03.11.2019 14:00 |

Im Ausseerland

Vor 700 Jahren wurde legendärer Stollen gegraben

Schon im 12. Jahrhundert wurde in vielen steirischen Orten kostbares Salz gewonnen. Vor genau 700 Jahren begannen tüchtige Bergleute einen Stollen in Aussee zu graben. Die „Krone“ begab sich für unsere „History“-Serie auf Spurensuche.

Es war eine beschwerliche, kräfteraubende Arbeit. Obwohl sie unermüdlich mit Eisen und Schlegel das Gestein des Ausseer Sandlings bearbeiteten, konnten die Bergleute den Steinbergstollen nur zehn Zentimeter pro Tag vorantreiben. Nach elendslangen 350 Metern stießen sie endlich auf Salz, das Gold des Mittelalters.

Man schrieb das Jahr 1319, als die tapferen Männer den Stollen - heute auch bekannt als Nazi-Raubkunstversteck - „aufschlugen“, wie es in der Bergmannssprache heißt. Das war genau vor 700 Jahren. Ein schönes Jubiläum für die Salzwelten Altaussee.

1147 erhielten die Reiner Mönche das Siederecht
„Der Ausseer Salzabbau begann aber schon viel früher, nämlich bereits 1147 im Ahornsbergstollen“, erklärt Salzwelten-Geschäftsführer Kurt Reiter. Warum man das so genau weiß? Im Stift Rein ist noch eine gesiegelte Pergamenturkunde erhalten, mit welcher der steirische Markgraf Ottokar III. den Mönchen die Salzsiederechte übertrug.

Früher wurden nämlich nur natürliche Sole-Quellen zur Salzgewinnung genutzt. In der Nähe von Admont ist schon im Jahr 931 eine Salzstelle urkundlich vermerkt.

Mönche waren Pioniere
„Die Reiner Mönche aber waren die ersten, die den Untertage-Bergbau betrieben, um auf Salzvorkommen zu stoßen“, weiß Ernst Gaisbauer, Kustos im Bad Ausseer Kammerhofmuseum und früher Vorstandsmitglied der Salinen AG.

Salz machte die Landesfürsten reich
Dass Salz reich macht, wussten die steirischen Landesfürsten nur zu gut und vor allem sehr zu schätzen. Im Jahr 1437 beispielsweise klingelte es so richtig in den herzoglichen Schatztruhen: Die Hälfte der gesamten Steuereinnahmen wurden von der Saline in Aussee erwirtschaftet.

Aber auch in anderen Gegenden der Steiermark brachte der Salzbergbau wirtschaftlichen Aufschwung, wie in Halltal bei Mariazell oder Hall bei Admont. Die Bevölkerung wuchs, man brauchte immer mehr des kostbaren Würzmittels, um die mittelalterlichen Gerichte zu verfeinern. Um 1400 wurde schon gleich viel Salz gefördert wie etwa 1800.

Wie man Steinsalz aus unterirdischen Salzlagerstätten gewann? Entweder durch den erwähnten Abbau im Berg oder durch Herauslösen des Salzes aus der Lagerstätte mithilfe von Süßwasser.

Um Aussee wurden die Wälder abgeholzt
Kam man bei letzterem Verfahren zur Sole, dem stark salzhaltigen Wasser, wurde diese danach in riesigen Pfannen über Feuer erhitzt. „Der Holzbedarf in Aussee und Umgebung war enorm, die Wälder verschwanden zunehmend“, erklärt Ernst Gaisbauer.

Verkauft wurde das Salz übrigens in großen Klumpen, die man aus dem Gestein schlug, und in zylinderförmigen Stücken, die aus der Sole hergestellt wurden. „Rieselfähiges Salz gibt es nämlich erst seit dem 20. Jahrhundert“, schmunzelt der Diplomingenieur.

Salzbergwerk bis heute aktiv
Auch heute noch werden in Altaussee, im größten aktiven Salzbergwerk von ganz Österreich, pro Jahr etwa 400.000 Tonnen Salz gefördert und über eine Soleleitung bis nach Oberösterreich, in die Saline Ebensee, transportiert.

Jörg Schwaiger
Jörg Schwaiger
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