Mi, 22. Mai 2019
14.05.2019 11:16

3500 Tiere

Nicht für die Katz: Tirols erstes Tieraltersheim

Seit 20 Jahren dreht sich in Manuela Prantls Leben alles um die Katz. Angefangen mit einer privaten Station, führt sie heute Tirols erstes Tieraltersheim. 3500 Katzen betreute sie seither.

„Wo sollen sie denn sonst hin? Die ‘Schiachen’, die Alten, die Kranken?“, fragt Manuela schulterzuckend. Der blinde Kater „Micky“ etwa, der dank Manuelas Fürsorge auch ohne Augen gut durchs Leben kommt. Oder „Mäx“, ein Kater, der von seinem Halter mit fragwürdigen Methoden erzogen wurde. „Der wollte mich quasi umbringen, als ich ihn bekommen habe“, schmunzelt Manuela. Zwei Monate später kommt er ihr nun schnurrend entgegen. „Das ist auch der Grund und die Motivation für all das“, erklärt die Oberländerin – und damit zum Anfang: Vor 20 Jahren nahm Manuela Prantl die erste kranke Katze bei sich auf. Schnell entwickelte sich eine Eigendynamik – „die Menschen haben angefangen, mir alte oder verletzte Tiere zu bringen.“

Manuela pflegt sie, einige kann sie vermitteln, andere dürfen in ihrem Haus im Pitztal ihren Lebensabend verbringen. 3500 Katzen waren es bis dato. Jahrelang betreut sie die private Katzenstation – finanziert zu sehr großen Teilen aus der eigenen Tasche. Unterstützt wird sie vom Tierschutzverein für Tirol und privaten Tierfreunden. Der Begriff „Cat Lady“ bekommt bei ihr eine ganz neue Dimension. „Zu Hochzeiten hatte ich 79 Katzen im Haus“, erzählt Prantl. Die Wildkatzen im Stall nicht mitgezählt. Viele Tiere sind schon sehr alt, wenn sie ins Pitztal umziehen, etwa, weil ihre Halter sterben oder ins Altersheim kommen. Das Privathaus in Wenns ist Tirols erstes Katzenaltersheim.

Auch Hunde, Esel und Pferde zogen ins Pitztal
Vor drei Monaten gründete die engagierte Tierfreundin schließlich einen eigenen Verein und darf sich nun offiziell Tierheim nennen. Zur Folge hatte das, dass neben all den Katzen auch Hunde, Esel, Tauben und Pferde ins Pitztal zogen. Dafür hat Manuela ein eigenes Feld gepachtet, auf dem die Tiere ihren Lebensabend verbringen dürfen. Mittlerweile hat sie eine Teilzeit- und zwei geringfügige Kräfte, die mit anpacken, „alleine wäre es inzwischen wirklich nicht mehr zu schaffen“, sagt sie. Denn – und das kann man in Anbetracht der Vielzahl der Tiere und der damit verbundenen Arbeit eigentlich gar nicht glauben – Manuela geht auch noch einer anderen Arbeit nach, leitet in Teilzeit den Sozial-und Gesundheitssprengel Pitztal.

„Von den Tieren bekommt man so viel zurück“
„Manchmal denk ich mir schon selber, ich habe einen Vogel“, lacht die Oberländerin. „Andere fahren in den Urlaub oder gehen im Sommer schwimmen. Ich steck’ mein Geld und meine Freizeit eben in die Tiere.“ Das Privathaus wurde katzengerecht umgebaut, kleine Gänge führen von den Katzenzimmern in ein großzügiges Freiluftgehege. Dreimal täglich werden die Böden im Haus gewischt. Kommt man zur Tür rein, riecht man nicht ein einziges Tier. Alles ist sauber und ordentlich. Auf die Frage, ob ihr Tag denn mehr als 24 Stunden hat, lacht die Powerfrau. „Es ist alles eine Frage der Organisation“, sagt sie. Wenn sie lange ausschlafe, bleibe sie ganz frech bis 5.30 Uhr liegen, ansonsten geht die Raubtierfütterung um 5 Uhr Morgens los.

Dass Manuela die Tiere liebt, sieht man jede Sekunde, die man mit ihr verbringt - dass diese Liebe auf Gegenseitigkeit beruht, aber auch. Die Katzen schnurren, schmeicheln, kommen angelaufen, wenn sie gerufen werden. Aber auch Pferde und Esel zeigen weder Scheu noch Berührungsangst. „Von Tieren bekommt man so viel zurück“, sagt Manuela, während sie eine Katze hinter den Ohren krault. Bei diesem Anblick möchte man auch gerne Katze sein - und in der wunderbaren „Tierhoamat“ im Pitztal wohnen. Wer Manuela unterstützen will, kann etwa Tierpatenschaften übernehmen.

Anna Haselwanter, Kronen Zeitung

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