WM-Mitfavorit

Vom Doktor Valtteri zum Mister Bottas

Formel 1
30.03.2019 07:33
Porträt von krone.at
Von krone.at

Valtteri Bottas ist nach seiner Melbourne-Gala in den Kreis der WM-Favoriten aufgestiegen. Vor dem Rennen in Bahrain erzählt der Mercedes-Pilot von der „erfolgreichen Wandlung“.

Vor dem Saisonauftakt in Australien war der Kreis der WM-Favoriten ein dreiblättriges Kleeblatt - Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Max Verstappen. Wie aus dem Nichts gesellte sich in Melbourne nun aber auch Valtteri Bottas („Das war das beste Rennen meines Lebens“) hinzu. „Ich habe Valtteri noch nie so stark nach der Winterpause gesehen“, attestierte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. „Unser Rückstand auf Bottas war viel zu groß“, ärgerte sich bereits Red Bulls Sportchef Helmut Marko.

„Begann zu zweifeln“
 Aber wie war diese Wandlung vom braven Hamilton-Adjutanten zum Silberpfeil-Kommandanten möglich? „2018 war für mich eine riesige Enttäuschung, ich begann schon leicht an mir zu zweifeln, weil ich in meinen sechs Jahren Formel 1 die Ziele nicht erreicht habe“, erklärte der 29-jährige Finne aus Nastola. „In der Winterpause wurde mir klar, dass ich definitiv nur diese eine Karriere habe und ich mich nie wieder in so einer Situation wie Ende des letzten Jahres wiederfinden will.“

„Will WM gewinnen!“
 Gleich wie in der Novelle „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“ brachte in Australien der stille Valtteri den bis heuer anscheinend isolierten Gegner-vernichtenden Teil seiner Persönlichkeit zum Vorschein. „Ich will nicht nur ein Rennen, ich will die WM gewinnen. Für mich und mein Team“, sagte Bottas mit sicherer Stimme vor dem heutigen Qualifying in der Wüste von Bahrain.

Rauf auf 6962 Meter
 Die Kraft dafür holte sich Bottas mit einem Start bei der Arctic-Rallye in Lappland, einigen Eishockey-Benefizspielen und auf einer mehrwöchigen Südamerika-Reise mit seiner Herzdame Emilia. Über Santiago de Chile, Valpareiso ging es nach Argentinien in die Mendoza-Region, wo man auch vom weltberühmten Malbec-Wein kostete, und zum mit 6962 m höchsten Berg Südamerikas, dem Aconcagua.

„Das hat mich im mentalen Bereich befreit“, erzählte Bottas, „aber ich wusste freilich auch, dass, wenn ich Lewis und die anderen Jungs wirklich attackieren will, ich auch an meiner gesamten Herangehensweise für ein Rennwochenende etwas ändern muss. Es gibt auf jeder Strecke Passagen, in denen man sich besser verhalten kann. Ich habe alles im Kopf durchgedacht, keinen Stein auf dem anderen gelassen. Weil ich will nicht am Saisonende hier sitzen und mir eingestehen müssen, dass ich nicht alles unternommen hätte.“

Zumindest derzeit wird man bei Mercedes an ein finnisches Sprichwort denken: Willst du was gewinnen, engagiere einen Finnen!

Richard Köck, Kronen Zeitung

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