07.04.2019 07:00 |

Open-Air in Graz

Plácido Domingo: Ewige Passion für die Musik

Im Alter von 78 Jahren feierte der spanische Star-Tenor Plácido Domingo unlängst seine 4000. Karriereperformance in der Wiener Staatsoper. Im Juni kommt er für ein exklusives Open-Air-Konzert auf das Grazer Messegelände. Im Interview sprach der Spanier mit uns über seine ungebrochene Leidenschaft zur Musik, wie wichtig seine Familie ist und weshalb er Österreich besonders schätzt.

Kein Aprilscherz! Als der legendäre Startenor und Dirigent Plácido Domingo ausgerechnet am 1. April in der Wiener Staatsoper als „Simon Boccanegra“ begeisterte, war das die gezählt 4000. Performance seiner beeindruckenden Karriere. „Das ist wirklich ein seltsamer Zufall“, lacht der große Zampano im Interview mit der „Krone“, „denn mein 2000. Auftritt war damals auch schon in Wien.“ Mit Österreich im Allgemeinen und Wien im Speziellen verbindet Domingo eine ganz besonders dichte Bande. In seinen 52 Karrierejahren hat der 78-Jährige die Wiener Staatsoper an mehr als 250 Abenden beehrt. Neben der Metropolitan Opera in New York und dem Teatro alla Scala in Mailand ist die Staatsoper für Domingo das wichtigste Opernhaus der Welt. Dementsprechend intensiv und voll gegenseitigen Respekt fällt auch die Beziehung zueinander aus.

Exklusiv in Graz
„Das Publikum in Österreich ist unglaublich loyal und gibt mir wahnsinnig viel Liebe weiter. Öfter als in der Wiener Staatsoper war ich in meinem ganzen Leben maximal in New York. Das Schöne an dem Ganzen ist ja, dass heute verschiedene Generationen zu meinen Auftritten kommen. Ich sehe Leute, die waren in meinem Alter und schon ganz am Anfang da - heute sind sie vielfach verheiratet und haben selber Kinder oder sogar Enkelkinder, die sie zu meinen Konzerten mitnehmen.“ Eine gute Gelegenheit für ein Stelldichein aller Generationen wäre der 12. Juni. An diesem Tag konzertiert Senor Domingo nämlich zum allerersten Mal in der Steiermark, um ein exklusives Open-Air-Konzert am Grazer Messegelände zu geben. Mit an Bord hat er die Sopranistin Ana Maria Martinez, Dirigent Eugene Kohn und eine ganze Wagenladung an legendären Klassikern.

„Ein Publikum, das mich vielleicht zum allerersten Mal sieht, hat natürlich das Recht, sich sehr viel zu erwarten“, schmunzelt Domingo, „nach so vielen Karrierejahren ist es immer noch spannend und vor allem wunderschön wo aufzutreten, wo man noch nie zuvor war.“ Bei einem sommerlichen Open-Air-Konzert wird der Spanier natürlich ein dementsprechend abwechslungsreiches und buntes Programm aus seiner Vita exerzieren. „Zu solchen Events kommen Menschen, die entweder die Oper lieben, die Klassik lieben oder vielleicht auch völlig unbedarft an mich herangehen. Im ersten Showteil werde ich ein typisches Opern-Repertoire bieten, im zweiten gibt es unter anderem Platz für die spanische Zarzuela. Das ist jene Musik, die meine Eltern gesungen haben und die mich überhaupt erst zu dem machten, was ich heute bin. Dazwischen kommen Klassiker und ein paar Musicalnummern. Am Wichtigsten ist, dass sich jeder wohlfühlt und am Ende des Konzerts alle mit mir mitsingen.“

Große Leidenschaft
Domingo war neben Luciano Pavarotti und Jose Carreras nicht nur einer der drei großen Tenöre, sondern auch federführend dafür, dass er die oft zu Unrecht als sperrig und verstaubt angesehene Klassik einem jüngeren Publikum näherbrachte. Zeit seines Lebens liebte Domingo die Musik nicht nur, er lebte und personifizierte sie aus allen Poren. „Meine Passion ist heute größer als je zuvor. Was soll ich dazu sagen? Vögel müssen eben singen, um glücklich zu sein“, lacht er in seiner unwiderstehlich charmanten Art. „Ich gewinne immer noch jeden Tag an Erfahrung dazu. Die einzige Frage, die sich immer stellt, ist, wie lange ich noch singen kann? Für die nächsten zwei, drei Jahre sind die Programme einmal vorbereitet. Ich hoffe, es geht mir noch lange so gut, aber das weiß man nie. Viele jüngere Sänger mussten schon aufhören, weil die Stimme nicht mehr hielt. Wenn es so kommen sollte, dann werde ich es akzeptieren.“

Domingo reüssierte nicht nur als begnadeter Operntenor, sondern auch als Dirigent. Geschickt vermochte er immer wieder beide Pole so zu planen, dass sie sich niemals in die Quere kamen oder den Karriere- bzw. Kreativitätsfluss störten. „Von ,La Traviata‘ über ,Don Carlos‘ bis hin zu ,Nabucco‘ habe ich schon alles Mögliche gemacht. Das Wichtigste ist aber, dass bei meinen Auftritten eine besondere Form von Intimität herrscht. Viele Klassikkonzerte wirken oft losgelöst vom Publikum - bei mir sollen immer alle das Gefühl haben, dass sie eng zusammengerückt sind.“ Wichtiger als die Musik ist Domingo nur die Familie. Für die hat er auch schon auf einige Karrierehighlights verzichtet. „Ich bin ihnen einfach nur dankbar. Sie haben mir diese Art von doppeltem Leben erst ermöglicht. Meine Frau hat mich immer unterstützt und wir haben auch oft zusammen gesungen. Die Kinder und Enkelkinder werden mein musikalisches Vermächtnis in gewisser Weise weitertragen.“ Bei all dieser Leidenschaft und Hingabe kann man sich doch hoffentlich auch die 6000. Performance in Wien erwarten? „Das ist etwas weit vorgegriffen“, lacht er, „da steckt wohl mehr Hoffnung als Realismus dahinter, aber warum auch nicht?“

Plácido Domingo spielt am 12. Juni ein exklusives Open-Air-Konzert am Grazer Messegelände. Weitere Infos und Karten erhalten Sie unter www.oeticket.com. Ermäßigungen unter www.kronebonuscard.at

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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