26.12.2019 09:00 |

Flucht aus Rumänien

„Wir haben in der Dunkelheit gelebt“

Milan Radin flüchtete vor 30 Jahren von Rumänien nach Graz. Jetzt erzählt er in seinem Buch „Wir waren Niemand“ davon. Die „Krone“ hat den Autor zum Gespräch getroffen.

Zu Fuß von Timisoara nach Graz, und das im Dezember 1989. Sie gingen durch eiskalte Flüsse, stoppten Autos in Jugoslawien, riskierten ihr Leben – bis sie schließlich in Österreich ankamen.

Milan Radin war damals 15 Jahre alt. Tage nach seiner Flucht brach in der rumänischen Region Banat eine blutige Revolution aus. „Ich kann nicht glauben, dass ich das durchgemacht habe. Aber man kann viel mehr aushalten, als man denkt“, sagt der 46-Jährige heute. Radin legte eine beeindruckende Karriere in der Wirtschaft hin. Er maturierte in Stainach-Irdning. („In Rumänien habe ich Russisch gehasst, in Österreich habe ich es geliebt. Hier haben wir Dostojewski und Tolstoi gelesen, dort Lenin und Stalin.“) Danach studierte er in Graz, Frankreich und Großbritannien.

Eine unpassierbare Grenze
Von zwei Jahren begann Radin schließlich, seine Geschichte aufzuschreiben. In „Wir waren Niemand“ geht es aber um mehr als seine Flucht. „Sie ist das Zentrum, aber ich wollte schildern, wie das Leben im Banat war. Wir waren gleich neben der Grenze. Jugoslawien war für uns das Licht. Dort waren 1984 die Olympischen Spiele, dort war Rockmusik, dort war die ganze Nacht hindurch Fernsehprogramm. Wir haben in der Dunkelheit gelebt.“ Die Grenze heißt im Buch „Limes“ – das Ende einer Welt, unpassierbar.

Obwohl Rumänien seit 2007 Teil der EU ist, sei es von Europa noch entfernt. „Der Eiserne Vorhang ist gefallen, aber die Grenze zu Rumänien gibt es noch immer. Für uns beginnt Europa ab Ungarn, ab Szeged. Erst wenn du dort drinnen bist, bist du frei.“ Radin sieht sich heute als Europäer - und zu einem Teil auch als Österreicher. „Für mich ist das Buch auch ein Danke an Österreich, dass mich dieses Land aufgenommen hat. Und es ist eine Hommage an die Fliehenden, die gestorben sind. Man weiß bis heute nicht, wie viele es waren.“

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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