06.10.2019 09:00 |

Humus als Öko-Lösung:

Rettung der Erde fällt hier auf fruchtbaren Boden

Hinter uns die Sintflut? Nicht mit Gerald Dunst. Der Humus-Spezialist aus Kaindorf schwört immer mehr Landwirte und Hobbygärtner auf die Wiederbelebung ihrer schwer kranken Böden ein. Für den Oststeirer die große Chance, den Patienten Erde vor dem sonst sicheren Tod zu bewahren.

Er spricht über gesunde Erde wie andere über feine Delikatessen: „Schauen Sie sich diese besondere Struktur an, so krümelig und locker, zudem der frische, süßliche Geruch nach Pilzen, ein wahrer Hochgenuss“, schwärmt Gerald Dunst. Und steckt sich wie zum Beweis ein bisschen Erde in den Mund. „Herrlich, gesunden Boden kann man auch richtig schmecken“, lacht der 54-jährige Humus-Spezialist aus Kaindorf.

Ganzjahres-Begrünung als goldene Regel
Seit Jahren hat sich der Boku-Absolvent der Rettung des jahrzehntelang falsch behandelten Erdreichs verschrieben, seine Therapie ist innovativ wie einfach: „Das oberste Gebot für Landwirte ist, den Acker im Herbst nicht brach liegen zu lassen, sondern diesen das ganze Jahr über zu begrünen. Darüberhinaus müssen mechanische Bodenarbeiten minimiert werden, Kompost aufzutragen, ist meist auch unumgänglich“, sagt der Experte.

Laub-Rechen strengstens verboten
Für den Hobbygärtner gilt: Böden stets „schlampig“ belassen. „Nicht, wie jetzt im Herbst oft üblich, alles mit dem Rechen vom Laub befreien. Man findet in der freien Wildbahn ja auch nirgends nackte Wiesen“, betont Dunst, der im burgenländischen Riedlingsdorf mit zwei seiner drei Kinder den Betrieb „Sonnenerde“ führt.

Steirer-Idee trägt sogar in Australien Früchte
In Österreich haben sich bereits mehr als 300 Landwirte der einzigartigen Humus-Initiative, die der Ökoregion Kaindorf entspringt, angeschlossen, aber auch international macht die weiß-grüne Pionierarbeit längst von sich reden: „Holländer, Franzosen oder etwa Slowenen haben unsere Methoden übernommen; nun folgen wir erstmals einer Einladung nach Australien, auch da gibt es ganz großes Interesse an unserem Know-how“, erzählt Dunst.

Alternative Bewirtschaftung schütz Umwelt und spart Geld
Die Acker-Therapie lohnt sich: Pflanzen werden gesünder, Erträge stabiler, Humusböden sind widerstandsfähiger gegenüber Starkregen. Bester Nebeneffekt: Gesunder Boden speichert CO2. Wer sich der Humusinitiative anschließt, bekommt übrigens  pro gespeicherter CO 2-Tonne 30 Euro; dementsprechende Zertifikate können von Firmen zur Kompensierung ihres CO2-Überschusses gekauft werden.

Um Patienten Erde steht es schlecht
Da gesunder Humusboden nicht nur für eine reichere sowie gesündere Ernte sorgt, sondern auch das Klima schont, führt für den Steirer kein Weg an der alternativen Bewirtschaftung vorbei: „Um die Erde steht es schlecht. Wäre sie ein Patient, würde ich längst den Notarzt rufen. Ob sie trotz sämtlicher Bemühungen überleben kann? Ich habe leider meine Zweifel . . .“

Eine neue Ausstellung im Grazer Naturkundemuseum widmet sich übrigens aktuell dem Thema Bodengesundheit. Titel: „Die dünne Haut der Erde“.

Barbara Winkler
Barbara Winkler
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