25.02.2010 17:04 |

Dubai-Mord

Eiskalte Lockvögel: Die schönen Mossad-Agentinnen

Ob blond, rothaarig oder brünett: Sechs der Verdächtigen im Fall des in Dubai ermordeten Hamas-Funktionärs sind junge, attraktive Frauen. Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad, der von den örtlichen Behörden für den aufsehenerregenden Mord verantwortlich gemacht wird, ist für den gezielten Einsatz von Frauen bekannt. Als Lockvögel stellen sie den Opfern raffinierte Fallen.

Eine der nun von Interpol gesuchten Tatverdächtigen mit dem Namen Gail Folliard (oben links), die mit einem irischen Pass unterwegs war, soll den Hamas-Funktionär Mahmoud al-Mabhouh am 19. Jänner zum Öffnen seiner Hotelzimmertür bewegt haben. Damit habe die junge Frau mit blonder Perücke dem Mordkommando den Weg gebahnt, das den Hamas-Führer dann vermutlich erst folterte und anschließend mit einem Kissen erstickte.

Bekanntester Lockvogel des Mossad ist allerdings "Cindy", die blonde Spionin, die den Atomtechniker Mordechai Vanunu 1986 zu einer Reise von London nach Rom verführte, wo er israelischen Agenten ins Netz ging. Er hatte zuvor der "Sunday Times" Geheimnisse über das israelische Atomprogramm preisgegeben. Vanunu musste seine Plauderei und seine Schwäche für Blondinen mit 18 Jahren Haft bezahlen, er kam erst 2004 unter strengen Auflagen wieder frei. Die ehemalige Agentin, die mit bürgerlichem Namen Cheryl Ben Tov heißt, lebt heute als Mutter zweier Kinder und Immobilienhändlerin in Florida.

Auch bei der Eichmann-Entführung waren Lockvögel dabei
Auch bei der Entführung des NS-Kriegsverbrechers Adolf Eichmann 1960 in Argentinien half eine Frau - Jehudit Nessyahu alias Dina Ron, eine aus den Niederlanden stammende Jüdin. Sie war Teil des Teams, das den Gefangenen tagelang in einer Villa bewachte, bevor er heimlich nach Israel verschleppt wurde. "Sie sprach mehrere Sprachen fließend, konnte mühelos verschiedene Identitäten annehmen und sich ohne Schwierigkeiten an jede Situation anpassen, in die sie geriet", schwärmte der damalige Mossad-Chef Isser Harel später in seinem Buch "Das Haus in der Garibaldi-Straße".

Viele Details des Dubai-Mordes noch im Dunkeln
Vielleicht wird eines Tages auch ein Buch über die Ermordung des Hamas-Funktionärs in Dubai geschrieben. Derzeit liegt aber noch Vieles im Dunkeln. Ständig gibt es neue Entwicklungen. Am Donnerstag gaben die Behörden bekannt, dass die Zahl der Verdächtigen von elf auf 26 gestiegen ist. Sie waren laut den Daten in den gefälschten Pässen im Alter zwischen 23 bis 30 Jahren. Die älteste von ihnen, Gail Folliard, soll dabei die Rolle der Anführerin übernommen haben. Melanie Heard (28, Frankreich, Bild unten rechts), Anna Shauna Clasby (29, Irland, oben Mitte), Ivy Brinton (28, Irland, oben rechts) und Nicole Sandra Maccabe (27, Australien unten Mitte), sollen laut den Behörden in Dubai bei der Überwachung von Al-Mabhouh und der Vorbereitung seiner Ermordung mitgeholfen haben.

Die jüngste der Tatverdächtigen, Gabriella Barney (unten links), war mit einem gefälschten britischen Pass unterwegs. Ihre Identität soll von einer jungen Frau mit israelisch-britischer Doppelstaatsbürgerschaft gestohlen worden sein, die in einem Kibbuz im Norden Israels wohnt. Der Name von Barneys Vaters war bereits vergangene Woche auf der Liste der internationalen Tatverdächtigen erschienen.

Es wird davon ausgegangen, dass mehr als die Hälfte der 26 Tatverdächtigen zur Tarnung Namen unbescholtener Personen angenommen und damit ihre Identität gestohlen haben. Barney ging am Donnerstag nicht ans Telefon. Ein langjähriges Mitglied des Kibbuz Bet Haemek sagte der israelischen Zeitung "Yediot Ahronot": "Wer Gabriella kennt, weiß, dass sie mit dieser ganzen Geschichte auch nicht das Geringste zu tun hat."

Diplomatische Eiszeit zwischen Australien und Israel
Unterdessen hat Australien den israelischen Botschafter in Canberra einbestellt, nachdem am Donnerstag bekannt geworden war, dass die Mörder auch gefälschte australische Reisepässe verwendet hatten. Die Fälschung australischer Reisedokumente durch einen anderen Staat, vor allem zu Mordzwecken, sei nicht zu tolerieren und müsse vollständig aufgeklärt werden, betonte Premierminister Kevin Rudd am Donnerstag im Rundfunk.

Der australische Außenminister Stephen Smith sagte, er habe den israelischen Botschafter Yuval Rotem um eine Erklärung gebeten. Dabei habe er deutlich gemacht, dass Australien es "nicht als einen freundschaftlichen Akt betrachten" würde, wenn sich herausstellen sollte, dass israelische Verantwortliche den Einsatz australischer Pässe bei dem Mord gefördert oder geduldet hätten.

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