02.10.2019 20:19 |

Körpersprache im Check

Rhetorik-Profi über Kurz: „Er verkörpert Wahrheit“

„Das Buch ist frei von allen politischen Inhalten, ich beleuchte darin einfach die Rhetorik von Sebastian Kurz und vergleiche sie mit der seiner politischen Mitbewerber“, so Thomas W. Albrecht über sein neues Werk „Die Rhetorik des Sebastian Kurz“ (Goldegg Verlag). Er ist fest davon überzeugt, dass bei einer Wahl nicht die Inhalte zählen, sondern die Emotionen. Die Wähler entscheiden sich demnach für den Politiker, zu dem sie das meiste Vertrauen haben.

Was Sebastian Kurz laut Albrecht besonders gut beherrscht, ist das „Abholen der Wähler“: „Er beginnt jede Rede mit einer guten Nachricht und betont stets zu wissen, wie es den Menschen geht.“ Eine gute Strukturierung seiner Reden mache einen weiteren großen Anteil seines Erfolgs aus. Diese Struktur, welche auf dem sogenannten 4-Mat-System beruht, führe dazu, dass sich viele Personen in seinen Aussagen wiederfinden.

„Kurz verkörpert Wahrheit und gibt Sicherheit“
Auch Haltung und Körpersprache des ÖVP-Obmanns tragen ihren Teil dazu bei: „Er steht aufrecht da, hat die Hände vor dem Körper. Jemand, der so dasteht, verkörpert, dass er die Wahrheit sagt und gibt den Zuhörern Sicherheit.“ Pamela Rendi-Wagner hingegen mache sehr „asymmetrische Körperbewegungen“ und wirke daher aufgeregt und angespannt.

Ein weiterer großer Unterschied zwischen Kurz und Rendi-Wagner sei außerdem das Verwenden von verschiedenen „Frames“, also das häufige Verwenden von bestimmten Wörtern und Phrasen: „Rendi-Wagner spricht viel über Probleme, die gelöst werden müssen. Kurz spricht hingegen über Chancen und das, was erreicht werden soll.“ Im Unbewusstsein des Zuhörers kommt das „Framing“ von Kurz besser an, meint Albrecht.

„Ankläger“ haben bei Wahl verloren
Auf YouTube hat sich der Autor für sein Buch alle möglichen Reden von Kurz und den anderen Spitzenkandidaten angesehen und analysiert. Einige davon hat er dann transkribiert und nach seinen Kriterien untersucht. Norbert Hofer sieht er als „guten Rhetoriker“, Herbert Kickl als „Systemverteidiger“ der FPÖ. Beate Meinl-Reisinger suche stets das gemeinschaftliche „wir“. Sie habe wie auch Werner Kogler und Sebastian Kurz „Einigkeit“ im Wahlkampf gesucht und daher an Prozenten dazugewonnen. Die „Ankläger“, welche auf andere losgegangen sind, haben an Stimmen verloren. In diesem Fall Rendi-Wagner, Hofer und der aus dem Parlament ausgeschiedene Peter Pilz.

Markus Steurer
Markus Steurer
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