25.08.2019 11:55 |

Geliebter im Verdacht

Das Drama um Mutter (31) und ihr ungeborenes Kind

Sie zog bereits drei Kinder alleine auf, war nun wieder schwanger. Nur wenige Menschen wussten, von wem: einem Manager, verheiratet, zweifacher Vater. Er wollte nicht zu dem „fremden Baby“ stehen. Die junge Kärntnerin drohte, ihn zu outen. War das ihr Todesurteil?

Und nichts ist anders gewesen, zunächst, am 16. August, im Leben von Julia H. Wie meistens, stand die junge Kärntnerin auch an diesem Tag früh auf, um ihre Parterrewohnung in einem Mehrparteienhaus in Paternion aufzuräumen; sie versorgte ihre zwei Katzen mit Futter, setzte sich zwischendurch kurz auf den Balkon, um eine Tasse Tee zu trinken, und bereitete dann für ihre drei Kinder Frühstück zu.

Und danach ging sie mit den zwei Söhnen (9 und 3) und der Tochter (4) auch schon bald nach draußen. Julia H. liebte die Natur, „sie gibt mir Kraft“, hatte sie oft Freundinnen erklärt, und nun spazierte sie mit ihren Kleinen wieder einmal über Feldwege, zeigte ihnen seltene Pflanzen. Und erzählte von dem Baby, das sie in ihrem Bauch trug: „Euer Geschwisterchen wird in zwei Wochen auf der Welt sein.“

„Ich ahnte, wer der Vater war
Gegen 13 Uhr traf die Familie in dem Haus der Mutter der 31-Jährigen ein. „Wir aßen zusammen“, erinnert sich die pensionierte Volksschullehrerin, „den Nachmittag verbrachten wir alle im Garten.“ Die Stimmung sei gut gewesen. Ihre Tochter plauderte über die Dinge, die sie in Stunden davor unternommen hatte und sie sprach darüber, wie sehr sie sich auf das Mädchen, das in ihr wuchs, freue: „Julia wollte es Anna taufen.“ Eine Wippe und Säuglingsnahrung waren schon gekauft. Der Vater des Ungeborenen blieb auch an diesem Freitag ein Tabuthema. „Julia hat mir seine Identität nie verraten. Doch ich ahnte, wer er war“

„Sie hatte einfach kein Glück mit Männern“
Florian M. (Name geändert). Ein 35-jähriger Klagenfurter aus wohlhabenden Verhältnissen; verheiratet, zwei Kinder, Akademiker, Manager bei einem großen Unternehmen. „Der fesche Flo “ – wurde er in Paternion genannt, wo er manchmal in seinem Nebenjob, Schiedsrichter, tätig war. Julia H. und er kannten einander bereits seit Langem, von der Uni noch; die Frau hatte einst Germanistik und Englisch inskribiert. „Bis zuletzt“, sagt ihre Mutter, „legte sie Prüfungen ab.“

Denn ihre Tochter hatte den Traum, irgendwann einmal an einem Gymnasium zu unterrichten, nie aufgegeben, „trotz der vielen Schwierigkeiten, mit denen sie von Jugend an konfrontiert gewesen ist, wegen ihrer schlechten Männerwahl.“

Mit 21 wurde sie zum ersten Mal schwanger, „ihr damaliger Freund trennte sich in der Folge schnell von ihr.“ Eine Abtreibung – „wäre für Julia nicht infrage gekommen, wegen ihres tiefen Glaubens.“ Also zog sie den Buben alleine auf: „Und sie war überglücklich, als sie vor sechs Jahren einen Partner fand, der dieselben Ziele wie sie zu haben schien: Ein Dasein in Geborgenheit, mit vielen Kindern.“ Von ihm bekam die junge Kärntnerin rasch zwei weitere Babys. Und dann zerbrach die Beziehung: „Meine Tochter meisterte auch diesen Schicksalsschlag.“

„Sie sprach nie über Männer“
„Sie blieb positiv“, übersiedelte in die geräumige Parterrewohnung in Paternion, richtete sie hübsch ein, kümmerte sich aufopfernd um ihre Kinder, las ihnen jeden Wunsch von den Augen ab. Und sonst? „Sie war entweder mit ihren Kleinen im Grünen unterwegs oder sie spielte mit ihnen zuhause“, schildern Nachbarn, „sie ging einfach voll in ihrer Mutterrolle auf.“ Selten traf sich Julia H. mit Freundinnen: „Sie sprach mit uns nie über Männer.“ Und nachdem sie im vergangenen Jahr abermals schwanger geworden war: „hielt sie standhaft den Namen des Vaters geheim.“

Aber natürlich gab es im Dorf Gerüchte. Im Oktober 2018 hatte Julia H. mit ihrem ältesten Sohn - einem begeisterten Kicker - ein Fußballmatch besucht und dabei Florian M. wieder getroffen. „In den Monaten danach“, berichten Sportkollegen des Mannes, „sahen wir häufig Flos schwarzen Wagen vor Julias Wohnhaus parken.“ „Es sollte eine unverbindliche Affäre sein“, beteuert der 35-Jährige jetzt in Verhören, „July wusste, dass eine Scheidung für mich undenkbar war. Sie fand das okay, denn sie hatte neben mir ja auch noch andere Sex-Partner.“

Und nachdem er im vergangenen Jänner erfahren hatte, dass sein „Seitensprung“ Nachwuchs erwartete, „blieb ich“, behauptet er, „gelassen. Ich wollte den Vaterschaftstest abwarten.“ Diese Angaben stehen in krassem Gegensatz zu den Erzählungen von Gerhard B., einem Kärntner, der seit mehr als 20 Jahren in Chile lebt. Er ist einer von mehreren Auswanderern, mit denen Julia H. über soziale Medien regelmäßig in Kontakt war; nachts, wenn ihre Kinder schliefen.

„Er wollte nicht zu dem Baby stehen“
„Sie fürchtete Klatsch in ihrem Heimatort“, so der Mann, „deshalb traute sie sich nur mit Menschen von weit weg über ihre Probleme zu reden.“ Und das seien „einige gewesen“. Unverstanden, in Zwänge gepresst habe sie sich gefühlt, von ihrem Umfeld. Was weiß Gerhard B. über Florian M.? „Julia hat mir erzählt, dass er sie mit falschen Versprechungen getäuscht hätte und nicht zu dem Baby, das in ihr wuchs, stehen würde. Er soll sie weder finanziell noch seelisch unterstützt haben. Als sie etwa im Frühjahr wegen einer Blutung ins Spital musste, hat ihn das angeblich völlig kalt gelassen.“

Seitdem sei Julia H. „sehr böse“ auf den Klagenfurter gewesen: „Sie übte Rache an ihm, kontaktierte Freunde seiner Frau, berichtete ihnen von seinem Verhältnis mit ihr.“ Eine Ehekrise war die Folge, die Gehörnte verkaufte sogar ihr Brautkleid, letztlich entschloss sich das Paar zu einer Therapie. Währenddessen eskalierten die Streits zwischen der 31-Jährigen und Florian M. laufend mehr. Gerhard B: „Julia hat mir Screenshots von den Whatsapp-Nachrichten zwischen ihr und ihm geschickt.“

„July, bitte zerstöre nicht meine Familie“
Sie drohte ihrem Ex-Geliebten, ihn der Vaterschaft zu outen; er bettelte sie an, das nicht zu tun: „Du würdest damit mich und meine Familie zerstören ...“ Einen Tag vor ihrem Tod sendete Julia H. ihrem Freund in Südamerika folgende Botschaft: „Frag per Facebook Florians Frau, ob ihr ausgerichtet wurde, dass ihr Mann in wenigen Wochen ein Kind mit einer anderen bekommt.“ Der Auswanderer: „Ich erfüllte den Auftrag nicht. Aber vielleicht wer anderer?“

Julia H. verließ am 16. August um 18 Uhr das Haus ihrer Mutter, der älteste Sohn blieb bei der Oma. Daheim badete sie dann ihre zwei Jüngsten, legte sie zu Bett, las ihnen zum Einschlafen Märchen vor. Das berichtete sie später einer Freundin per SMS. Und sonst? „Sie schrieb über ihr Glück, Anna zu erwarten.“ Gegen 22 Uhr wünschten die beiden Frauen einander „Gute Nacht“.

Kurz nach Mitternacht hörten Nachbarn aus Julia H.s Wohnung Hilfeschreie und sahen dann einen Mann von ihrem Balkon springen und davonlaufen. Wenig später wurde die 31-Jährige von Polizeibeamten gefunden. Sie lag ermordet in ihrer Badewanne. Auch für das Ungeborene kam jede Hilfe zu spät. Am kommenden Dienstag soll Julia H. auf dem Friedhof in ihrem Heimatdorf zu Grabe getragen werden. Und mit ihr Kind, das nicht zur Welt kommen durfte.

„Ich bin kein Mörder“
Florian M. wurde am 17. August unter dem dringenden Verdacht, Julia H. getötet zu haben, verhaftet. In seiner Wohnung in Klagenfurt. Der 35-Jährige bestreitet das Verbrechen. „Ich hatte kein Motiv“, behauptet er. Wenn ein DNA-Test seine Vaterschaft bestätigt hätte, „wäre es keine Schwierigkeit für mich gewesen, Alimente für das Kind zu zahlen.“

Aber fürchtete er nicht Probleme mit seiner Frau? „Die ganze Familie von Herrn M.“, so sein Anwalt Hans Gradischnig, „hält fest zu ihm. Weil sie weiß, dass er kein Mörder ist.“ Hat der Manager ein Alibi? Den Abend des 16. August habe er bei einem Fußballspiel in Spittal an der Drau verbracht, gab er mittlerweile vor der Kripo zu Protokoll: „Kollegen brachten mich danach - um etwa 23.30 Uhr - zu meinem Auto, das auf dem Parkplatz bei Pörtschach abgestellt gewesen ist. In Gedankenlosigkeit, weil ich so viel über meine Eheprobleme nachdachte“, habe er dann die falsche Autobahnauffahrt genommen, nämlich Richtung Villach.

„Ich bin in der Folge eine Weile in der Gegend herumkutschiert, ich benötigte Zeit für mich.“ Wiederholt habe er zwischendurch mit Freunden telefoniert, „und ich war sicherlich in dieser Nacht nicht in Paternion.“ Um 2.05 Uhr traf er zuhause, in Klagenfurt, ein. Das belegt eine Handyortung.

Martina Prewein, Kronen Zeitung

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