Familie verzweifelt

Keine Betreuung, weil Bub aus Niederösterreich ist

Wo enden die Möglichkeiten für eine niederösterreichische Familie, eine Sommerbetreuung für das eigene Kind zu bekommen, das überdies ganz besondere Obsorge und Unterstützung braucht? Allerspätestens an der Stadtgrenze zu Wien, wie Familie Otzelberger vor wenigen Tagen erfahren musste. Nach vier Jahren Unterbringung bei den Kinderfreunden Wien in der Bundeshauptstadt wird der Familie nun die Betreuung ihres Sohnes im heurigen Sommer verwehrt - die Begründung: Er ist Niederösterreicher.

Yannick leidet am Angelman-Syndrom, einem Gendefekt auf Chromosom 15, das zu motorischen und vor allem geistigen Beeinträchtigungen führt. Betroffene haben eine stark reduzierte Lautsprachenentwicklung, erlernen also das Sprechen nicht, leiden oftmals unter Epilepsie sowie Schlafstörungen. Sie bleiben zudem auf der geistigen Entwicklung eines Kleinkindes, brauchen ihr Leben lang Pflege und Betreuung. Das aber wohl markanteste Merkmal des Gendefekts ist das häufige Lächeln der Betroffenen.

Keine Unterbringung, weil Yannick nicht in Wien lebt
Es ist wahrlich kein leichtes Los für die Familie, doch sie akzeptiert es - nun allerdings werden der Familie im Bestreben, dem Zehnjährigen einen Betreuungsplatz im Sommer zu verschaffen, nahezu unüberwindbare Hürden in den Weg gestellt, wie Yannicks Mutter, Yvonne Otzelberger, am Samstag im Gespräch mit krone.at erklärt. „Am vergangenen Donnerstag erhielten wir die Information seitens der Kinderfreunde Wien, dass wir Yannick heuer im Sommer nicht mehr bei ihnen unterbringen können, da er nicht in Wien lebt.“ Die Betreuung war stets in der Karl-Schubert-Schule ermöglicht worden, dort geht Yannick unter dem Jahr auch zur Schule.

Doch nun soll Schluss sein mit der Sommerbetreuung. „Dem Verein wurde erklärt, dass ihm bei Zuwiderhandeln die Fördermittel gestrichen werden“, so Otzelberger, die den Kinderfreunden Wien keinerlei Vorwurf macht. „Sie brauchen ja die Fördermittel, sie trifft keine Schuld“, betont die zweifache Mutter und Obfrau des Angelman Verein Österreich.

„Doch auch wenn Plätze frei bleiben, Yannick dürfte dort als Niederösterreicher trotzdem nicht mehr untergebracht werden“, so Otzelberger. Schon in der Vergangenheit sei die Tatsache, dass Yannick aus Niederösterreich stammt, Thema gewesen - „doch es konnte immer eine Ausnahme gemacht werden, bis jetzt“.

„Konnten sicher sein, dass er gut umsorgt ist und sich wohlfühlt“
Eine gute Betreuung zu finden, sei generell schwierig, vor allem für Menschen mit speziellen Bedürfnissen. „Wir haben gespürt, dass sich Yannick dort sehr wohl gefühlt hat, er kennt die Räumlichkeiten, hat dort seine Freunde, war in einer für ihn gewohnten Umgebung und hervorragend aufgehoben. Und auch wir konnten sicher sein, dass er während unserer Zeit in der Arbeit (sowohl Yvonne Otzelberger als auch ihr Mann sind berufstätig und arbeiten in Wien, Anm.) gut umsorgt ist und sich wohlfühlt.“

Und für Yannick - wenn auch schweren Herzens - eine andere Möglichkeit der Unterbringung zu suchen? Leicht gesagt, schwierig getan, und letztlich nicht umsetzbar, denn: „Im flächenmäßig größten Bundesland Österreichs, nämlich Niederösterreich, gibt es absolut kein Angebot von Ferienbetreuung im Juli und August für Kinder mit einer Beeinträchtigung“, so die zweifache Mutter. „Mein Mann und ich schöpfen zudem auch Kraft daraus arbeiten zu gehen, Kraft, die wir für die Betreuung Yannicks und natürlich auch für seine drei Jahre ältere Schwester brauchen“, erklärt Otzelberger. Es sei ein Ausgleich, der den beiden Energie für diese Aufgaben schenke - weshalb auch eine Kündigung des Jobs nicht zur Debatte stünde.

Problem öffentlich gemacht
Was für die Eltern bleibt, ist ein großes Dilemma, weshalb sich die Familie auch dazu entschloss, ihr Problem öffentlich zu machen und ihre bewegende Geschichte, ihre Ängste und ihre Hoffnung auf eine Lösung und Hilfe in einer herzergreifenden Nachricht auf Facebook zu teilen. Dort betreibt die stolze Mutter auch einen Blog, in dem sie überaus persönliche Einblicke in den Alltag mit ihrem Sohn gewährt und von den Höhen, aber auch schonungslos von den Tiefen berichtet, die es mit ihrem schwerbeeinträchtigten Kind zu überwinden gilt.

„Es würden uns schon zwei Wochen reichen“
„Wir sind nach wie vor auf der Suche nach einer Betreuungsmöglichkeit für Yannick, nicht einmal für die ganzen neun Wochen im Sommer, schon zwei würden uns reichen“, erklärt die zweifache Mutter. „Mein Mann und ich arbeiten ohnedies bereits in gegengleichen Schichten, um die Aufgaben zu stemmen, und nehmen auch getrennt Urlaub, um unseren Alltag zu meistern und alles zu schaffen.“

Einige Rückmeldungen hätte die Familie bereits bekommen, etwas Konkretes sei aber noch nicht dabei gewesen. „Auch wäre es für uns nicht zufriedenstellend, wenn es eine Lösung allein für unseren Sohn gäbe. Denn es sind weit mehr Familien von der mangelnden Verfügbarkeit von Betreuungsplätzen betroffen. Auch sie sollten die Hilfe bekommen, die sie benötigen“, betont Otzelberger.

Menschen, die Yannick und seiner Familie Unterstützung und Hilfe bei der Organisation einer Sommerbetreuung bieten könnten, sowie auch Betroffene mit einem ähnlichen Schicksal können sich gerne unter info@angelman.at, aber auch via Facebook mit der Familie in Verbindung setzen.

Christine Steinmetz
Christine Steinmetz

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