Shitstorm gegen Kurz

Auch Kern warnte schon vor „Biertrinkern um 6 Uhr“

Österreich
12.01.2019 19:48

Einen wahren Shitstorm hat der „Langschläfer“-Sager von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in Österreich ausgelöst. Vor allem Menschen aus Wien und die SPÖ bringen ihren Unmut in den sozialen Medien zum Ausdruck. Die Sozialdemokraten haben sogar ein Video mit Menschen aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen veröffentlicht, die erklären, warum die Kanzler-Aussage überhaupt nicht der Realität entspricht (siehe oben). Die rote Empörung scheint aber ein wenig gespielt zu sein, denn bereits Ex-Kanzler Christian Kern und der amtierende Wiener Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky haben in Interviews in der Vergangenheit ähnliche Standpunkte vertreten.

So meinte Czernohorszky im September des Vorjahres im Zusammenhang mit sogenannten Brennpunktschulen gegenüber der „Krone“: „Brennpunktschulen haben mehr Schüler, die die Sprache nicht ordentlich können und daheim keine Unterstützung bekommen, vielleicht sogar die einzigen sind, die in der Früh aufstehen.“

Stadtrat Jürgen Czernohorszky (Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)
Stadtrat Jürgen Czernohorszky

Kern: „Erstes Bier um 6 Uhr“
In eine ähnliche Richtung ging auch eine Aussage Kerns in einem Gespräch mit dem „Profil“ 2016: „Bei unserer Klientel ist teilweise der Eindruck entstanden, dass wir früher für jene da waren, die um sechs Uhr früh arbeiten gehen - und jetzt nur noch für jene da sind, die um sechs Uhr früh ihr erstes Bier öffnen.“ Mit anderen Worten: Der damalige SPÖ-Chef wollte ebenfalls keine Politik nur für jene Bevölkerungsgruppe machen, die nun von Kurz indirekt als „Langschläfer“ bezeichnet werden. Nach beiden Interviews blieb ein großer Aufschrei aus.

Nach ähnlichen Aussagen von Ex-SPÖ-Kanzler Christian Kern blieb ein großer Aufschrei aus. (Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)
Nach ähnlichen Aussagen von Ex-SPÖ-Kanzler Christian Kern blieb ein großer Aufschrei aus.

Ludwig kontert Kritik von Kurz und Strache
Am Samstagabend schaltete sich auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) in die Debatte ein und wies die Angriffe des Bundeskanzlers und des Vizekanzlers Heinz-Christian Strache gegen Wien entschieden zurück. Im Gespräch mit der APA sagte Ludwig, er werde es nicht zulassen, dass die Wiener Bevölkerung so diskreditiert werde. Die Wiener seien fleißig und müssten sich das nicht gefallen lassen.

Im Gegenzug warf Ludwig der Bundesregierung „eine herzlose Politik gegen Kinder, Pensionisten und Behinderte“ vor. Er sehe eine „starke soziale Kälte“, sagte der Bürgermeister in Bezug auf den Begutachtungsentwurf zur Mindestsicherung, von dem Kinder, Pensionisten und Behinderte betroffen seien. Er verwies darauf, dass 60 Prozent der Mindestsicherungsbezieher dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen.

(Bild: APA/Hans Punz)

Wiener Wahlkampf bereits eröffnet?
Auf die Frage, ob der Wahlkampf in Wien damit schon eröffnet sei, meinte Ludwig, dies sei nicht von Wien erfolgt. Man müsse aber reagieren, wenn man so massiv angegriffen werde. Die Angriffe kämen dabei nicht nur von der FPÖ und deren Bundes- und Landesparteichef Strache, sondern auch von der ÖVP. Trotzdem will der Bürgermeister am regulären Wahltermin im Herbst 2020 festhalten. Für eine Vorverlegung sehe er „keinen Grund“.

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