19.12.2018 07:00 |

Großer Rückblick:

Lend und die Schicksalstage im Alu-Werk

Die SAG brachte einst Leben nach Lend: Kaum ein anderer Ort wurde so von der Aluminium-Industrie geprägt. Seit 1868 besteht das Werk schon. Der Konzern wurde schrittweise zersplittert. Vor zwei Jahren wanderte die Gießerei in tschechische Hände, dort ist jetzt Schluss. Es bleiben aber starke Produktionsbereiche.

Irgendwie wirkt Lend ein wenig verlassen: Es ist ein bitterkalter Wintertag. Der Fabriksschlot der Gießerei prägt zwar noch das Ortsbild, einige Werksgebäude und Mitarbeiterwohnhäuser sind aber längst verschwunden. Die Aluminiumindustrie wandelte sich mit dem technischen Fortschritt. Drei Ofen-Generationen brannten einst in Lend und formten den Rohstoff. Hackler schufteten schwer. Der Gemeinde bescherte das einen Zuzug. In Glanzzeiten waren im Werk bis zu 600 Mitarbeiter beschäftigt.

Peter Eder senior erinnert sich noch gut an den 7. Februar 1992. Ein Schicksals-Tag, an dem über die Zukunft der Aluminium-Werke in Lend entschieden wurde. Die Schweizer Pioniere hatten sich ursprünglich wegen der perfekten Lage von Lend hier angesiedelt: Die Gasteiner Ache ist ideale Energie-Quelle, denn die Alu-Produktion gilt als großer Stromfresser. Die teure Elektrolyse war dann nicht mehr wirtschaftlich. Umweltauflagen wurden streng.

Wöhrer übernahm von Schweizer Eigentümern


An jenem Tag im Frühjahr 1992 übernahm der Industrielle Josef Wöhrer, auch vier Prokuristen blieben vorerst Teilhaber. Mittlerweile hat die nächste Generation das Sagen. „Anfang der 90er hat sich die Einheit dann zersplittert“, erzählt Eder, der frühere Bürgermeister und Betriebsrats-Chef, dass das der Anfang vom Ende war. Es kam zu Firmen-Teilungen. Kleine Abteilungen wie Bau und Transport wurden aufgelöst. Statt des Herzstücks, der Alu-Produktion, rückte die Erzeugung von Druckluftbehältern und Kraftstofftanks an oberste Stelle.

Lend war schon für die Schweizer Gründer immer ein Entwicklungsbetrieb. Neue Verfahren wurden etabliert, auch Rundbahnen konnten schließlich verpresst werden. In den 2000ern gab es auch spektakuläre Projekte wie ein Werk im Oman: Salzburger Mitarbeiter reisten auch noch zur Eröffnung, in der Finanzkrise wurde es aber still um die „Außenstelle“.

Aus für Gießerei mit 40 Arbeitsplätzen


Ende 2016 dann ein herber Schlag für den Standort: Die Gießerei mit rund 40 Arbeitsplätzen und die Plattenproduktion in Schwarzach wurden herausgelöst und in den Konkurs geschickt. Die tschechische MTX-Gruppe stieg ein. Ein Rettungsanker, der nicht stabil war. Mit Ende des Jahres geht die lange Ära der Gießerei in Lend zu Ende.

Was bleibt, sind aber die neuen Kern-Bereiche der SAG: Die Druckluft- und Kraftstoffbehälterproduktion und die technische Entwicklung finden nach wie vor in Lend statt. Die Stimmung im Kernteam der SAG sei gut, erzählt Betriebsratschef Andreas Viehhauser: „Es wurden die Mitarbeiter sogar aufgestockt.“

Der ganze Ort leidet unter dem Wandel. Für die Ex-Gießer wurde zumindest ein guter Sozialplan verhandelt.

Sabine Salzmann
Sabine Salzmann
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