenden Rhetorik“ bezeichnet. Auf dem Cover ist er ebenfalls abgebildet: „Ich, Sebastian Kurz“, steht dort in großer Schrift. Und: „Der wiedergewählte österreichische Kanzler (33) bietet Europa ein neues Modell an: der erste Konservative, der mit den Grünen koaliert, in seiner Regierung, die aus mehr Frauen als Männern besteht, und unflexibel gegenüber Migranten (und Italien).“

Kurz sei „flexibel und vage genug, um sich nie auf endgültige Positionen festzulegen“, kommentiert das Magazin. „Sebastian, der ́Normale“ - auf die Frage, wie es ihm damit gehe, zum zweiten Mal der jüngste Regierungschef der Welt zu werden, habe er gemeint, er sei „ein ganz normaler Mensch“ - habe einem „wohlhabenden, gesättigten und verschlafenen Land das Prickeln des Wandels, eines neuen Anfangs und einer neuen politischen Grenze angeboten“, heißt es in dem Artikel, in dem Kurz auch „Führer mit Porzellangesicht“ genannt wird.

„Wird uns ermöglichen, die Wahlversprechen zu halten“
Im Gespräch mit „7“ verteidigte Kurz seinen Beschluss, sich mit den Grünen zu verbünden. Die Regierungsallianz sei keine Kompromisslösung. „Wir haben zusammen das Beste aus zwei Welten zusammengestellt. Dies wird uns ermöglichen, die jeweiligen Wahlversprechen zu halten“, sagte Kurz, der das Regierungsbündnis in Wien als „die richtige Koalition im richtigen Moment“ bezeichnete.

„Würde nie auf ein Wiener Schnitzel verzichten“
Laut Kurz sei Österreich in der Lage, die CO2-Emissionen bis 2050 um 50 Prozent gegenüber jenen des Jahres 2030 zu reduzieren. „Wir sind auf dem guten Weg, um in zehn Jahren das Ziel zu erreichen, uns nur auf erneuerbare Energien zu stützen“, erklärte der Kanzler. Trotz seines Interesses für Klimaschutz denke er nicht an eine vegetarische Wende in seinem Leben. „Bei aller Liebe für Klimaschutz werde ich nie auf ein Wiener Schnitzel verzichten“, scherzte der Kanzler.

„Kurz tritt selbstbewusst auf, auch in Europa“
Kurz trete selbstbewusst auf, auch in Europa, kommentierte das Magazin. „Österreich ist ein kleines Land mit einer großen Geschichte. Wir haben die Pflicht, in der EU und auf dem internationalen Parkett unsere Stimme ertönen zu lassen“, meinte Kurz, der in Sachen Migranten-Umverteilung nicht nachgeben will. „Die Umverteilung funktioniert nicht. Die Wahrheit ist, dass es Länder gibt, in denen Migranten nicht leben wollen“, meinte der Kanzler.

Kurz: NGOs „haben die besten Absichten, aber ...“
„Solange wir ein System mit der impliziten Botschaft haben: ,Wenn ihr irgendwie nach Europa gelangt, werden wir euch zwischen Deutschland, Frankreich, Österreich und Schweden umverteilen‘, werden sich immer mehr Personen auf Seefahrten begeben, um nach Europa zu gelangen. Das ist das Problem mit den NGOs. Sie haben die besten Absichten, doch mit ihren Aktionen tragen sie dazu bei, dass die Zahl der Toten steigt“, sagte Kurz.

Westeuropäische Länder mit „moralischer Überlegenheit“
Der Kanzler betonte, Österreich wolle aufgrund seiner Geschichte und geografischer Position als Brücke zwischen West- und Osteuropa fungieren. „Es darf keine Kompromisse über Themen wie Rechtsstaat, Zivilrechte und Medienfreiheit geben. Aber bei Fragen wie Sicherheit und Migration stellen einige westeuropäische Länder eine moralische Überlegenheit zur Schau, die für Nationen wie Polen oder Ungarn unannehmbar ist. Österreich will als Brücke dienen. Niemand hat Interesse, dass sich die Kluft zwischen West- und Osteuropa vertieft“, sagte Kurz, der sich gerade in Davos befindet, in dem Interview.

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