So, 21. April 2019
08.04.2019 14:04

Politiker zu Facebook:

„Moralisch bankrotte pathologische Lügner!“

Ein Interview mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg im australischen Fernsehen hat drei Wochen nach dem - live ins Internet übertragenen - rechtsextremen Terrorangriff auf Moscheen mit 50 Toten in Neuseeland für Empörung gesorgt. Zuckerbergs Ankündigung, trotz des Terrorakts nichts am Live-Streaming-Feature ändern zu wollen, brachte Neuseelands Datenschutzbeauftragten John Edwards dermaßen in Rage, dass dieser via Twitter zur Abrechnung mit Facebook ausholte.

„Facebook kann doch keiner trauen“, wetterte Edwards via Twitter. „Sie sind moralisch bankrotte pathologische Lügner, die Genozid (Myanmar) und das ausländische Unterminieren demokratischer Institutionen möglich machen. Sie erlauben Live-Streams von Selbstmorden, Vergewaltigungen und Morden, hosten und verbreiten immer noch das Video vom Angriff auf die Moscheen, erlauben Werbekunden, sich an ‚Judenhasser‘ und andere hasserfüllte Zielgruppen zu wenden und weisen jegliche Verantwortung für jegliche Inhalte oder Schäden von sich.“

„They #dontgiveazuck!“
Edwards über Facebooks Beteuerungen, man würde künftig mehr gegen Hassrede, Live-Streaming von Gewalttaten oder auch politische Propaganda unternehmen: „They #dontgiveazuck!“ Wenig später löschte der Politiker seine Tweets wieder, laut eigenen Angaben, weil sie „giftigen und fehlinformierten Verkehr“ produziert hätten. Doch sein Rundumschlag gegen das weltgrößte soziale Netzwerk hatte bereits Schlagzeilen - etwa im britischen „Guardian“ - und eine öffentliche Debatte über das Thema ausgelöst.

Zuckerberg: Schlechter User, keine schlechte Technologie
Kurz zuvor hatte Facebook-Boss Zuckerberg im australischen Fernsehen über Facebooks Live-Streaming-Feature gesprochen, mit dem der Attentäter in Christchurch seine Bluttat ins Netz übertragen hat. Weil Nutzer Kopien des Streams gemacht und diese über andere Kanäle weiterverbreitet hatten, wird das Video des Massenmordes wohl nie wieder aus dem Internet verschwinden. Zuckerberg sieht dennoch keinen Anlass, am Live-Streaming etwas zu ändern. Das Terrorvideo sei Folge eines „schlechten Akteurs“, nicht einer schlechten Technologie.

Regierung Ardern geht auf Distanz zu Facebook
Edwards hält entgegen: „Es ist eine Technologie, die in der Lage ist, großen Schaden anzurichten.“ Tatsächlich blickt man in der neuseeländischen Regierung seit dem Terrorakt mit wachsender Skepsis auf Facebook. Premierministerin Jacinda Ardern, noch vor einigen Wochen selbst rege Nutzerin der Live-Streaming-Funktion von Facebook, die unter anderem Pressekonferenzen und kurze politische Botschaften auf diesem Weg verbreitete, hat Facebooks Live-Streaming-Funktion seit dem Anschlag nicht mehr angerührt. Sie hat angekündigt, sich nach alternativen Plattformen umzusehen.

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