Weil sie in die USA nicht einreisen dürfen, haben es chilenische Einbrecherbanden mit mafiösen Strukturen nun auf Europa abgesehen. Als Jogger getarnt räumten sie auch in Österreich etliche Villen aus. Für einige von ihnen klickten allerdings die Handschellen.
Die klassischen Dämmerungseinbrüche sind Schnee von gestern: Professionelle Einbrecherbanden pfeifen auf den Schutz der Dunkelheit und räumen auch am helllichten Tag Häuser und Wohnungen aus. Ein bezeichnendes Beispiel ist eine international agierende Tätergruppierung aus Chile, die sich unter anderem im Großraum Graz für einige Tage niedergelassen hat – und der die Ermittler des Landeskriminalamts Steiermark und weiteren Kollegen nun das Handwerk gelegt hat.
Ihr Vorgehen war unglaublich professionell. Schnell stellt sich die Frage, wieso sich die fünf Männer Europa als Zieldestination ausgesucht haben. Die Antwort dürfte mit dem Einreiseverbot in die USA auf der Hand liegen. „Die Strukturen sind mafiös“, erklärt Manfred Resch, Chefinspektor beim Landeskriminalamt Steiermark und leitender Verantwortlicher des Bereichs Wohnraumeinbruch.
Mafiöse Strukturen
Die Kriminellen werden in ihrem Heimatland auf ihre Aufgaben geschult. Nur die Besten werden anschließend per Flugzeug Richtung Italien losgeschickt, um von dort aus mit hochpreisigen Mietautos zu den zuvor via Google Maps und Street View ausgewählten Objekten – meist Häuser in Villengegenden – zu reisen. Empfangen werden sie in den Zielländern von Komplizen, welche sie in eigens angemietete Airbnb-Wohnungen bringen und ihnen dort das Tatwerkzeug für die Einbrüche übergeben.
Anschließend schwärmen sie am helllichten Tag zu den Objekten der Begierde aus. Zu zweit, als Jogger getarnt, mit Handys in den Händen und kleinen Taschen um den Bauch. Per Handy vergleichen sie, ob sie das richtige Haus erwischt haben. Schauen sogar in die Videokamera – dass sie gefilmt werden, ist ihnen völlig gleichgültig. Sie läuten einmal, zweimal, mehrmals, um zu überprüfen, ob jemand zu Hause ist.
Öffnet niemand, kontaktieren sie ihre Kollegen, dann schlagen sie zu. Knacken Türen und Fenster, durchsuchen die Räume auf Schmuck und Bargeld. Die Beute stopfen sie in ihre Bauchtaschen, dann laufen sie davon. Ein Fluchtauto wartet etwas entfernt auf sie. Sie steigen ein und brausen in die mit falschen Ausweisen angemieteten Wohnungen zurück. Dort begutachten sie die Ware, machen sichtlich stolz Fotos und Videos. Die Ware verkaufen sie anschließend an eingeweihte Hehler nach Italien, die in weiterer Folge gutes Geschäft damit machen.
Ermittler schlugen zu
Das ist der Modus Operandi, mit dem die Männer vorgegangen sind. Am 30. Juli 2025 wurden sie – da waren ihnen die Ermittler bereits auf der Spur – zu einem ihrer ausgewählten Tatorte von Wien aus nach Niederösterreich verfolgt. In einem Nobelwohnpark in Sollenau (Bezirk Wiener Neustadt) brachen sie mit der oben genannten Masche in eine Villa ein. Nach der Rückkehr in die vermeintlich sichere Unterkunft schlugen die Beamten allerdings zu. Drei Chilenen zwischen 19 und 28 legten sie die Handschellen an.
Wir haben eine Steigerung an Einbrüchen von 25 bis 30 Prozent im Wohnraumbereich festgestellt, das ist massiv.
Chefinspektor Manfred Resch, LKA Steiermark
Schaden im einstelligen Millionenbereich
Wie sich herausstellte, dürften sie für mindestens zwölf Einbruchsdiebstähle in Österreich sowie weitere 30 Wohnhaus-Einbrüche in Deutschland, Luxemburg, Frankereich und der Schweiz verantwortlich sein. Der dadurch entstandene Schaden liegt vermutlich im einstelligen Millionenbereich. Durch die Machenschaften der chilenischen Einbrecherbanden hat sich auch die Statistik maßgeblich verändert: „Wir haben eine Steigerung von 25 bis 30 Prozent im Wohnraumbereich festgestellt, das ist massiv“, sagt Manfred Resch. Der Stand von 2019 – mit 927 Straftaten – ist aber noch nicht erreicht. 2024 lag die Zahl bei 667, die Auswertung vom Jahr 2025 wird im Frühjahr präsentiert.
Massive Probleme bereitet den Ermittlern allerdings auch in diesem Bereich die Tatsache, dass Messenger-Dienste nicht überwacht werden dürfen: „Wir arbeiten dadurch in der Steinzeit, die Täter in der Jetzt-Zeit“, beschreibt Resch die Situation. Abgesehen davon enorm wichtig für die Polizeiarbeit: „Sollte jemandem etwas Verdächtiges vorkommen – Personen oder Autos, die in der Gegend noch nie zuvor gesehen worden sind –, bitte nicht zögern und den Notruf 133 wählen!“
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