06.01.2019 19:00 |

Aigen im Ennstal

Flugretter: Banges Warten auf ein Wolkenfenster

Behörden, Lawinenkommissionen, Eingeschneite: Alles wartet auf die Flieger, die beim Klären der Schneelage und beim Sprengen der Lawinen helfen sollen. Doch die Hubschrauberpiloten des Heeres warten seit Tagen auf ein Wolkenfenster. Wir haben die verhinderten Helden der Lüfte am Stützpunkt in Aigen besucht.

Grau in Grau liegt das Flugfeld vor dem Hangar. Schwer drücken die Wolken über dem Ennstal herein. Das Schneetreiben lässt sogar die Baumreihen an der Enns verblassen, nur einen Steinwurf entfernt.

Es ist nichts zu machen. „Wir können nur auf Sicht fliegen“, erklärt Hauptmann Florian Urf, Pilot und stellvertretender Kommandant der Mehrzweck-Hubschrauberstaffel. Seit Tagen harrt er mit den Kameraden aus, um bei der ersten Gelegenheit für die Lawinenkommissionen des steirischen Berglandes loszufliegen. Seit Tagen macht ihnen das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Und die Lage spitzt sich immer weiter zu. Zwischendurch liegt der Nebel zehn Meter über dem Boden, dann steigt er wieder. Aber nicht weit genug für die Alouette-III-Hubschrauber des Bundesheeres. „Die kritische Zone mit den großen Triebschneemengen liegt über 2000 Meter“, beschreibt Mark Penker, Flugretter und Lawinensprengbefugter, das Dilemma.

Stunde für Stunde, Tag für Tag vergeht, während die Besatzungen der beiden in Aigen stationierten Hubschrauber auf ein Wolkenfenster warten. Sonntagmittag gibt es kurz Besserung.

Florian Urf und seine Besatzung fliegen sofort mit einigen hundert Kilo Nahrungsmitteln ins Sölktal, um die Eingeschlossenen mit dem Nötigsten zu versorgen. Die zweite Alouette III mit Pilot Uwe Thauses versucht ihr Glück am Grimming. Dort drohen an der Südostseite große Lawinen abzugehen, weshalb seit Samstagfrüh die B 320 zwischen Trautenfels und Espang gesperrt ist. Aber: „Keine Chance“, muss Thauses berichten. „Die Wolkendecke ist nicht über 1500 Meter gestiegen, die Lawinenzone liegt darüber.“ Ähnliches gilt im Gesäuse, im Ausseerland, in Hohentauern, am Präbichl oder in Wildalpen. Überall warten die Eingeschlossenen sehnsüchtig auf die Luftaufklärer.

Die verzeichnen üblicherweise vier, fünf Sprengeinsätze im Jahr, schätzt Urf. Diesmal könnte es locker ein Dutzend werden. Wenn es dann endlich einmal losgeht. Sobald sich die Wolkendecke lichtet, soll der Pilot zuerst mit einer Lawinenkommission zu den kritischen Stellen fliegen, um die Gefahr zu analysieren und die richtigen Punkte für Sprengungen auszumachen.

Dann werden die lokalen Kommissare abgesetzt, und Sprengmeister Penker packt das so genannte Lawinit ein, um es aus einigen Metern Entfernung abzuwerfen. „An den Wurfladungen sind Querhölzer befestigt, damit sie besser im Schnee haften“, erläutert Penker. Nach dem Abwurf löst ein Zeitzünder den Sprengsatz aus. Geht alles gut, donnert die Lawine kontrolliert zu Tal - und die zuvor gefährdete Straße kann wieder freigegeben werden.

Doch das bleibt ein frommer Wunsch, solange die Obersteiermark im Schneetreiben gefangen ist. Die beste Hubschraubermannschaft ist machtlos, wenn der Wettergott kein Einsehen hat.

Matthias Wagner
Matthias Wagner
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