08.08.2019 07:00 |

Steiermark:

Der Kontrollwahn bringt Bauern an ihre Grenzen

Kontrollen ohne Ankündigung, die aber stundenlang dauern und für die man parat stehen muss, weil sonst Strafen drohen. Keine Frage: Lieber zu viel nachgeschaut als einmal zu wenig, wenn es um unsere Lebensmittel und Gesundheit geht. Aber wenn ein Bauer sagt: „Ich hör nur wegen des Systems auf“, läuft etwas falsch.

„Mir reicht es“, schildert uns ein steirischer Bauer (der lieber anonym bleiben will). „Ich habe Freilandschweine, nach denen es eine große Nachfrage gibt. Aber ich mache nicht weiter, weil mir diese ganze Bürokratie, die Vorgaben, die direkt an Schikanen grenzen, einfach schon zu deppert sind!“

Fünfmal pro Jahr käme allein der Amtstierarzt, um den Tieren Blut abzunehmen. Dazu kämen Stall- und Haltungskontrollen und „ewig lange“ AMA-Kontrollen, „für die man alles stehen und liegen lassen muss“. „Ich steig’ aus. So bleibt irgendwann halt nur noch Massentierhaltung.“

Vor allem die Bürokratie macht ihn „fuchsteufelswild. Die ist heute so ausgelegt, dass kein normaler Mensch ohne Hilfe durchblickt und somit Fehler machen muss. Und dann gibt es für Fehler gleich Sanktionen. Herrschaftszeiten! Wir sind Bauern, wir sollen gute Produkte für alle machen, das allein ist unsere Priorität.“

Die Kontrollen sind tatsächlich umfassend, wie uns AMA bestätigt – da können Einzelne schon bis zu 10 (!) Mal im Jahr drankommen. Vielfach unangekündigt, wohlgemerkt. Das heißt, die Prüfer stehen morgens vor der Tür, man muss alles andere hintanstellen, und der Betrieb steht still. Und wer nicht kann – außer er hat einen echt guten Grund –, dem droht das Delikt der „Kontrollverweigerung“; verbunden mit Sanktionen.

Am Plan stehen kann:

  • Kontrollen durch das AMA-Marketing für Betriebe, die am Gütesiegel teilnehmen. Bei Hühnern ist das viermal im Jahr, bei Schweinen jedes oder spätestens jedes zweite Jahr.
  • Kontrollen durch den AMA-Mutter-Bereich.
  • Extra-Kontrollen für Bio-Landwirte einmal pro Jahr.
  • Für Direktvermarkter Überprüfungen durch die Lebensmittel-Behörden, bis zu viermal im Jahr.
  • Wer seine Produkte über Supermarktketten vertreibt, wird auch von diesen noch zusätzlich genau unter die Lupe genommen.
  • Besuch vom Eichamt.
  • Almkontrolle ist möglich.

Jede Überprüfung kann bei mittleren Betrieben bis zu vier Stunden dauern, bei größeren viel länger.

Doppelgleisigkeiten abschaffen, das verlangt Franz Titschenbacher, Chef der Landwirtschaftskammer: „Es ist dringend erforderlich, dass zwei unterschiedliche Behörden, wenn sie ein- und dasselbe kontrollieren, die Kontrollergebnisse auch gegenseitig anerkennen. Durch solche Synergien spart man Geld und Zeit.“

Überzogene Kontrollen und unverhältnismäßige Strafen bei Direktvermarktern verdammt Kammerdirektor Werner Brugner. „Da wird auch das gut sichtbare Ablaufdatum kontrolliert. Muss das Produkt zum Erkennen nur einen Zentimeter gedreht werden, kommt es zu Strafen von 160 Euro!“

Christa Blümel

 krone.at
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