28.04.2010 15:11 |

Beamte bedroht

84-Jähriger in OÖ von Polizist erschossen

In Oberösterreich ist in der Nacht auf Mittwoch ein 84-jähriger Mann von einem Polizisten erschossen worden. Der Pensionist in Laakirchen im Bezirk Gmunden hatte zuerst mit einer Waffe einen Zeitungsausträger bedroht. Als die alarmierte Polizei Nachschau hielt, richtete der Mann die Pistole auch auf die Beamten. Aufforderungen, sie niederzulegen, sei er nicht nachgekommen. Einem Warnschuss folgte dann ein tödlicher Treffer. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Pistole eine Attrappe war.

Die Tragödie begann laut den bisherigen Schilderungen der Polizei mit einer Lappalie. Der Zeitungsausträger soll gegen zwei Uhr früh in die Hauseinfahrt des Pensionisten eingebogen sein, weil er mit den Örtlichkeiten nicht vertraut war. Er habe Hausnummer und Straßenname ablesen wollen, um sich orientieren zu können, sagte der erst seit 14 Tagen als Austräger tätige Mann der Polizei.

Sofort kam der 84-Jährige mit Gehstock und Pistole in der Hand aus dem Haus und bedrohte den im Auto sitzenden Zusteller durch das Seitenfenster. Dieser ergriff die Flucht und fuhr zur Polizei.

Warnschuss ignoriert
Eine Streife mit zwei erfahrenen Beamten machte sich dann zu dem Haus des Pensionisten auf. Der Mann sei erneut mit der Pistole in der Hand herausgekommen. Er wurde aufgefordert stehenzubleiben und die Waffe abzulegen - was der 84-Jährige aber nicht tat, so die Polizei. Auch auf eine erneute Aufforderung und sogar einen Warnschuss habe der betagte Mann nicht reagiert.

Schließlich habe einer der Polizisten einen Schuss auf den Mann abgegeben, von dem er laut Polizei "im Brustbereich tödlich verletzt" wurde. Über etwaige Wortwechsel und die genaue Positionierung der Beamten und des 84-Jährigen im Vorgarten des Hauses konnte die Polizei am Mittwoch noch keine konkreten Aussagen treffen.

Pistole war nur Attrappe
Erst im Nachhinein stellte sich heraus, dass der Pensionist bei dem tödlichen Zwischenfall gar keine echte Waffe in der Hand hatte, sondern eine täuschend echt aussehende Pistolenattrappe. Wie die in die Ermittlungen involvierten Behörden am Mittwochvormittag in einer Pressekonferenz berichteten, hätte aber nur ein Fachmann aus der Nähe erkennen können, dass die Waffe eine Nachbildung einer Pistole vom Typ Pi-38 aus dem Zweiten Weltkrieg ist. Beim Imitat sei das Magazin verschweißt, beim Original sei es abnehmbar.

Staatsanwaltschaft und Sicherheitsdirektion versicherten am Mittwoch eine gründliche Aufarbeitung des Vorfalls. Das größte Rätsel bereitet ihnen derzeit offenbar die Handlungsweise des Pensionisten und die Frage, welchen Grund er hatte, nachts mit einer Pistole vors Haus zu treten. Die Polizei habe keinerlei Informationen, wonach in der Umgebung signifikante Kriminalfälle passiert seien, die eine private Bewaffnung zur Folge gehabt haben könnten, hieß es. Allerdings sind vor dem Haus des Pensionisten gleich zwei Überwachungskameras angebracht. Ob sie auch nur Attrappen wie die Pistole des Pensionisten sind, ist nicht erkennbar.

Vorfall ging im Verkehrslärm unter
Die Suche nach Ohren- oder gar Augenzeugen gestaltet sich für die Polizei indes sehr schwierig. Der Vorfall dürfte nämlich im Verkehrslärm, der rund um die Siedlung in Laakirchen herrscht, schlicht untergegangen sein. Die vielbefahrene B144 führt unmittelbar am Haus des Toten vorbei. Die Nachbarn bemerkten kaum etwas von dem Geschehen.

In der Siedlung am Ortsrand von Laakirchen sind tagsüber auch nur wenige Bewohner daheim. Eine der Anwesenden war am Mittwochvormittag eine Frau, die in der Nähe des Pensionisten wohnt. Sie schilderte, dass sie in der Nacht zwei "relativ knapp hintereinander - einige Sekunden" abgefeuerte Schüsse gehört habe. Sie habe auf ihren Wecker gesehen und 2.22 Uhr abgelesen. Ihr sei aufgefallen, dass es sich um keine Knallkörper gehandelt habe. Dann habe sie noch gewartet, ob Einsatzfahrzeuge von Polizei oder Rettung kämen. Als sie dann nichts gehört habe, hätte sie dem Ganzen keine Bedeutung zugemessen. Erst in der Früh habe sie von dem Zwischenfall aus dem Radio erfahren.

Die Frau beschrieb den Pensionisten als sehr ruhig. Er habe zurückgezogen gelebt und nicht viel geredet, wenn man ihm einmal begegnet sei. Irgendwelche Auffälligkeiten habe es bei ihm nicht gegeben. Vor seiner Pensionierung habe er in der Papierfabrik im Ort gearbeitet. Es soll eine Tochter, einen Schwiegersohn und Enkelkinder geben. Ein Paar, das ebenfalls in der Nachbarschaft wohnt, hat überhaupt nichts mitgekriegt, nur dass mehrere Autos in der Nähe umgedreht hätten. Die Gegend sei im Prinzip recht sicher, auch wenn bei ihnen schon einmal eingebrochen worden sei.

Warum wurde nicht Verstärkung abgewartet?
Die weitere brennende Frage, warum die Beamten sofort gehandelt hatten und nicht Verstärkung durch eine weitere Streife oder das Einsatzkommando Cobra abwarteten, blieb am Mittwoch vorerst noch unbeantwortet. Die beiden Polizisten aus Laakirchen würden jetzt psychologisch betreut und sollten am Nachmittag zu dem Vorfall befragt werden. Auch eine Rekonstruktion am Ort des Zwischenfalls sei geplant, hieß es.

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