27.11.2019 06:05 |

Michael Schickhofer:

„Dienstauto, Burg, Titel werden mir nicht fehlen“

Der Schreibtisch ist schon zusammengeräumt, ein paar Akten gilt es noch aufzuarbeiten. Die Hektik des fordernden Polit-Betriebs ist einer plötzlichen Gelöstheit und Entspanntheit gewichen. Nach seinem Rücktritt ist Michael Schickhofer wie ausgewechselt - die Polit-Spielchen waren nie seines. Die „Krone“ traf ihn zum großen Interview.

„Krone“: Herr Schickhofer, bei Ihrer Abschiedserklärung haben Sie gesagt: „Ich bin mehr Unternehmer und Manager als klassischer Politiker.“ Sind Sie von der Politik enttäuscht?
Michael Schickhofer: Ich bin ein Gestalter durch und durch. Mich hat interessiert, was man mit Macht machen kann. Das politische Spiel an sich ist nicht meines, das Taktieren, das Erhaschen der besten Bilder, die Frage, wer das größere Büro oder Auto hat. Es gibt aber halt viele Menschen in der Politik, die Lust auf dieses Spiel haben, die dem anderen eine reinhauen wollen. Ich wollte die Spielregeln verändern und mich nicht anpassen.

Gibt es diese Lust aufs Spiel auch in Ihrer Partei?
Menschen in unterschiedlichsten Parteien haben sie.

Auch Ihr Noch-Koalitionspartner Hermann Schützenhöfer von der ÖVP?
Wenn du im alten politischen System aufgewachsen bist, findest du das alles nicht so schlimm. Ich habe über ein Jahr miterlebt, dass er immer wieder wählen wollte. Dann hat er es sehr kurzfristig gemacht. Aus seiner Sicht hat er die richtige Taktik gewählt, man muss sich ja nur das Wahlergebnis anschauen.

Sie haben im Wahlkampf versucht, sich von der Bundespartei abzugrenzen. Kann das überhaupt gelingen?
Die Lage der SPÖ ist schwierig, die Grünen erleben gerade einen großen Aufschwung. Wir haben mit 4000 Leuten bei Wind und Wetter gegen den allgemeinen Trend gekämpft. Aber es war sehr schwierig. Ich bin mir aber sicher, dass das Ergebnis durch diesen Einsatz besser geworden ist.

Ist Pamela Rendi-Wanger die richtige Parteichefin?
Zu tagespolitischen Themen möchte ich mich nicht mehr äußern.

Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft der SPÖ?
Ich hoffe, dass die erwähnten 4000 Menschen die Zukunft der SPÖ sind. Jeder soll sich von der Arroganz verabschieden, nur wegen eines Titels etwas Besseres zu sein. Der Parteivorsitzende ist um nichts besser als ein einfaches Mitglied. Diese Kultur müssen wir leben.

Jörg Leichtfried und Anton Lang übernehmen die steirische SPÖ. Sind die beiden die richtige Wahl?
Stabilität und Handlungsfähigkeit müssen sichergestellt werden. Das ist mit beiden gewährleistet.

Von der Idee, das LKH Rottenmann zum Leitspital auszubauen, scheint sich Ihre Partei jetzt langsam wieder zu verabschieden - quasi als Morgengabe an die ÖVP. Sind Sie darüber überrascht?
(Lächelt.) Wie gesagt, Tagespolitisches kommentiere ich jetzt nicht mehr.

Ein Thema, auch innerparteilich, war während Ihrer Amtszeit, dass Sie einen Papamonat genommen haben.
Wenn man junge Politikerinnen und Politiker einer neuen Generation haben will, muss man überlegen, wie man das mit Familie in Einklang bringen kann. Sonst bleibt nur ein eher kleines Grüppchen über.

Am Wahlabend haben Sie noch davon gesprochen, bleiben zu wollen. Am Montag dann doch der Rücktritt. Wie kam der Sinneswandel?
Zum einen habe ich versprochen, erst mit der Familie zu sprechen. Und dann habe ich bei den ersten Schützenhöfer-Reaktionen gesehen, dass es schwierig wird, noch eine Vertrauensbasis aufzubauen. Außerdem wollte ich mich noch in den Spiegel schauen können. In der Früh habe ich dann meine Frau und Kinder informiert, und die Reaktionen, insbesondere die von Minna, haben mich bestärkt. Ich war am Montag das erste Mal bereits um 17 Uhr zu Hause, habe mit meiner Tochter die Englisch-Aufgabe gemacht und währenddessen nicht dreimal aufs Handy schauen müssen. Da hab ich gespürt, wie gut ihr das tut.

Der ehemalige SPÖ-Landeschef Franz Voves hat Sie in die Politik geholt und gilt als Ihr Mentor. Wann haben Sie ihn vom Entschluss, alles zurückzulegen, informiert?
Ich habe ihm eine WhatsApp-Nachricht geschrieben, in der ich ihm meinen Schritt erklärt und ihm gedankt habe. Außerdem habe ich ihm die Berichte in der „Steirerkrone“ geschickt.

Fällt Ihnen der Abschied von der Politik schwer?
Mir tut es im Herzen weh, nicht mehr für die Einsatzorganisationen, die vielen Ehrenamtlichen, aber auch für die Regionalentwicklung zuständig zu sein. Die Grazer Burg, das Dienstauto, der Titel, die werden mir aber sicher nicht fehlen!

Gehen Sie im Groll?
Nein, ich habe keinen Groll - weder gegen die ÖVP noch gegen die eigene Partei. Ich kann jedem die Hand geben, weil ich meine Würde, meine Werte und meine Haltung bewahren konnte. Ich kann zu allem stehen, was ich gemacht habe, und bin mit mir im Reinen. Es gibt gute Zeiten und es gibt schwierige Zeiten - so ist das Leben.

Wie absolut ist Ihr Abschied aus der Politik?
Ich werde ein engagiertes einfaches Parteimitglied sein. Im Katastrophenschutz, etwa bei den Projekten in Eisenerz, wird es vielleicht die eine oder andere Möglichkeit geben, mich einzubringen.

Wie wird es bei Ihnen beruflich weitergehen?
Ich habe als Privatperson bereits einige Gespräche geführt. Ich bin ein Mensch, der gerne und fleißig arbeitet - um mich muss man sich also keine Sorgen machen.

Jakob Traby
Jakob Traby
Gerald Schwaiger
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