18.06.2019 06:30 |

Technische Entwicklung

Werden Roboter die Chirurgen der Zukunft?

Künstliche Intelligenz, die effizienter Diagnosen stellen kann, als der Mensch. Roboter, die die Arbeit im OP quasi vollständig übernehmen: Die Zukunft hält für die Medizin einiges bereit. Die Gegenwart aber auch. Denn seit kurzem wagen Chirurgen Blicke über ihre Fachbereiche hinaus und lernen Erstaunliches voneinander.

Eine Operation am Bauch, die nur einen winzigkleinen Schnitt erfordert? Bereits seit den 1980ern sind laparoskopische Eingriffe in der Chirurgie normal. Neurochirurgen haben diese Technik hingegen erst vor ein paar Jahren für ihren Bereich übernommen. Umgekehrt ist das Färben und Markieren von Gefäßen und Tumoren währen der Operation für die Neurochirurgen altbewährte Praxis.Vor kurzem entdeckten die Chirurgen diese Methode für sich.

Herausforderungen und Chancen bringen näher
Ähnliche Herausforderungen, wie etwa die Reduktion von Arbeitszeiten, aber auch die Chancen, die die Technik künftig bringen wird, schweiße die Bereiche nun zusammen: Es lernen Chirurgen von Chirurgen. Genau hier soll der 60. Österreichischen Chirurgiekongress, der Ende Juni stattfindet, ansetzen. Mit dem Direktor der Innsbrucker Neurochirurgie, Claudius Thomé, wird erstmals ein Neurochirurge als Kongresspräsident fungieren.

Neue Ideen
„Kürzlich bin ich als Neurochirurg bei einem Chirurgenkongress in einem Vortrag über Roboterchirurgie gesessen. Eine Methode, die bei uns quasi kein Thema ist. Aber schon während des Vortrags kamen mir Ideen, wo wir das schon überall einsetzen könnten“, erklärt Claudius Thomé. Heutzutage könne man zwar noch nicht von Roboter-Eingriffen sprechen – all zu fern in der Zukunft liege das aber nicht.

Zukunftsmusik
In zehn bis 20 Jahren könnten einzelne Schritte in Operationen von Robotern übernommen werden, sagt Thomé. In 50 Jahren vielleicht ganze Operationen. Komplett ohne den Menschen gehe es aber nicht, ist sich der Neurochirurge sicher: „Die menschliche Kontrollfunktion ist unbedingt nötig, um schnell Entscheidungen zu treffen.“ Für die Ausbildung werden Simulatoren aber schon in fünf bis zehn Jahren einen noch größeren Stellenwert haben, wie Dietmar Öfner-Velano, Direktor der Innsbrucker Uni-Klinik für Visceral-, Transplantations-und Thoraxchirurgie erklärt: „Dort kann geübt werden, bevor die Technik am Patienten durchgeführt wird. Der Lernprozess geht schneller vonstatten, das hilft auch Arbeitszeiten zu reduzieren.“

Forderung 
Thomé und Öfner-Velano haben auch eine Forderung in Sachen Ausbildung - und zwar nach einer Spezialausbildung für chirurgische Intensivstationen. Eine Möglichkeit dafür fehle im Rahmen der neuen Ausbildungsordnung. Solche chirurgischen Intensivstationen gebe es derzeit neben Innsbruck auch in Wien und Graz. Sie werden von Chirurgen in Zusatzausbildung in Kooperation mit Anästhesisten geführt. 

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter
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