15.05.2019 11:55 |

Katias Kolumne

Wer ist schuld, wenn Schule zur Kampfzone wird?

Schüler, die ihre Lehrer anschreien, beschimpfen und mobben, Lehrer, die Schüler bespucken oder bedrohen - nach und nach werden schier unfassbare Fälle aus Österreichs Klassenzimmern publik. Der Fall der HTL Ottakring scheint nicht der einzige gewesen zu sein. Woher kommt die plötzliche Brutalität in unseren Schulen?

Ebenso verstörend waren die zuletzt öffentlich gewordenen Bilder aus der HTL Donaustadt: ein Lehrer steht mit dem Rücken zum Klassenzimmer, während ein Schüler ihn mit einem Mistkübel anvisiert, um diesen dann mit voller Wucht auf ihn zu werfen. Eine unfassbare Entgleisung.

Erstaunlich war so manche erste, schnelle Reaktion der Verantwortungsträger. So erklärte der Schuldirektor: „Es ist meistens so, dass das typischerweise in den ersten Klassen passiert, wo sich erst die Klassengemeinschaft finden muss. Und Sie wissen eh: die Rangordnung, das Gefüge, die Teamfähigkeit“. Eine Runde Mitgefühl, bitte!

Erziehung ist eine Bringschuld der Eltern
Bei allem Verständnis für die zarten Gefühle pubertierender Schüler: nein, kein Gemeinschaftsgefühl bildet sich durch wahllose Aggressionen. Sagen wir es, so wie es ist: jene gewalttätigen Schüler haben sich schlichtweg nicht im Griff und es scheint in ihrer Erziehung gravierend etwas falsch gelaufen zu sein. Die Verantwortung an mangelndem Respekt bei unseren Jugendlichen tragen aber nicht die Lehrer, nicht die Mitschüler und vielleicht sogar nicht einmal der Schüler selbst, sondern vor allem die erziehungsfaulen Eltern.

Insbesondere höherbildende Schulen sind nämlich keine Besserungsanstalten für verhaltenskreative Halbwüchsige, die im Klassenzimmer ihren Grenzen ausloten wollen, sondern dienen der Wissensvermittlung. Das nötige Rüstzeug für ein respektvolles Miteinander muss von zu Hause mitgegeben werden. Und das scheint heutzutage offenbar nicht mehr selbstverständlich zu sein.

„Auszeit-Gruppen“ & Co.: ein Schlagwort ist noch keine Maßnahme
Die von der Politik unmittelbar nach den Vorfällen aus dem Talon gezogenen Lösungen erwecken den Eindruck von eleganten Worthülsen. So klangvoll „Auszeit-Gruppen“ oder „Cool Down-Phasen“ auch klingen mögen - bei gewaltbereiten Pubertierenden helfen keine chicen Überschriften und keine Wohlfühlmaßnahmen. Vielmehr braucht es bei allem gebotenen Verständnis für Problemschüler auch ernstzunehmende Sanktionen bei Aggression und Gewalt.

Für’s notorische Schuleschwänzen drohen Eltern oder den Erziehungsberechtigten satte Geldstrafen. Vielleicht wäre das auch eine Idee zur Erziehung verhaltensauffälliger Aggressivlinge? Das wäre doch zumindest eine Diskussion wert.

Katia Wagner

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