31.10.2019 06:00 |

Nach „Krone“-Story

Neue FPÖ-Liederbuch-Affäre: „Hofer muss handeln“

Die Aufdecker-Story der „Krone“ am Mittwoch über den neuen Liederbuch-Skandal rund um die FPÖ schlägt hohe Wellen. Vor allem die steirische Politik ist erschüttert. Von den Freiheitlichen gab es bisher lediglich lapidare Distanzierungen - die Partei habe nichts mit der Causa zu tun, heißt es allem voran. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch kritisierte noch am Abend das fehlende Handeln von FPÖ-Chef Norbert Hofer: „Am FPÖ-Parteitag in Graz hat Hofer angekündigt, bei solchen Fehltritten nicht mehr länger wegzusehen und notwendige Maßnahmen zu setzen. Doch es ist bisher zu keinen Konsequenzen gekommen.“

Ins Rollen brachte die Causa ein Bericht der „Krone“. Ein Liederbuch aus dem Besitz der schlagenden Schülerverbindung Pennales Corps Austria zu Knittelfeld wurde bekannt, das neonazistische, antisemitische und österreichfeindliche Texte enthält. Zu ihrem 125-Jahre-Jubiläum im Jahr 2005 bekam die Verbindung dieses Buch von der Grazer Burschenschaft Cheruskia geschenkt - das Buch ist damit gerade einmal 14 Jahre alt.

Zanger: „Warum soll ich mich distanzieren?“
Brisant: Mitglied der Verbindung ist der steirische FPÖ-Nationalratsabgeordnete Wolfgang Zanger, der in der Vergangenheit nicht nur durch vulgäre Sager („Beidl“) im Nationalrat, sondern auch durch die Teilnahme an einem Marsch der Identitären aufgefallen war. Er selbst hat, wie er der „Krone“ berichtete, das Liederbuch in seinem Besitz gefunden, am Sitz der Burschenschaft liege es aber nicht mehr auf.

Distanzieren will sich Zanger von dem Buch nicht: „Distanzieren kann ich mich nur von etwas, das ich selbst geschrieben, gesagt oder getan habe. Warum soll ich mich von etwas distanzieren, das andere geschrieben haben?“ Seinen Angaben zufolge stammen die „Liederlichen Lieder“, wie das Buch betitelt ist, nämlich aus einer anderen Verbindung, der Cheruskia.

Hofer-Sprecher: „Partei hat damit nichts zu tun“
Der steirische FPÖ-Chef Mario Kunasek tat den neuen Skandal lapidar als einen, der nichts mit seiner Partei zu tun habe, ab. „Die veröffentlichten Inhalte lehnen wir kategorisch ab“, hieß es in einer knappen Stellungnahme Kunaseks, der bis vor wenigen Monaten als Verteidigungsminister gedient hatte. Ähnlich klang der Sprecher von FPÖ-Bundesparteichef Hofer: „Die FPÖ distanziert sich von solchen Texten und lehnt entsprechende Inhalte ab. Außerdem hat die Partei damit nichts zu tun.“

Deutsch an Hofer: „Nutzen Sie Ihr Durchgriffsrecht“
Spitzenpolitiker anderer Parteien zeigten sich dagegen erschüttert. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch appellierte an Hofer: „Nutzen Sie endlich Ihr Durchgriffsrecht! Rechtsextremes Gedankengut darf von niemandem toleriert werden.“

„Bei dem, was im Liederbuch steht, wird mir richtig schlecht“
Der steirische SPÖ-Chef Michael Schickhofer dazu: „Bei dem, was im Liederbuch steht, wird mir richtig schlecht.“ Schickhofer nützte die Affäre auch dafür, FPÖ-Wähler einzuladen, der SPÖ bei der steirischen Landtagswahl am 24. November die Stimme zu geben: „Ich weiß, dass viele FPÖ-Wähler angesichts des von der ,Krone‘ enthüllten Skandals ebenfalls enttäuscht und schockiert sind.“

Rufe nach Kunasek-Rücktritt werden laut
Schickhofer will Kunasek aber nicht aus der Verantwortung lassen. Dass dieser Zanger für die Nationalratswahl wieder aufgestellt habe, trotz dessen einschlägiger Aussagen, sei ein Skandal, befand der steirische SPÖ-Chef. Der steirische SPÖ-Klubchef Hannes Schwarz will, dass Kunasek Zanger aus der Partei ausschließt. Die Sozialistische Jugend Steiermark (SJ) forderte den Rücktritt des freiheitlichen Landesobmanns. „In der Steiermark gibt es keinen Platz für Nazi-Verherrlicher und all jene, die sie decken“, sagte SJ-Vorsitzende Maja Höggerl.

Schützenhöfer: „Schadet nicht nur der FPÖ“
Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) verlangte „unmissverständliche Handlungen, bevor die Steiermark in ein schlechtes Licht gerückt wird“. Solche Nachrichten schadeten nicht nur der FPÖ, sondern der ganzen Gesellschaft und dem Land.

Erinnerungen an Causa Landbauer
Eine Liederbuch-Affäre ist in Österreich nichts Neues. Im Vorjahr war ein ganz ähnliches Buch aus der Burschenschaft des niederösterreichischen FPÖ-Politikers Udo Landbauer an die Öffentlichkeit gekommen und hatte dessen Karriere zumindest zwischenzeitlich gebremst.

„Natürlich hat es gute Seiten am Nationalsozialismus gegeben“
Übrigens: Zanger stammt aus Knittelfeld - einer Stadt mit Sprengkraft für die FPÖ. Im Jahr 2001 trat er in die FPÖ Knittelfeld ein und wurde stellvertretender Bezirksobmann. Zum Bezirkschef avanciert er 2005, gleichzeitig landet er im Gemeinderat von Großlobming. Seit Oktober 2006 ist er auch Nationalratsabgeordneter - und sorgte nur acht Tage nach seiner Angelobung in einem Interview in der ORF-Sendung „Report“ für Aufregung. Auf die Frage, ob es denn „auch gute Seiten am Nationalsozialismus“ gegeben habe, meinte er: „Natürlich hat es gute Seiten am Nationalsozialismus gegeben, nur die hören wir heute alle nicht mehr.“

Zangers „Beidl“-Sager im Nationalrat: 

Untergriffe, Zwischenrufe
Zanger, der nicht nur Mitglied der schlagenden Schülerverbindung Corps Austria zu Knittelfeld, sondern auch Mitglied der Burschenschaft Vandalia ist, dürfte auch zur Identitären Bewegung keine allzu großen Berührungsängste haben. 2016 postete er ein Foto seiner Teilnahme bei einer Demonstration der Identitären in Judenburg. Im Vorjahr war er außerdem nach untergriffigen Zwischenrufen während der Rede der damaligen Liste-Pilz-Abgeordneten Alma Zadic mit Rassismus- und Sexismus-Vorwürfen konfrontiert.

Kronen Zeitung/krone.at

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