02.07.2010 13:33 |

Faule Praktiken

Betrieb verkaufte ungarische Eier als steirisches Produkt

Mit schweren Vorwürfen ist derzeit ein oststeirischer Eierhandelsbetrieb konfrontiert: Der Lieferant soll seit Herbst 2009 minderwertige Eier aus Ungarn eingekauft und unter dem Deckmantel steirischer Qualität an Handelsketten und Industriebetriebe verkauft haben. Die Staatsanwaltschaft nahm nun nach Anzeigen mehrerer Mitarbeiter die Ermittlungen auf. Das Unternehmen entschuldigte sich am Freitag öffentlich.

Bereits Mitte Juni sollen sich laut dem Landeskriminalamt Steiermark Mitarbeiter an die Polizei gewandt haben, da sie nicht mehr mitansehen wollten, wie in ihrem Betrieb augenscheinlich nicht mehr frische Eier abgepackt wurden. Anschließend sei die "faule" Ware auch an große österreichische Handelsketten geliefert worden.

Bis zu fünf Millionen Eier eingekauft
Die Gruppe für Umweltkriminalität im LKA hat nach den Anzeigen wegen Betrugs diverse Buchungsunterlagen und Akten sichergestellt. Aus ihnen gehe hervor, woher die Eier kamen - und auch, wohin sie geliefert wurden. Rund vier bis fünf Millionen Eier sollen in Ungarn und Polen eingekauft worden sein. Wie viele davon - als steirische Eier gekennzeichnet - in den heimischen Handel gelangten, sei Gegenstand der Ermittlungen.

In einer Stellungnahme des Betriebs hieß es: "Gesamt gesehen können wir nicht ausschließen, dass auch ausländische Eier als österreichische Eier verkauft wurden. Es tut uns außerordentlich leid und wir entschuldigen uns dafür. Die Marktsituation in den absatzstarken Winter- und Frühjahrsmonaten hat dazu geführt, dass die Produktion unserer Landwirte nicht ausreichend war." Die eingegangenen Verpflichtungen "haben uns dazu verleitet, zusätzlich Ware einfließen zu lassen". Dabei handelte es sich um die Ladung mehrerer Lkw.

"Vermischungen inakzeptabel"
"Uns ist bewusst, dass Vermischungen inakzeptabel sind", hieß es, daher gebe es keinen weiteren Zukauf aus dem Ausland und unter anderem seit Anfang dieser Woche eine permanente Überwachung durch eine unabhängige Kontrollstelle. Man hoffe auf das Vertrauen von Lebensmittelhandel und Konsumenten, auch "damit die 35 Produzenten keinen Schaden erleiden und die 17 im Betrieb beschäftigten Mitarbeiter weiter arbeiten können", so die Firma.

Die Agrarmarkt Austria (AMA) meinte, dass der Geschäftsführer des oststeirischen Betriebs "bewusst Betrug" begangen und in "krimineller Absicht" gehandelt habe. Als es einen ersten Verdacht gegeben habe, hätten mehrere Kontrolleure geprüft, doch der Geschäftsführer habe sie mit "hoher krimineller Energie" hinters Licht geführt. Als sich die Mitarbeiter an die Polizei und direkt an die AMA gewandt hätten, habe man den Betrieb unter Kuratel gestellt.

"Einzelfall", Rest "schwer in Ordnung"
Hackl sprach von einem "Einzelfall" und meinte, dass die österreichischen Landwirte "schwer in Ordnung" seien. Laut steirischer Landwirtschaftskammer hätten die "kleinen, ehrlich wirtschaftenden Bauern mit dem Eier-Skandal nichts zu tun und dürfen nicht die Leidtragenden dieses Schwindels werden," so Präsident Gerhard Wlodkowski. Grünen-Abgeordneter Lambert Schönleitner forderte rasche Aufklärung und eine Offenlegung der AMA-Kontrollen im Betrieb.

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