Fr, 19. April 2019
14.04.2019 12:42

Kardinal in Sorge

Schönborn: Kritik an Asylpolitik der Regierung

Kardinal Christoph Schönborn ist am Sonntag in der ORF-„Pressestunde“ mit der Asylpolitik der Regierung hart ins Gericht gegangen. „Eine kleine Gruppe von Menschen wird offensichtlich systematisch in ein schiefes Licht gerückt und unter Generalverdacht gestellt“, kritisierte der Wiener Erzbischof. Das sei keine Generalkritik an der Regierung, diese mache vieles gut, aber in der Asylpolitik gebe es viele „unnotwendige Signale“. So sei etwa die Anbringung des Schildes „Ausreisezentrum“ am Tor der Erstaufnahmestelle Traiskirchen „einfach unmenschlich“.

„Da ist schon Gesprächsbedarf, wenn eine kleine Gruppe von Menschen offensichtlich systematisch in ein schiefes Licht gerückt wird. Das tut weh, weil es um elementare Menschenrechte geht“, so Schönborn, der selber als Flüchtling am Arm seiner Mutter, die heute ihren 99. Geburtstag feiert, gekommen sei.

Er bestreite nicht, dass es unter den Flüchtlingen auch welche gebe, die man möglichst schnell wieder nach Hause schicken solle, aber die meisten von ihnen seien vor Krieg und Tod geflüchtet und traumatisiert, redete der Kardinal der Regierung ins Gewissen. Am Sonntag hatte das Innenministerium bekannt gegeben, dass die Zahl der Asylanträge erneut rückläufig ist. Besorgt zeigte sich der Kardinal auch über die „populistischen Tendenzen in ganz Europa, denen wir uns entgegenstellen müssen“.

Debatte um Karfreitag „unglücklich gelaufen“
Unglücklich ist nach Meinung Schönborns die Karfreitags-Debatte gelaufen. Am besten wäre ein zusätzlicher Feiertag für alle gewesen. Die Lösung mit dem persönlichen Feiertag „ist ein bisschen hatschert, aber es ist eine Lösung“. Zum diskutierten Austausch von Feiertagen zwischen Katholiken und Evangelischen verwies Schönborn auf die Sozialpartner, die das hätten verhandeln müssen. Das müsse gesellschaftlich ausdiskutiert werden, „ich persönlich hätte nichts dagegen“.

Missbrauchsskandal: Kirche in „Kulturwandel“
Mit Blick auf den Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche unterstrich der Kardinal, dass sich die Kirche in einem „Kulturwandel“ befinde. Früher seien Autoritäten - auch jene des Priesters - nicht hinterfragt worden. Darin liege seines Erachtens ein Hauptgrund für die Häufung der Übergriffe in den 1950er- und 1970er-Jahren. Eine weitere Ursache seien die „geschlossenen Systeme“ wie etwa Heime und Internate, durch die Missbrauch begünstigt werde.

Kirchensanktionen teilweise strenger als weltliche
„Es wird leider immer Missbrauch geben, weil Gewalt, Macht und Sexualität sehr schwer zu beherrschende Kräfte sind“, aber in einer offenen Gesellschaft und einem offenen System sei das schwieriger, so Schönborn, der im März seine Krebserkrankung öffentlich machte. Er versicherte, dass es für Täter kirchenintern Konsequenzen gebe. Weltweit seien über 300 Priester ihres Amtes enthoben worden. Zahlen für Österreich konnte er nicht nennen. Die Kirchensanktionen seien aber zum Teil strenger als die weltlichen.

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