22.03.2019 06:00 |

Experte gibt Antworten

Mit Malaria infiziert: Wie sicher ist unser Blut?

Die Frage, ob sich eine 86-jährige Kärntnerin durch eine Bluttransfusion mit einem Malaria-Erreger angesteckt hat, der zum Tod der Frau führte, versetzt das Land in Aufregung. „Krone“-Arzt Dr. Wolfgang Exel hat analysiert, wie sicher gespendetes Blut in Österreich ist.

Entscheidend für das Risiko, durch eine Blutspende zu erkranken - oder im Fall der Patientin aus Kärnten sogar zu versterben -, ist die Wahrheit. Wobei es kaum um Lügen geht: Freiwillige Spender wollen ja etwas Gutes tun. Allerdings wird mitunter auf wichtige Angaben vergessen. Wesentliche Voraussetzung für die Spendetauglichkeit ist der umfangreiche Fragebogen. Blutspender müssen eine ganze Reihe von Fragen beantworten. Darunter auch, ob sie in den vergangenen sechs Monaten im Ausland waren. Die Hersteller von Blutkonserven haben gar keine andere Wahl, als sich auf die Aussagen zu verlassen.

Zwar wird sehr viel getestet, aber nicht alles, wie Dr. Christof Jungbauer von der Blutspendezentrale des Roten Kreuzes für Wien, Niederösterreich und das Burgenland bestätigt: „Es gibt Dutzende von Tropenkrankheiten, die bei uns nicht regulär vorkommen und im Spenderblut deshalb auch nicht überprüft werden.“

Lebenslange Sperre für erkrankte Spender
Wie ist die Situation speziell bei Malaria? Dr. Jungbauer: „Personen, die an Malaria erkrankt, in einem Malariagebiet geboren oder aufgewachsen sind oder sich dort mehr als sechs Monate lang ständig aufgehalten haben, dürfen lebenslang nicht Blut spenden. Durch die Maßnahmen liegt das Restrisiko einer Malariaübertragung durch Blut in Österreich bei eins auf viele Millionen Transfusionen.“

Blut ist ein Notfallmedikament. Aber wie bei allen Arzneimitteln können Nebenwirkungen und Risiken auftreten. Dennoch sind die Blutkonserven sehr sicher. Wie streng die Auflagen für Spender sind, konnte ich selbst erfahren: Meine Blutspende wurde abgelehnt, weil ich zu alt dafür war. Ein Über-60-Jähriger kommt nur dann infrage, wenn die letzte Blutspende nicht mehr als zehn Jahre zurückliegt. Ich bin leider nachlässig gewesen. Mein Fehler!

Grundsätzlich soll natürlich nichts Menschen davon abhalten, mit ihrem Blut anderen zu helfen, oft sogar Leben zu retten! Aber es müssen eben alle Regeln beachtet werden, um das Risiko so gering wie möglich zu halten.

Ausschlussgründe: Piercings und Co.
Vielen von uns ist vermutlich gar nicht bewusst, worauf zu achten ist. Dass zu jeder Blutspende ein amtlicher Lichtbildausweis mitzubringen ist, versteht sich wohl. Wussten Sie aber auch, dass eine von Nichtärzten durchgeführte Akupunktur (in Österreich ohnedies offiziell verboten) bedeutet, vier Monate nach der letzten Behandlung nicht spenden zu dürfen?

Ausschlussgründe sind zudem etwa Piercings, die außerhalb medizinischer Einrichtungen erfolgten: vier Monate aussetzen. Selbiges gilt für Tätowierungen. Bei Suchtgiftmissbrauch ist man selbstverständlich lebenslänglich suspendiert. Andere eventuell wenig bekannte Auflagen: Frauen sind während der Stillperiode ausgeschlossen. Nach Ende der Schwangerschaft darf man sechs Monate lang nicht spenden. Wer Antibiotika schlucken musste, hat nach Ende der Therapie vier Wochen Pause.

Blutspenden in Österreich

  • 1920 wurde in Österreich die erste Bluttransfusion angelegt. Seitdem werden jährlich rund 500.000 Blutkonserven gebraucht. Das Blut kommt - bis auf wenige Ausnahmen - ausschließlich aus dem Inland, meist sogar aus dem eigenen Bundesland.
  • 315.000 Blutspender werden jährlich zu Lebensrettern nach Unfällen oder bei Operationen. Gespendet werden kann das Blut beim Roten Kreuz alle acht Wochen. Seit 1975 geht das in Blutspendebussen, die regelmäßig in den Bundesländern Station machen. Frauen dürfen vier- bis fünfmal pro Jahr spenden, Männer sechsmal. Auch Blutplättchen oder Plasma können gespendet werden.
  • Fünf bis sieben Liter Blut fließen durch den Körper eines Erwachsenen. Immerhin ein halber Liter Blut wird beim Spenden entnommen. Vorab wird ein Fragebogen ausgefüllt, dann folgt ein Gespräch mit einem Arzt oder einer Krankenschwester, die Körpertemperatur wird gemessen und aus der Fingerkuppe werden einige Bluttropfen entnommen, um die Blutgruppe und die Menge des Blutfarbstoffes Hämoglobin zu bestimmen.
  • Nach der Abnahme sorgen 20 Tests für relative Sicherheit der Blutqualität: Auf HIV, Syphilis, Ringelröteln oder Hepatitis wird das Spenderblut getestet, alle tropischen Krankheiten können aber nicht getestet werden. Das bestimmt das Blutsicherheitsgesetz. Ein Nullrisiko ist kaum erreichbar, denn bei anderen Krankheiten muss sich das Rote Kreuz auf die Ehrlichkeit der Spender verlassen. „Wurde bei Ihnen jemals eine Malaria festgestellt?“ oder „Waren Sie in den letzten sechs Monaten im Ausland?“ - Wer bewusst schummelt, könnte sich strafbar machen!

Weitere Informationen erhält man über das Rote Kreuz: www.blut.at.

Elisabeth Nachbar, Kronen Zeitung

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