30.03.2019 13:00 |

Viele Orte leiden

Bittere Pille: Kampf um ärztliche Hausapotheke

Leben Sie auch in einer Einarztgemeinde – also einem Ort, in dem nur ein Allgemeinmediziner angesiedelt ist? In Tirol gibt es Dutzende solche Orte. Dort Kassenstellen nachzubesetzen, wird immer schwieriger. Ein Anreiz wären Hausapotheken. Im Außerfern kämpft eine Ärztin darum. Das Gesetz legt ihr aber teils unverständliche Hürden in den Weg. Eine Initiative fordert gesetzliche Änderungen.

Ein Beispiel für eine klassische Einarztgemeinde ist der 1100-Seelenort Lermoos. Dr. Iris Steiner bewarb sich 2013 auf die kassenärztliche Planstelle, nachdem sich ihr Vorgänger in den Ruhestand verabschiedet hatte. Die Hausapotheke, die dieser auf Basis einer Übergangsregelung noch führen konnte, durfte die Allgemeinmedizinerin allerdings nicht übernehmen. Grund ist eine Kilometerregelung, die im Gesetz verankert ist.

Sechs und vier Kilometer
Was genau steckt hinter dieser Regelung? Diese sieht vor, dass einem Arzt eine Hausapotheke nur dann bewilligt wird, wenn es in der betroffenen Gemeinde keine öffentliche Apotheke gibt und die Ordination mehr als sechs Straßenkilometer von der nächstgelegenen Apotheke entfernt ist. Eine Ausnahme gibt es seit einer Gesetzesänderung 2016 bei Praxisnachfolgern von Medizinern, die über eine Hausapotheke verfügten – in so einem Fall liegt die Grenze bei nur vier Kilometern.

Das würde bei Dr. Steiner zutreffen – „bis zur nächsten Apotheke in Ehrwald sind es etwa 4,6 Kilometer“, schildert die Ärztin. Hausapotheke darf sie aber trotzdem keine führen. Warum? Weil es rückwirkend auf die gesetzliche Änderungen einen Stichtag gibt – den 31. April 2015. Das heißt: Wer seither die Kriterien erfüllt, bekommt eine Hausapotheke in der Regel bewilligt. Und jene Ärzte, die vor diesem Datum eine Praxis übernommen haben, schauen sprichwörtlich durch die Finger.

Unverständnis war groß
„Die Patienten in Lermoos waren es gewohnt, dass der Arzt eine Hausapotheke hat. Dementsprechend groß war das Unverständnis, als es nach meiner Übernahme plötzlich keine mehr gab und Betroffene für ihre Medikamente nach Ehrwald fahren mussten. Vor allem ältere Patienten standen auf einmal vor großen Herausforderungen. Dazu kommt noch der Umweltaspekt“, so Steiner.

Ein Drittel mehr Verdienst
Die Lermooser Ärztin hat das Glück, dass sie auch ohne eigene Apotheke überleben kann – vor allem wegen der Touristen. Andernorts ist die Lage prekärer. „Mit einer Hausapotheke lässt sich um ein Drittel mehr verdienen“, rechnet Steiner vor. Kein Wunder also, dass die Nachbesetzung oft schwierig ist.

Das sieht auch die Initiative „Einarztgemeinde“ so, die Hausapotheken für alle betroffenen Orte fordert. „Ohne eine solche sind kleine Ordinationen nicht rentabel und unter Umständen nicht nachbesetzbar.“ In ganz Österreich werden Unterschriften gesammelt. In Lermoos sind es schon fast 1000. Auch in Rietz wird um eine Hausapotheke für den Gemeindearzt gekämpft. Mit der Aktion soll die Politik zum Handeln gezwungen werden.

Hubert Rauth
Hubert Rauth
Claudia Thurner
Claudia Thurner
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