Skispringen

Den “Hungerkünstlern” geht’s an den Kragen

Sport
04.06.2004 16:22
Die Skispringer müssen sich im Weltcup künftig einer Gewichtskontrolle unterziehen. Das beschloss die Exekutive des Internationalen Skiverbandes (FIS) in der Nacht zum Freitag auf ihrem Kongress in Miami.
Ab der kommenden Saison müssen sich dieAthleten nach dem Sprung wiegen lassen. Auf dieser Basis wirddann der Body- Mass-Index (BMI) berechnet. Der BMI, der das Verhältniszwischen Gewicht und Körpergröße angibt, darfden Wert 20 nicht unterschreiten. 
 
Mit diesen Maßnahmen will der Skiverband verhindern,dass Skispringer versuchen, durch starke Gewichtsabnahme bessereLeistungen zu erzielen und deshalb sogar an Essstörungenerkranken können. Unterschreitet der Wert die Marke, mussder Springer mit kürzeren Skiern antreten, was sich wegenfehlender Tragkraft negativ auf die Weite auswirken kann. 
 
Deutscher Adler sorgte für Aufregung
In der vergangenen Saison hatte der ehemalige deutscheWeltcup-Springer Frank Löffler für Aufsehen gesorgt,als er das Tabu-Thema Gewichtsabnahme und Magersucht in die Öffentlichkeitrückte. "Ich sollte von 72 Kilogramm auf mindestens 68 Kilogrammrunterhungern. Aber diese Vorgabe konnte ich unmöglich erfüllen.Ich habe ein Schreiben, in dem mir der DSV bestätigt, dassich wegen meines zu hohen Gewichts suspendiert wurde", hatte Löfflerin einem "Spiegel"- Interview erklärt. Zuvor war der Oberstdorferaus der Lehrgangsgruppe des DSV suspendiert worden. 
 
Auch Hannawald gefährdet
Vor vier Jahren war die Diskussion entfacht worden,als Sven Hannawald auf Fotos stark abgemagert zu sehen war. Dasser unter Essstörungen litt, hat der Vierschanzentournee-Siegervon 2002 aber stets bestritten. Im Dezember 2004 hatte der ehemaligeBundestrainer Reinhard Heß jedoch eingeräumt, dassHannawald sich "an der Grenze bewegt" habe und "gefährdet"gewesen sei. 
 
Body-Mass-Index wird angewandt
Grundlage der neuen Regel ist ein BMI von 18,5 (60kg bei einer Größe von 1,80 m), der laut WeltgesundheitsorganisationWHO als leistungsminderndes Untergewicht bezeichnet wird. Da dieSpringer mit Anzug und Schuhen, aber ohne Helm und Ski, auf derWaage stehen werden, erhöht sich dieser Faktor auf 20. LautFIS-Renndirektor Walter Hofer würden nahezu alle Weltcup-Springerdie neuen Vorgaben erfüllen, nur "sieben bis zehn" Athletenkönnten Probleme bekommen.
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