Überforderung im Job

Postlerin hortete zu Hause 25.188 Briefe: Urteil!

Sie wirkt - erlöst. Obwohl sie vor Gericht sitzt. Als Angeklagte. Aber jetzt kann sie reden, endlich. Erklären, wie das passieren konnte, dass sie - eine Postbeamtin - exakt 25.188 Briefsendungen nicht zugestellt hat. Aber auch nicht weggeschmissen. Und so wird die Anklage gegen sie auch eine gegen den Ex-Arbeitgeber ...

Die fast logische Frage stellt der Richter in St. Pölten recht rasch: „Bitte, wie kann es so weit kommen?“ Denn Staatsanwalt Karl Fischer hat doch einen achtjährigen (!) Tatzeitraum des Missbrauchs der Amtsgewalt angeklagt.

„Ich hab gesagt, ich schaff das nicht mehr“
Die 51-jährige Niederösterreicherin ist voll geständig: „Es ist eskaliert.“ Mit „es“ meint sie die Arbeitssituation: der sich ständig ändernde Rayon des Zustellbezirks, die Doppel- und Dreifachschichten, wenn auch nur ein Kollege ausgefallen ist. Die Vorgesetzte, die ihre Klagen nicht hören wollte: „Ich hab gesagt, ich schaff das nicht mehr. Sie sagte wörtlich: „Es ist mir egal, wann sie nach Hause kommen.“ Irgendwie ist das dann alles über mich drübergewachsen.“ Auch die Schulden, die durch die Instandhaltung des alten elterlichen Bauernhauses angefallen waren.

Nachnahmegebühr ließ Postlerin auffliegen
Und dann stolperte die Frau über 79,32 Euro – eine Nachnahmegebühr, die sie nicht ablieferte. Die Posterhebungsdienststelle schlug Alarm, hielt Nachschau im Dienstauto, fand ältere Briefsendungen. Und den Rest dann bei ihr zu Hause. Wobei – und das ist der Angeklagten wichtig zu betonen: „Das Briefgeheimnis blieb gewahrt. Ich hab keinen einzigen aufgemacht!“

Die Milderungsgründe überwiegen die Tatschwere und so entscheidet sich das Gericht für eine Geldstrafe in Höhe von 2940 Euro.

Gabriela Gödel, Kronen Zeitung

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