21.06.2019 10:50 |

Viele Opfer

Todesfalle Untersberg: Wo die Gefahren lauern

In den Tod gestürzt ist erst vergangene Woche eine 32-jährige Frau aus St. Leonhard am Untersberg. Im Laufe der Jahre forderte der Berg, dessen Erhebungen sich zwischen Bayern und Salzburg aufteilen, viele Opfer. Die meisten unterschätzten die Gefahren, die am Untersberg im hochalpinen Gelände lauern.

„Durch die Lage in Stadtnähe zieht der Untersberg natürlich viele Wanderer an. Seit 150 Jahren gibt es in Grödig eine Bergrettung. Der Großteil der Einsätze führt uns natürlich auf den Untersberg“, erzählt Ernst Schörghofer, Leiter der Bergrettung in Grödig.

Ein Berg mit zwei Gipfeln in zwei Ländern
Der Untersberg ist als nördlichstes Massiv der Berchtesgadener Alpen eine markante Landmarke am Alpenrand. Er verläuft zwischen Salzburg bzw. Grödig und Berchtesgaden. Bei einem sonst ausgeprägten Gipfelplateau verfügt das etwa 70 Quadratkilometer große Massiv über die zwei Hauptgipfel „Berchtesgadener Hochthron“ und „Salzburger Hochthron“. Warum kommt es gerade am Untersberg immer wieder zu Abstürzen mit Verletzten oder gar Toten?

„Das Gelände oben ist hochalpin. Das unterschätzen die Leute. Oft haben sie nur Halbschuhe an und knacksen gleich einmal um. Knochenbrüche sind genauso häufig.“ Die Menschen denken offenbar oft nicht mit. Zumal viele auch mit der Untersbergbahn hinauf fahren und nur den Abstieg zu Fuß meistern.

Der Reitsteig bei den Frauenwandeln und der Dopplersteig sind besonders gefährliche Stellen. „Speziell nach Regenfällen sind die Holzstiegen feucht. Da rutscht man schnell aus“, weiß Schörghofer. Eine weitere Gefahrenquelle sind die Dolinen, Felsspalten, die sich zwischen den Latschen auftun. Im Winter sind sie zugeschneit, wenn es taut, werden sie schnell zur tödlichen Falle.

Wenig Einsätze bei den hohen Besucherzahlen
„Man muss aber bedenken, wie viele Menschen tatsächlich den Untersberg besuchen. Da ist dann die Zahl der Bergrettungs-Einsätze im Vergleich wieder relativ gering“, sagt Ernst Schörghofer. Im Schnitt müsse man im Winter mindestens zehnmal ausrücken. Im Sommer kommen die Grödiger auf 25 Hilfseinsätze.

Seit es schriftliche Aufzeichnungen gibt, seit dem 18. Jahrhundert, soll der Salzburger Hausberg, schon mindestens 100 Todesopfer gefordert haben. Dabei war bei weitem nicht alles nur ein „Unfall“.

Mordversuch am 1973 Meter hohen Berg
So versuchte ein Halleiner (damals 46) im Juli 2006 einen Steirer (damals 32), in dessen Lebensgefährtin er sich bei einer Kur in Villach verliebt hatte, umzubringen. Er stieß den Rivalen aus Graz bei einer gemeinsamen Wanderung mit der Frau hinter deren Rücken vom Dopplersteig in den Rosittengraben. Das Opfer überlebte schwer verletzt und wurde ins Unfallkrankenhaus nach Salzburg gebracht. Hier kam es zum zweiten Mordversuch. Der Halleiner drang eine Woche nach dem ersten Angriff in die Intensivstation des Spitals ein. Er riss dem Steirer die Beatmungsschläuche heraus und versuchte noch, ihm mit einem Stanleymesser die Kehle durchzuschneiden. Danach fügte er einem zweiten Patienten (damals 71) mehrere Schnittwunden zu, er wollte keine Zeugen haben. Der Mann wurde später bei einem Prozess zu 20 Jahren Haft verurteilt. Er sitzt in Puch ein, ohne die Aussicht auf frühere Entlassung.

Viele Sagen: Kaiser Karl V. schläft im Berg
Um den Untersberg ranken sich auch viele Legenden und Sagen. So soll etwa Kaiser Karl V. als Geist mitten im Berg wohnen und schlafen. Er herrscht dort über die „Untersberger Mandln“. Karl sitzt an einem Tisch, um den sein Bart schon zweimal herumgewachsen ist. Wenn der Bart den Tisch dreimal umwickelt hat, soll Karl wieder zum Leben erwachen.

Der faszinierende Panoramablick vom Berg aus – das ist der Grund, warum Jahr für Jahr Tausende hinauf pilgern, auch wenn manchmal Wolken die schöne Sicht trüben.

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