18.12.2018 22:42 |

Überfall in Ottakring

Elf Jahre Haft für zwei Beteiligte an Postraub

Wegen Beteiligung an einem bewaffneten Raubüberfall auf ein Postamt in Wien-Ottakring, der sich am 6. Oktober 2009 zugetragen hat, sind am Dienstagabend am Landesgericht zwei Männer zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Über einen 48-jährigen Armenier und einen 32 Jahre alten ehemaligen Post-Mitarbeiter wurden jeweils elf Jahre verhängt. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Den Angeklagten wurde vorgeworfen, die Tat gemeinsam mit einem Mann, gegen den gesondert verhandelt wird, und einem bereits rechtskräftig abgeurteilten, damals im betroffenen Postamt beschäftigten Mitarbeiter vorbereitet zu haben, der in den Coup eingeweiht war.

Bei Überfall mit Spielzeugpistole 264.000 Euro erbeutet
Bei dem Überfall hatte ein mit einer täuschend echt aussehenden Spielzeugpistole bewaffneter Georgier 264.000 Euro erbeutet. Dafür fasste der Georgier zwölfeinhalb Jahre Haft aus. Der involvierte Mitarbeiter der ausgeraubten Post-Filiale kassierte zehn Jahre. Vor Antritt seiner Strafe setzte sich der Mann mit türkischen Wurzeln aber in seine Heimat ab. Seither ist er von der Bildfläche verschwunden.

Der in einer anderen Filiale beschäftigte Ex-Kollege des Flüchtigen sowie der Armenier, die gegen ihre erstinstanzliche Verurteilung Rechtsmittel einlegten, sollen die Reise des Georgiers nach Wien organisiert, den Tatort ausgekundschaftet, die Waffe und eine Sturmmaske besorgt und den unmittelbaren Täter zum Überfall chauffiert und im Anschluss wieder weggebracht haben.

Sie hatten das vor Gericht bestritten. Der Armenier beteuerte, er habe mit der Sache nichts zu tun. Der 32-jährige Wiener erklärte, er sei vom verschwundenen Ex-Arbeitskollegen auf einen inszenierten Raub angesprochen worden, hätte dieses Ansinnen aber abgelehnt und nicht mitgemacht.

Post-Angestellte leidet unter schweren Dauerfolgen
Verhandelt war vor einem Schwurgericht worden - eine der Angestellten hatte der Raub laut Anklage derart mitgenommen, dass bei ihr schwere Dauerfolgen auftraten, die einer Körperverletzung gleichkamen. Der beigezogene Gerichtspsychiater Peter Hofmann bescheinigte der mittlerweile 53-Jährigen eine posttraumatische Belastungsstörung, die er auf das Erlebte zurückführte.

Die Frau war erstmals 2008 überfallen worden. Der damalige Täter hatte im Postamt sogar in die Decke geschossen, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen. Gänzlich aus dem Gleichgewicht brachte sie aber der zweite Raub, wie sie nun als Zeugin dem Gericht darlegte. Dieser Täter hätte sie und ihre Kollegen mit einer Schusswaffe bedroht und einen „tödlichen Blick“ an den Tag gelegt, sagte die Zeugin: „Es war schrecklich. Ich möchte mich nicht daran erinnern.“ Der Unmaskierte sei einfach dagestanden und hätte auf sie gezielt: „Vielleicht hat‘s ihm Spaß gemacht.“

Zu den Folgen des Überfalls meinte die 53-Jährige: „Ich kann seither schlecht schlafen, habe Angstzustände, Schweißausbrüche.“ Sie habe schließlich ihren Job bei der Post und zwei weitere berufliche Tätigkeiten aufgeben müssen: „Ich habe vorher 3000 Euro netto verdient. Jetzt habe ich nichts als Schulden. Ich kann mir nix mehr leisten.“ Sie stehe in psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung: „Ich habe lange Zeit überall dieses Gesicht (gemeint: des Täters, Anm.) gesehen.“

Verteidiger setzten Frau in Befragung zu
Allerdings hatte die Frau erst 2013 ihre berufliche Karriere beendet, woraus die Verteidiger den Schluss zogen, dass der Raub möglicherweise gar nicht kausal für ihren psychischen Verfall war. „Ich habe lange versucht, selbst damit klar zu kommen“, hielt dem die Frau entgegen. Sie habe vier Jahre gebraucht, um zu erkennen, „dass ich es nicht in den Griff bekomme.“

Weil ein Anwalt sie recht scharf befragte, stürmte die Zeugin nach ihrer Aussage noch einmal weinend in den Gerichtssaal und pflanzte sich vor dem betreffenden Verteidiger auf. „War das nötig?“, rief sie ihm sichtlich erbost zu. „Ja“, erwiderte dieser trocken. Sie wolle sich mit dem Postraub nicht mehr auseinandersetzen, konterte die 53-Jährige: „Soll ich deswegen im Urwald verschwinden?“

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