19.11.2019 14:57 |

Handyikone im Kurztest

Motorolas Razr klappt auch in der Smartphone-Ära

Huawei und Samsung haben im Frühling vorgelegt - und mit ihren Falt-Smartphones Mate X und Galaxy Fold massive Probleme gehabt, mussten den Start letztlich mehrmals verschieben. Jetzt steigt mit der Lenovo-Tochter Motorola die nächste Marke in den Ring der flexiblen Smartphones - und bringt eine Ikone der Mobilfunkgeschichte zurück: das über 130 Millionen Mal verkaufte Motorola Razr. Wir haben es ausprobiert.

Ein Volks-Smartphone, wie es das 2004 erschienene und über 130 Millionen Mal verkaufte Razr V3 einst war, wird das neue Klapp-Smartphone mit einem Verkaufspreis von 1600 Euro wohl nicht werden. Eher ein Statussymbol für Betuchte mit einem Faible für einen gewissen Retro-Faktor.

Zu Beginn - in den USA startet es laut Hersteller im Dezember, in Europa soll es im Jänner „in ausgewählten Märkten“ starten und nach und nach in weiteren verfügbar werden - dürfte es zudem eher schwer zu bekommen sein. Infos zum Österreich-Start blieb uns Motorola vorerst schuldig, man ließ aber immerhin durchblicken, dass man mit einem Mobilfunker verhandle.

Halbes Handy statt halbes Tablet
So oder so: Motorolas neues Razr eine der interessantesten Smartphone-Ankündigungen des Jahres - und eine gänzlich andere Herangehensweise als bei Huawei und Samsung, wo aus dem Handy ein Tablet wird. Ähnliche Experimente habe es auch bei Lenovo/Motorola gegeben, wo man seit 2015 an dem Klapphandy geforscht und 26 Prototypen getestet hat.

Statt das Smartphone zum Tablet zu machen, habe man sich aber dazu entschieden, ein kompakt zusammenklappbares Handy zu bauen, erklärten uns Motorola-Manager in London. Der Grund: Die großen Displays moderner Smartphones finden beim Kunden zwar Anklang, viele wünschen sich aber auch kompakte Maße für eine gewisse Hosentaschentauglichkeit.

Spezialscharnier mit Stabilisator-Plättchen
Das Klapp-Smartphone habe die hauseigenen Ingenieure vor einige Herausforderungen gestellt: Den Akku musste man zweiteilen und einen Teil in der oberen, den zweiten in der unteren Gerätehälfte platzieren. Bis man das finale Spezialscharnier in der Mitte des Gerätes mit stabilisierenden Metallplättchen an der Faltstelle entwickelt hatte, habe man - mit Hilfe von Lenovo-Ingenieuren, die mit dem 360-Grad-Notebook Yoga schon Erfahrung in dem Bereich hatten - mit verschiedensten Scharnierkonzepten experimentiert.

Klappmechanismus funktioniert zuverlässig
Bei unserem Kurztest wirkte die Konstruktion recht ausgereift. Während manch anderes Falt-Smartphone beim Faltvorgang knackende und knarzende Laute von sich gibt, erfolgt das Aufklappen auf knapp unter 180 Grad beim neuen Razr quasi lautlos - ein gutes Zeichen!

Während des gesamten Klappvorganges bietet das Scharnier einen gewissen Widerstand. Das verhindert eine allzu energische Handhabung und dürfte der Haltbarkeit des Displays guttun. Es sorgt aber auch dafür, dass man das Handy nicht so leicht wie seinen Ahnen mit klar wahrnehmbarem Schnappgeräusch einhändig zuklappen kann.

Robustes Smartphone, erstaunlicher Bildschirm
Insgesamt wirkt das neue Razr dennoch ganz robust. Im zusammengeklappten Zustand, in dem ein Zweit-Display (2,7 Zoll OLED, 800 x 600 Pixel) an der Geräteaußenseite die wichtigsten Funktionen - WhatsApp-Nachrichten, Musiksteuerung, SMS, Mails - anbietet, ist das 6,2 Zoll große flexible OLED-Display innen gut geschützt.

Die Darstellungsqualität überzeugt: Sattes Schwarz, strahlende Farben, hell genug für draußen. Die Auflösung von 2142 mal 876 Pixeln ist für den Alltag scharf genug. Nur an der Faltstelle wellt sich der Bildschirm bei genauer Betrachtung und ungünstigem Lichteinfall ein ganz klein wenig.

Das aus Metall und Glas gefertigte Chassis wirkt stabil und ist dank texturierter Rückseite schön griffig. Sogar einen Spritzwasserschutz gibt es. Beim Kurztest hatten die Entsperr- und Lautstärke-Buttons zwar einen etwas schwammigen Druckpunkt, das könnte aber auch schlicht Folge der vielen Testerhände sein, durch die die wenigen Testgeräte dieser Tage gehen.

Das Innenleben ist nur Mittelmaß
Die zusätzlichen technischen Herausforderungen durch den Formfaktor fordern dort und da auch ihren Tribut. So speichert der zweigeteilte Akku nur 2510 Milliamperestunden Strom - relativ wenig für ein Gerät dieser Größe. Um trotzdem akzeptable Laufzeiten zu erreichen, hat man statt eines High-End-Prozessors einen Chip der gehobenen Mittelklasse, Qualcomms Achtkerner Snapdragon 710 mit bis zu 2,2 Gigahertz, im Razr verbaut.

Statt der Dreifach-Kameras, die man heute in manch anderem Gerät findet, gibt es eine einzelne lichtstarke 16-Megapixel-Hauptkamera (F/1.7), die im zugeklappten Zustand auch gleich als Selfie-Apparat fungiert. Im offenen Zustand springt eine kleine 5-Megapixel-Frontkamera ein.

Auch in puncto Erweiterbarkeit schöpft das Razr nicht aus dem Vollen. Der 128 Gigabyte große interne Speicher kann nicht per microSD-Karte vergrößert werden, es gibt nicht einmal einen SIM-Kartenslot. Stattdessen setzt man voll auf die neue eSIM-Technologie, bei der das Handy vom Mobilfunker mit den für den Netzzugang nötigen Daten programmiert wird.

Die Hardware-Spezifikationen des Motorola Razr sehen Sie hier:

Motorola Razr (2019)

CPU

Snapdragon 710: 8 x 2,2 GHz

RAM

6 GB

Diagonale

Flexibles Display: 6,2 Zoll (21:9)
Außendisplay: 2,7 Zoll

Auflösung

Flexibles Display: 2142 x 876 Pixel
Außendisplay: 800 x 600 Pixel

Speicher

128 GB (nicht erweiterbar)

Hauptkamera

16 Megapixel (F/1.7):
Dual-Pixel- und Laser-Autofokus, Dual-LED-Blitz

Frontkamera

5 Megapixel (F/2.0)

Funk

LTE, Gigabit-WLAN, Bluetooth 5.0, NFC, GPS, GLONASS

Maße

Aufgeklappt: 72 x 172 x 6,9 Millimeter
Zugeklappt: 72 x 94 x 14 Millimeter
Gewicht: 205 Gramm

Akku

2510 mAh (lädt via USB-C)

Besonderheiten

Zusammenklappbar
Fingerscanner
Spritzwassergeschützt
Metall-Glas-Chassis
eSIM

Software

Android 9

Preis

1600 Euro

Die große Frage: Wie haltbar ist das Razr?
Bei einem 1600-Euro-Gerät eine wichtige Frage: Wie lange hält das Klapp-Smartphone? Zu eindeutigen Ansagen zur Zahl der garantiert möglichen Faltvorgänge ließ man sich bei unserem Kurztest nicht hinreißen. Man gehe aber von ähnlicher Lebensdauer aus wie bei jedem anderen Mobiltelefon und gewähre deshalb auch zwei Jahre Garantie, heißt es vom Hersteller.

Die Bauart des Razr dürfte dabei nützlich sein. Weil man Alltags-Aktivitäten - die Uhrzeit ablesen, WhatsApp-Nachrichten lesen, den Musik-Player steuern - am äußeren Display steuern kann, ohne das Gerät aufzuklappen, braucht man  es zumindest nicht für jede Kleinigkeit zu öffnen.

Android 9 - mit einem liebenswerten Easteregg
Die Software - ein nah am Google-Look operierendes Android 9 mit einigen herstellerspezifischen Anpassungen - hat beim Kurztest zweckmäßig gewirkt und erfreut das Nostalgikerherz mit einem kleinen Easteregg.

Per Knopfdruck wechselt das Interface in einen Retro-Modus, der das charakteristische Tastenfeld des Ahnen aus dem Jahr 2004 und sein Benutzerinterface nachbildet. Wählt man in diesem Modus Funktionen wie das Telefonbuch, landet man wieder in der gewohnten Android-Darstellung.

Fazit: Das Motorola Razr des Jahres 2019 gefällt mit seiner etwas anderen Interpretation flexibler Displays und könnte für betuchte Fans von Design und Retro-Stil ein interessantes und in puncto Klappfunktion recht durchdachtes Gerät werden. Bei einem Preis von 1600 Euro wird allerdings manch einer monieren, dass das Gerät in vielerlei Hinsicht - kleiner Akku, „nur“ ein Mittelklasse-Chip, Einzel- statt Dreifach-Kamera - eigentlich mehr als nur Design mit Wow-Faktor und kompakte Abmessungen bieten müsste.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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