01.07.2010 09:13 |

Masseurin belästigt?

Polizei ermittelt in Sexskandal um Ex-Politiker Al Gore

Die Polizei im US-Bundesstaat Oregon ermittelt gegen den früheren Vizepräsidenten Al Gore wegen sexueller Belästigung und möglicherweise auch versuchter Vergewaltigung. Eine Masseurin behauptet über den 62-jährigen Friedensnobelpreisträger, dass er sie 2006 in einem Hotel begrapscht habe und zum Sex zwingen wollte. Die Frau ging bereits 2006 und 2009 zur Polizei, die Vorwürfe wurden aber nie publik. Nachdem sie vergangene Woche an die Medien ging und jetzt mit einer Zeugenaussage und Beweismaterial nachlegt, wird die Polizei wieder aktiv.

"Al Gore ist ein Perverser und ein Sextäter. Er ist nicht der Mann, für den die Leute ihn halten. Er ist ein kranker Typ", zitiert der "National Enquirer" (siehe Faksimile) das angebliche Opfer in einer Exklusiv-Story. Molly Hagerty, 54, habe sich mit ärztlichen Attesten, einem Überwachungsvideo und einem glaubwürdigen Zeugen, zu dem sie vor und nach der Begegnung mit Gore Kontakt hatte, an die Zeitung gewandt und eingewilligt, in der Causa ihren Namen öffentlich zu machen.

Nach einer Prüfung der Beweise durch ehemalige Polizeibeamte habe man sich zur Veröffentlichung entschlossen, erklärte der Chefredakteur des eher als "Revolverblatt" bekannten Magazins gegenüber US-Medien, die am Mittwoch aus der Story zitierten. Bezahlte habe man Hagerty, die ursprünglich Geld gefordert hatte, aber nichts, so das Magazin. Online wurden auf der Website des Enquirers nur kurze Auszüge der Story veröffentlicht.

Die Polizei in Portland, Oregon, teilte am Mittwoch zunächst nicht mit, warum sie die Ermittlungen wieder aufnimmt. Man werde auch in Zukunft aufgrund der laufenden Ermittlungen keine Anfragen beantworten, hieß es vonseiten der Behörde.

Fast zweieinhalb Jahre mit Aussage gewartet
Die Ermittlungsbehörden haben vergangene Woche den Audiomitschnitt der Aussage Hagertys sowie sämtliche interne Polizeiprotokolle, die bislang unter Verschluss gehalten wurden, veröffentlicht (siehe Links in der Infobox). Daraus geht hervor, dass sich die Frau im Jahr 2006 erst ein paar Tage nach dem mutmaßlichen Übergriff an die Behörden wandte. Sie hatte es zunächst beim Secret Service versucht (Gore ist seit 2000 nicht mehr in der US-Politik aktiv) und war dann zur Bundespolizei FBI gegangen. Dort verwies man sie an die Polizei in Oregon, wo Kriminalbeamte sie einluden, ihre Aussage zu machen.

Nachdem Hagerty mehrere Termine platzen ließ, verkündete sie den Beamten nach ein paar Tagen, dass sie nun doch keine Aussage machen werde, sondern den Fall mit einer Zivilklage behandeln werde. Erst am 8. Jänner 2009, fast zweieinhalb Jahre nach dem Vorfall, meldete sich Hagerty bei den Polizisten in Portland und machte diesmal auch eine umfassende Aussage.

"Wie ein sexverrückter Pudel"
Hagerty, die laut eigenen Angaben eine zertifizierte Masseurin ist und Kunden nie sexuelle Leistungen angeboten hat, sagte in dem Polizei-Statement, Gore habe sich bei dem Massagetermin im Oktober 2006 im Lucia Hotel in Portland wie ein "sexverrückter Pudel" aufgeführt und sie zum Geschlechtsverkehr zwingen wollen. Der "Global warming"-Prediger, der unter dem Namen "Mr Stone" in dem Luxushotel eingecheckt war, habe sie mehrmals begrapscht und einmal sogar ihre Hand gepackt und unter das Massagehandtuch zu seinem Penis geführt.

Schon beim Empfang in Gores Suite habe sie der Ex-Politiker "unangenehm lange" umarmt. Sie könne nicht sagen, ob er betrunken war, unmittelbar vor der Massage habe Gore aber den letzten Schluck einer Flasche Bier hinuntergekippt. Als der ehemalige Vizepräsident das Licht ausschalten wollte, habe sie zum ersten Mal Einspruch erhoben. Während der Massage habe Gore schließlich auf seine Genitalien gedeutet und bekundet, "genau da" massiert werden zu wollen. Nach dem Vorfall mit der Hand sei Gore dann wütend geworden und habe sie "angebellt". Die Situation eskalierte jedoch noch nicht.

Hagerty massierte weiter, ließ die Behandlung aber schneller zu Ende gehen. Gore habe ihr dann klargemacht, dass er die Massage sehr genossen habe. Als sie einpacken und das Zimmer verlassen wollte, habe sie Gore dann ein weiteres Mal umarmt und dabei ihren Busen und ihren Hintern gegrapscht.

Bei "Dear Mr President" Kondom ausgepackt
Sie habe sich in diesem Moment ernsthaft vor einer Vergewaltigung gefürchtet. Aus Angst, Gore könnte sie überwältigen, habe sie sich aber nicht getraut, aus dem Zimmer zu stürmen. Mit Smalltalk und einem Hinweis auf eine im Konferenzzimmer liegende Schachtel Pralinen habe sie Zeit schinden können und die Konversation auf andere Themen lenken können. Gore sei jedoch immer wieder auf das Thema Sex zurückgekommen. Er habe ihr dann einen Anti-Bush-Song der Popsängerin Pink ("Dear Mr President", Anm.) vorgespielt und dabei ein Kondom aus einem Nachttisch hervorgeholt. Als sie ihn dann energisch zurückwies und fragte, wie er das denn seiner Frau erklären würde, sei Gore erneut wütend geworden.

"Er packte mich und presste meinen Körper an seinen. Ich konnte seine Erektion spüren, während er mich zu einem Zungenkuss zwang und meine Brustwarzen zusammenzwickte", sagte Hagerty laut dem Polizeiprotokoll. Schließlich habe sie sich regelrecht losgeschlagen, dabei Prellungen am Fuß erlitten - für die sie auch ein ärztliches Attest habe - und sei aus dem Zimmer gestürmt. Sie habe erst ein paar Tage später realisiert, dass Gore an diesem Abend ein Verbrechen begangen habe, so Hagerty zur Polizei.

Gore weist alle Anschuldigungen zurück
Eine Sprecherin Gores sagte am Mittwoch, der Friedensnobelpreisträger dementiere "nachdrücklich und unmissverständlich", die Frau sexuell belästigt zu haben. Gore stand erst Anfang Juni in den Schlagzeilen, weil er sich nach 40 Jahren - angeblich einvernehmlich - von seiner Frau Tipper trennte.

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