170 Tiere

Weideschäfer Schranz: „Nehmen und Zurückgeben!“

Thomas Schranz ist der bekannteste Weideschäfer Österreichs. Mit seinen 170 Schafen möchte der Pionier die heimischen Alpen in neuem Glanz erstrahlen lassen.

Das Gesicht des Wanderschäfers Thomas Schranz ist wettergegerbt, aber ausnehmend frohsinnig. Der Hirte aus Tösens im Oberland hat seinen Beruf nicht nur aus Leidenschaft gewählt – ihm geht es um mehr. „Früher war ich Jäger und habe dort meinen kleinen Beitrag für Naturpflege und Wildtiere geleistet. Doch mit gezielter Weideführung leistet man viel mehr gegen Bodenerosion und für Biodiversität“, verdeutlicht Schranz. Die Arbeit macht ihn nicht reich. Im Nebenerwerb repariert er Wanderwege für den Tourismusverband Tiroler Oberland. Doch dem zweifachen Vater geht es nicht um Geld: „Die wenigsten Menschen begreifen, dass Erosionsschutz weit über 2000 Metern beginnt. Schafe und Ziegen können Muren und Hochwässer mit ihrem Weideverhalten an der Wurzel packen.“

Ideal und nachhaltig
Mit lokalen Agrargemeinschaften, den Österreichischen Bundesforsten und nicht zuletzt der Jägerschaft führt der beherzte Alpenvisionär heiße Diskussionen über alte Weiderechte und das künftige Ziel grenzüberschreitender, zusammengeführter Schafherden mit bis zu 800 Tieren. „Herdengrößen dieser Art mit je einem permanenten Hirten und einem Hütehund auf der Alm ermöglichen die ideale und nachhaltige Bewirtschaftung in höheren Lagen“, ist Schranz überzeugt. Die Herde wird die ganze Zeit von den zwei hellen Kangal-Hündinnen Dijay und Summ umkreist. Die beiden könnten es mit einem Wolf aufnehmen und werden doch zu Lämmern, wenn sie der 47-Jährige hinter den Ohren krault.

Hunde schützen vor Wolf
Seiner Meinung nach schlägt man mit aktiver Behirtung und gezielter Weideführung drei Fliegen mit einer Klappe: „Wir wissen alle, dass der Wolf zu uns zurückgekehrt ist. Dem flinken Beutegreifern schieben wir mit eigenen Herdenschutzhunden sowie elektrischen Weidezäunen einen soliden Riegel vor. Außerdem verhindern wir eine Über- und Unterbeweidung auf der Alm und die Gewichtserträge der Tiere sind deutlich besser.“

Wissen weitergeben
Schranz will weitergeben, was er an Reichtümern der Natur und des atmenden Lebens in ihr erleben durfte. Hinter seinem Haus errichtete er dazu zusammen mit der Neuen Mittelschule Prutz einen naturpädagogischen Lehrpfad. Mit seinem Geld, auf seinem Grund, ohne kommerzielle Absichten. Rein um der Kinder willen. „Ich gebe mein Wissen gerne weiter. Das Leben ist ein Nehmen und Zurückgeben. Am Ende bedeutet es ein Mehr für uns alle“, verrät der Weideschäfer. Das Abendrot legt sich sanft über das Oberinntal. Das Blöken der Weidelämmer und das verspielte Bellen der Hunde versinkt in der Dämmerung. Das Tagwerk von Schranz ist für heute getan. Doch seine Visionen bleiben noch lange wach.

Gabriel Müller, Kronen Zeitung

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