Mi, 16. Jänner 2019

Gasometer ausverkauft

19.12.2018 00:41

Cypress Hill: Nostalgie mit grünem Nebel

Seit Wochen war der Wiener Gasometer für das allerletzte Konzerthighlight des Jahres 2018 ausverkauft - und kein Besucher sollte es bereuen. Die Hip-Hop-Legenden Cypress Hill boten eine nebulöse, aber tadellose und mit Hits gespickte Rückschau auf 30 Jahre Kult.

„Wir sind seit knapp einem Monat in Europa“, erzählt Frontmann B-Real während des Konzerts, „aber ihr gehört mit Sicherheit zum besten Publikum der ganzen Tour“. Was sich nach gewohnt-billiger Bauernfängerei anhört, scheint das Hip-Hop-Kultkollektiv Cypress Hill im restlos ausverkauften Wiener Gasometer aber ernst zu meinen, denn aufgrund der grandiosen Stimmung gibt’s für das österreichische Publikum im Zugabenblock noch einmal zwei Extranummern zu bejubeln. Das Verhältnis zwischen dem Alpenstaat und den Latino-Kaliforniern ist seit jeher ein mehr als Gutes. Fast alle Jahre lässt sich die Band im Laufe des Sommers entweder beim Nova Rock oder beim Frequency blicken und wenn das einmal nicht klappt, dann kommen die beiden Frontmänner eben mit ihren rockigen „All-Star-Side-Projects“: B-Real mit den Prophets Of Rage und Sen Dog im etwas kleineren Rahmen mit Powerflo.

Rauchschwaden
Die erste Cypress-Einzelshow nach acht Jahren war folgerichtig seit Wochen ausverkauft und vor der langsam einkehrenden Besinnlichkeit konnten die rund 3.200 Fans aus allen Altersschichten noch einmal richtig die Sau rauslassen. Party wird bei Cypress Hill seit jeher ähnlich groß geschrieben wie das Legalisieren von Marihuana. Quasi die halbe Diskografie des Quartetts dreht sich um Bongs, Spliffs, Weed und lustige Sportzigaretten, in ihrer amerikanischen Heimat setzten sie sich für die Legalisierung von Cannabis wohl noch stärker ein als für die eigene Karriere im Musikbusiness. So verwundert es auch nicht, dass sich die süßen Rauchschwaden vom U-Bahn-Aufgang bis hin den Saal ziehen - wäre der Inhalt ein herkömmlicherer, unser Vizekanzler würde jubilieren.

30 Jahre sind die Multi-Platingewinner mittlerweile unterwegs und haben in dieser Zeit nicht nur an die 20 Millionen Alben verkauft, sondern die Geschichte des US-Hip-Hop entscheidend mitgeprägt. Sich selbst bezeichnen sie gerne als „Black Sabbath des Rap“, mit den harten Stromgitarren kokettiert die Band schon seit ihren Frühzeiten. Nicht mit an Bord ist an diesem Abend übrigens DJ Muggs, der aber mehr als würdig ersetzt wird. Mix Master Mike, erster dreifacher DJing-Weltmeister, steht an den Turntables und sorgt von Anfang an für exaltierte Stimmung. In seinen Samples verbrät er auch Zutaten der Beastie Boys - anno dazumal wohl seine prominentesten Arbeitgeber. Gemeinsam mit Drummer/Percussionist Eric Bobo sorgt Mike für den rhythmischen Korpus, von dem aus sich die zwei Frontmänner entfalten können. Ganz im Zentrum Frontmann B-Real, mit seiner einzigartig näselnden Stimmlage, etwas im Abseits und eher für die konservativen Parts zuständig ist Sen Dog. Zwei Freunde fürs Leben, die die Liebe zu Musik, Bodenständigkeit und Vernebelung teilen.

Entspannter Zugang
Die dicke Hose ist natürlich auch Cypress Hill nicht fremd, doch im Gegensatz zu den Autotune-verseuchten, inflationär nach Skandalen geifernden Möchtegern-Gangstern der Neuzeit geht es hier musikalisch um die pure Basis des Hip-Hop und textlich um mehr oder weniger gesellschaftskritische Inhalte, die sich aber stets mit dem realen Leben und dem Alltag auseinandersetzen. Das neue und zugegeben mediokre Album „Elephants On Acid“ dient dem Ganzen zwar als Touraufhänger, dass Cypress Hill aber nur drei Songs daraus auf der Setlist haben, spricht Bände. B-Real, Sen Dog und Co. wissen eben, dass die wirklich fetten Jahre länger zurückliegen und man auch würdevoll mit Nostalgie für Begeisterung sorgen kann. Um das nicht falsch zu vermitteln: Die Relevanz der Band ist ungebrochen, aber sie hat einen angenehm-entspannten Zugang zu eigenen Bandhistorie.

Mit Songs wie „When The Shit Goes Down“, „Boom Biddy Bye Bye“ oder „Lick A Shot“ triumphieren sie schon im ersten Showteil gut auf, so richtig an Fahrt nimmt die Chose aber nach einem kurzen Instrumental auf. „I Wanna Get High“, „Dr. Greenthumb“ und die zwei Megahits „How I Could Just Kill A Man“ und „Insane In The Brain“ prasseln im Maschinengewehr-Stakkato auf die feiernden und begeisterten Fans ein. Die Zutaten dafür sind so simpel wie effektiv: gute Laune, hochwertige Rap-Skills, einen Meister an den Turntables und perfekt eingesetzte Percussion. Bei „Latin Lingo“ und „Latin Thugs“ darf auch mal Sen Dog in den Mittelpunkt rücken, bevor im Finish das famose und immer noch munter durchs Ohr fließende „(Rock) Superstar“ für Begeisterung sorgt. Dass die Bühnenshow spartanisch und die Interaktion mit dem Publikum auf Sparflamme gehalten ist, macht nichts. Die Musik und die vielen Hits sprechen für sich. Und wer weiß? Vielleicht sieht man Cypress Hill bald wieder am Nova Rock, denn ein Konzert in Mannheim Mitte Juni ist bereits fixiert…

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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