29.07.2019 01:05 |

Arena Open Air

Skunk Anansie: Es ging um richtig oder falsch

Teils heftiger Regen konnte rund 3000 Anwesende am ausverkauften Open-Air-Gelände der Wiener Arena nicht daran hindern, einen Rock-Abend der Sonderklasse zu zelebrieren. Verantwortlich dafür war die 90er-Legende Skunk Anansie rund um Frontfrau Skin, die fast zwei Stunden lang alles aus sich und den Fans herausholte.

„Wir wollen die Leute mit einer einfachen Rockshow begeistern. Musik, Sound und etwas Licht. Heutzutage siehst du auf der Bühne ja sogar schon Raumschiffe - das ist aber nicht unser Stil“, erklärt Deborah „Skin“ Dyer der „Krone“ schon nachmittags im Interview. Mit ihrer Band Skunk Anansie hat sie vor allem in den 90er-Jahren Rockgeschichte geschrieben, doch Müdigkeit und musikalische Sättigung scheinen genauso locker an ihr vorbeizuziehen wie das Alter. Dass sie in wenigen Tagen ihren 52. Geburtstag feiern wird, glaubt man zu keiner Sekunde. Wenn Skin unkontrolliert über die Bühne wirbelt, dann schwingt auch immer eine kräftige Dosis Anarchie und Kompromisslosigkeit mit. Eben genau jene Attribute, die man bei Altersgenossen und gesättigten Retro-Rock-Bands oft so sträflich vermisst. Dass bei Skunk Anansie scheinbar niemals Befriedigung eintritt, erweist sich für Band und Publikum als Win/Win-Situation. So zelebrieren in der restlos ausverkauften Wiener Arena beide Parteien einen Abend der Hemmungslosigkeit und voller Nostalgie.

Vollgas zum Start
Zum 25-Jahre-Jubiläum ist das britische Quartett mit einer Best-Of-Tour unterwegs. Das gibt den Fans den Vorteil, sich von all den großen Klassikern längst vergangener Tage berieseln zu lassen und die Band kann tief in den eigenen Köcher greifen, um auch selten Gespieltes herauszuziehen. „Cheap Honesty“ ist etwa so eine Nummer, die im tadellos zusammengemischten Programm eine wundervolle Figur macht. Mit einem Electro-Intro, „Charlie Big Potato“, „Because Of You“ und „I Can Dream“ lassen Skunk Anansie schon ganz zu Beginn keinen Zweifel darüber aufkommen, dass das Feuer in der Band nicht nur lodert, sondern mächtig brennt. Die Glitzerjacke fetzt Skin schon nach der ersten Nummer vom trainierten Körper, bei Song drei gibt’s auch schon einen Stagedive-Ausflug ins Publikum - etwas später marschiert sie gar mitten durch die Fans und lässt sich dabei auch nicht vom immer wieder einsetzten Regen aufhalten.

Überhaupt das Wetter - eine fast schon kitschig-perfekte Untermalung für den Donner, der von der Bühne poltert. Wie ein kurzes Blitzlichtgewitter fährt ein Song nach dem anderen direkt in Herz und Seele der Anwesenden. Das Publikum ist so durchmischt wie die Setlist ihrer großen Helden. Nicht nur die Nostalgiker der alten Tage haben sich versammelt, um für knapp zwei Stunden die ungezwungene Jugend heraufzubeschwören, auch jüngere Semester zeigen sich überraschend textsicher. Die sanften Momente führen an diesem Abend ein stiefmütterliches Dasein, doch gerade sie sorgen für den nötigen Spannungsbogen im viehischen Rock-Wirbel. Das zarte „Weak“, „Without You“ oder der unvergessene erste große Band-Hit, „Hedonism (Just Because You Feel Good)“ kitzeln bei teil strömendem Regen alles aus Protagonistin und ihren sie anschmachtenden Jüngern.

Politische Lehrstunde
Natürlich kommt auch die Politik nicht zu kurz. Kaum eine Band artikuliert sich schon seit den ganz frühen Tagen so deutlich und offensiv. Niemals ließ sich Skin auf ihrem langen und noch weiter andauernden Weg gegen Faschismus und Rassismus abbringen. Vor „God Loves Only You“ holt sie sich von ihren Fans die Bestätigung, dass der neue britische Premierminister Boris Johnson und der drohende Brexit Schwachsinn sind, wettert gegen Trump und seine Nachahmer und macht deutlich: „Es geht nicht um links oder rechts, sondern um richtig oder falsch“. Mit dem lautstark vom Publikum mitgesungenen „Intellectualise My Blackness“ und dem unmissverständlichen „Yes, It’s Fucking Poltical“ (mit Theremin-Einsatz!) sendet sie klare Botschaften aus. Auch das brandneue „This Means War“ lässt wenig Fragen offen - außer vielleicht, warum der Groove so penetrant nach „Helter Skelter“ klingt…

Um das Finetuning geht es hier aber sowieso nicht. Tatsächlich schaffen es Skunk Anansie mühelos, die Menschen ohne großen Bühnenfirlefanz in ihren Bann zu ziehen. Kein Feuer, keine Konfettikanonen, keine Raumschiffe, keine Effekthaschereien. Wer mit einer so begnadeten Frontfrau wie Skin gesegnet ist, kann getrost auf Gimmicks verzichten. Wie eine wildgewordene Katze springt und läuft sie von Bühnenrand zu Bühnenrand, schreit ihren Gitarristen Martin „Ace“ Kent immer wieder impulsiv an und vollführt auf der Bühne ein wahres Schauspiel, dem es aber nie an Authentizität mangelt. Im Zugabenblock packt sie auch noch die programmatische Stachel-Federboa aus, stimmt AC/DCs „Highway To Hell“ an und zeigt mit dem zweiten neuen Song „What You Do For Love“ deutlich, dass Skunk Anansie noch viel zu sagen haben. Weitere Songs und eventuell ein Album sollen bald folgen. Am meisten freut man sich aber ohnehin auf das nächste Live-Stelldichein - denn auf der Bühne spielen die Briten weiterhin in einer eigenen Liga.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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