Mo, 21. Jänner 2019

Fünf Teenager tot

05.01.2019 15:15

Wie der Escape Room zur Todesfalle werden konnte

Es sollte eine fröhliche Geburtstagsfeier unter Teenagern sein, sie endete tödlich: Bei einem sogenannten Escape-Game sind in Polen fünf Mädchen ums Leben gekommen. Die Jugendlichen im Alter von 15 Jahren waren in einem Raum eingeschlossen und konnten sich nicht rechtzeitig retten, als in dem Gebäude in Koszalin im Norden des Landes ein Feuer ausbrach. Am Tag nach der schockierenden Tragödie wurden nun erste Details zur möglichen Ursache bekannt. Als Brandquelle kommen den Behörden zufolge Gasheizer infrage. Bei einer ersten Begehung des Unglücksgebäudes habe die Feuerwehr zahlreiche Mängel festgestellt, hieß es am Samstag.

Zu dem Unglück war es am Freitagabend in Koszalin gekommen. Die Küstenstadt liegt rund 160 Kilometer westlich von Danzig. Der Ort in der Woiwodschaft Westpommern hat knapp über 100.000 Einwohner. Alle Opfer seien an einer Vergiftung durch das Rauchgas Kohlenmonoxid gestorben, hieß es. Ein 25 Jahre alter Mann erlitt schwere Verbrennungen. Er wurde am Samstag in eine Spezialklinik verlegt und konnte bisher nicht befragt werden. Nach Medienberichten handelt es sich um einen Mitarbeiter des Fluchtspiel-Anbieters.

Mitarbeiter konnte Tür nicht mehr öffnen
Das Feuer sei im Vorzimmer ausgebrochen, teilte die Staatsanwaltschaft laut der Nachrichtenagentur PAP am Samstag mit. Dort seien vier Gasheizer gefunden worden, die als Brandquelle infrage kommen. Den Teenagern sei damit der einzige Fluchtweg versperrt gewesen. Ein Mitarbeiter habe die Tür zu dem Escape-Raum nicht mehr öffnen können.

„Die Feuerwehrleute mussten spezielle Ausrüstung und viel Körperkraft aufwenden, um ins Innere zu gelangen“, sagte Feuerwehrsprecher Tomasz Kubiak dem Sender TVN24. Die Fenster seien verschlossen und verriegelt gewesen. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte habe das Haus bereits in Flammen gestanden.

Heizgeräte, Kerzen und Elektrik: Feuerwehr stellte zahlreiche Mängel fest
Bei einer ersten Begehung des Unglücksgebäudes habe die Feuerwehr zahlreiche Mängel festgestellt, wie PAP weiter berichtete. „Es war nicht genug Platz für diese Leute in diesem Raum“, sagte der oberste Feuerwehrmann Polens, Leszek Suski. Der Raum sei nur etwa sieben Quadratmeter groß gewesen. Heizgeräte hätten zu nahe an brennbaren Materialien gestanden. Zudem seien Kerzen gefunden worden. Die Elektroinstallation sei provisorisch gewesen.

„Die Opfer dieser Tragödie sind Kinder, 15-jährige Mädchen“, sagte der polnische Innenminister Joachim Brudzinski. Sie hätten gemeinsam den Geburtstag eines der Mädchen gefeiert. Der Bürgermeister von Koszalin, Piotr Jedlinski, erklärte den Sonntag zu einem Trauertag. Der Umzug der Heiligen Drei Könige wurde abgesagt.

Betreiber benötigten bislang keine Genehmigung von Feuerwehr
Unterdessen wurde bekannt, dass die Betreiber von Escape-Räumen in Polen bisher keine besonderen Genehmigungen der Feuerwehr einholen müssen. Innenminister Brudzinski ordnete deshalb sofortige Überprüfungen der Brandschutzmaßnahmen in allen derartigen Objekten an. Die Inspektionen begannen am Samstag. Besonders im Blick stehe dabei die Möglichkeit einer schnellen Evakuierung im Gefahrenfall, hieß es. Die Behörden schätzten die Zahl der Escape-Räume in Polen auf rund 1000 - die meisten davon in Warschau.

Bei einem „Escape Game“ oder Fluchtspiel versucht eine Gruppe, aus einem abgeschlossenen Raum zu entkommen. Sie muss dafür unter Zeitdruck bestimmte Rätsel und Aufgaben lösen. Spiele dieser Art haben sich in den vergangenen Jahren in vielen Ländern zu einem Trend entwickelt. Beliebt ist das Fluchtspiel bei Familienfeiern und Junggesellenabschieden, auch in Österreich gibt es immer mehr Angebote.

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