Gelebtes Brauchtum

Musik, Tanz und reichlich Bier beim Maibaumaufstellen

Steiermark
29.04.2010 16:08
Am Abend des 30. April werden traditionell die Maibäume aufgestellt. Ein uralter Brauch, der noch in der ganzen Steiermark gepflegt wird. Die "Krone" hat sich auf Spurensuche begeben.

Die Musik spielt auf, es wird mit "Bandl'n" getanzt, die Burschen schwitzen, das Bier fließt: Wenn der Maibaum – geschält und mit Mustern und Kränzen aufwändig verziert – aufgestellt wird, ist alle Jahre wieder das ganze Dorf auf den Beinen.

Bäume sollten böse Geister vertreiben
"Der Brauch lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen", weiß Silvia Renhart von der Steirischen Volkskultur. Früher sollten die Bäume böse Geister vertreiben und die Natur besänftigen – ein Symbol für das Frühlingserwachen also.

Wachen werden aufgestellt
Heutzutage spielt zwar auch der Tourismus eine wichtige Rolle, ein großer, schöner Maibaum ist aber nach wie vor ein Zeichen der Stärke für eine Gemeinde. Daher muss er in der ersten Nacht gut bewacht werden. Ansonsten kommen die Burschen aus dem Nachbarort und schneiden den Stamm um – und das wäre eine Schande!

Wenn der Maibaum nicht bereits in der ersten Nacht fällt, steht er in der Regel bis zum Ende des Sommers. "Einzig im Wechselgebiet ist es üblich, dass er bereits Ende Mai gefällt wird", weiß die Brauchtums-Expertin. Eines gebe es heutzutage aber kaum mehr, schmunzelt Renhart: "Als ich jung war, wurden noch Flascherl, gefüllt mit 'Kracherl', am Wipfel angebracht. Da gab's dann ein wildes Kraxeln."

Daten und Fakten

  • Der Brauch des Maibaums geht auf die Antike zurück: Griechen und Römer haben ihre Gebäude zu bestimmten Zeiten mit Zweigen geschmückt.
  • Im Zusammenhang mit dem Christentum wurde die Tradition des Baumaufstellens erstmals 1225 in Aachen erwähnt. Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges (17. Jahrhundert) wurde sie in ganz Europa verbreitet.
  • Kleine Bäumchen dienten lange nicht nur dazu, böse Geister zu vertreiben. Verliebte Burschen pflanzten sie auch vor dem Fenster ihrer Angebeteten.
  • Da die Maibäume von den Nazis für ihre Ideologie vereinnahmt wurden, traute man sich bei uns erst in den 1970er-Jahren, den Brauch wieder aufzunehmen.
  • In einigen anderen europäischen Ländern findet das Bäumeaufstellen an anderen Tagen statt, z. B. zu Pfingsten oder zu Mittsommer.

von Jakob Traby, "Steirerkrone"

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