„Schmerzpatienten haben ein Recht auf bestmögliche Behandlung. Das gilt auch für Menschen, die ihre Beschwerden nicht ausreichend artikulieren können“, sagt Wilhelm Eisner, Arzt an der Neurochirurgie in Innsbruck und Vorstand der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG). Die macht mit einer Informationskampagne alljährlich auf neue Erkenntnisse und alte Probleme aufmerksam.
Unbehandelte Schmerzen haben schlimme Folgen
So werden etwa jene Gruppen, die sich schlecht artikulieren können, auch schlechter behandelt, heißt es von Seiten der ÖSG. Bei Säuglingen und Kleinkindern könne dies das Schmerzempfinden für den Rest des Lebens negativ beeinflussen. Auch bei Demenzkranken ist das Risiko einer inadäquaten Behandlung höher, wie eine Studie bestätigt. Sie klagen weniger und erhalten somit um ein Drittel weniger Schmerzmittel. Das wiederum führt unter anderem zu Aggressionen, Unruhe, Schlafstörungen oder Ängsten.
Multimodale Angebote notwendig
„Im Zweifelsfall ist ein vorsichtiger Therapieversuch mit Analgetika gerechtfertigt“, erklärt Eisner. „Wie bei allen Schmerzpatienten helfen auch nichtmedikamentöse Maßnahmen, um das Befinden zu verbessern: Von mehr persönlicher Zuwendung bis zu Musiktherapie“, betont der Arzt. Migranten leiden besonders oft unter chronischen Schmerzen. Der existenzielle Stress wie eine schlechte Integration oder ein unsicherer Arbeitsplatz haben verheerende Folgen, wie Studien belegen. „Die fehlende gemeinsame Sprache ist zudem für die Anamnese ein großes Manko“, sagt Eisner. Um besser helfen zu können, bräuchte es mehr interkulturelle Kompetenz und zuschaltbare Dolmetschdienste, so die ÖSG.
Versorgung verbesserungswürdig
Generell sei die Schmerzversorgung verbesserungswürdig. Während in anderen Ländern Zentren für multimodale Schmerztherapie wegen ihrer bewiesenen Wirksamkeit errichtet werden, wurden in Österreich mehr als zehn Schmerzambulanzen geschlossen, meist aus Personalmangel.








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